Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Volume
- 13 (Ausgabe B) (1937)
- Issue
- 23 (1.12.1937)
- Date
- 1937-12-01
- Page
- Seite 409 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Ausgahe J£ eindeblatt für den Verband tler Kiiltusgeineiiicleii in Bayern und die Kultusgemein den München, Augsburg, Bamberg, Würzburg Ausgabe A: Allgemeine Ausgabe, Bezugspreis UM. -.60 im.Vierteljahr, RM. 2.4,0 für das Jahr Ausgabe B: Mit dem Beiblatt für Würzburg und Umgebung. Bezugspreis RM. 1.50 im - Vierteljahr, RM. 6.— für das Jahr. Erscheint am 1. und 15. jeden Monats. Herausgeber: Verband Bayer. Israel. Gemeinden / Verlag B. Heller, München, Plinganserstr. 64, Tel. 75 6 65, Postscheck München 39 87 / Anzeigen nach Tarif. Angemeldet beim Sonderbeauftragtendes Reichsministers für Volksauf-, klärung und Propaganda betr. Überwachung der geistig und kulturell tätigen Juden im deutschen Reichsgebiet. XIII. Jahrgang München, 1. Dezember 1937 Mr. 23 Inhalt: Einmütige Förderung des Palästina-Aufbaus und' der Ubersee-Aus Wanderung — Aus der Gemeinde München — Zionistische Ortsgruppe München,,— Staatszionistische Organisation, Ortsgruppe München — Aus bayerischen Gemeinden — Aus dem Reiche — Jüd. Turnu. Sportverein München e.V. „Jtus" — Bücherschau — Jüd. Kulturbund in Bayern, Ortsgruppe München— Bekanntmachungen: Bekanntmachung über Ausgewanderten-Kartei, Bekanntmachung betr. Aufnahmen in. das Altersheim Mathildenstraße — Jüdische Handwerker und Kleingewerbetreibende — Personalia — Kalendarium und Gebetszeiten. Einmütige Förderung des Palästina-Aufbaus und der Übersee-Auswanderung Jewish Agency und Keren Hajessod — Die Tätigkeit des Hilfsvereins I. Jewish Agency und. Keren Haiessod ' Das Geschick hat es gefügt, daß in diesem Jahr, in welches die zwanzigste Wiederkehr des Tages der Balfour-Deklaration Hei, ein neues Blatt in der Geschichte des-jüdischen Aufbauwerks in Palästina aufgeschlagen wurde. Nach einer -Schaffensperiode von noch nicht zwei Generationen soll nach den Plänen der englischen Mandatsregierung ein Traum zur Wirklichkeit werden und in einem Teil Palästinas der Judenstaat von neuem erstehen. - Die jüdische Welt fühlt die historische Stunde, in welcher die Mächte dieser Erde den Anspruch des jüdischen Volkes, auf eigener Erde wieder zur Staatsnation zu werden, in seinen - letzten Konsequenzen anzuerkennen sich bereit erklärt haben. „ In seinen schwersten Jahren ist Palästina den Juden in Deutschland besonders nahe gerückt. 40 000 aus unserer Mitte hat es neuen Heimatsraum gegeben, vielen von uns neue Kraft zum Leben und den Glauben an eine jüdische Zukunft. Wer die Reihe der Veranstaltungen miterleben konnte, die in den letzten Tagen von der Jewish Agency und dem Präsidium des Keren Haiessod aus Anlaß des zwanzigsten Jahrestages der Balfour-Deklaration in Berlin durchgeführt wurden, empfand dieses mit besonderer Klarheit. Bei der großen Kundgebung, die von der Jewish Agency und dem Keren Haiessod in der größten Berliner Synagoge Berlins durchgeführt wurde, füllten 3500 Menschen den großen Raum bis auf den letzten Platz. Rabbiner Dr. Baeck, der Präsident der Reichsvertretung, Direktor Heinrich Stahl, der Vorsitzende der Berliner Jüdischen Gemeinde und Dr. Michael Traub, der geschäftsführende Vizepräsident des Keren Hajessod in Deutschland, sprachen über das "Thema „Von der Balfour-Deklaration zum Judenstaat"1. Es wurde deutlich, in welchem Maße die von uns . Juden durch nationale Arbeit mit nationalen Mittein in Palästina geschaffenen Tätsachen Schrittmacher, ja entscheidende Voraussetzung aller politischen Erfolge gewesen sind. Die jüdische,^Gemeinschaft in Deutschland wird es an Anstrengungen, dem Keren Hajessod die nötigen Mittel zuzuführen, nicht fehlen lasseh. Diese Uberzeugung sprach aus den Worten, die auch Ob er st- Iand'esgericht'srat Dr. Neumeyer_namens der drei süddeutschen Gemeindeverbände an die jüdische Öffentlichkeit bei der Berliner Kundgebung richtete. Zwei Tage zuvor hatten sich die Berliner Freunde und Mitglieder des Keren Hajessod zu einem Teeabend zusammenge^ funden, der ebenfalls dem Gedenken an den Jahrestag der Balfour-Deklaration gewidmet war. Galt die Kundgebung in der Synagoge der Darlegung der politischen Entwicklung und Forderung, so waren die Ansprachen dieses Abends zum Thema „Der Judenstaat" auf die Klärung jener Fragen gerichtet, vor die das Entstehen des Judenstaats die jüdische Welt stellen kann. Unter dem Vorsitz von Rabbiner Dr. Baeck, der auch " einleitend' das Wort ergriff, sprachen Persönlichkeiten aus beiden Lagern der Jewish Agency: Dr. Herzfeld, der Syndikus des C.V. und Chefredakteur der C.V.-Zeitung, auf. nichtzionistischer; R.-A. Benno Cohn. Geschäftsführender Vorsitzender der. Zionistischen Vereinigung für Deutschland, und Dr. Traub auf der zionistischen Seite. Diese Einheit zeigte sich auch anläßlich der Auseinandersetzung bei der am 14. November in Berlin versammelten III. Konferenz des Beirats der Jewish Agency für Deutschland. Zahlreiche Mitglieder des Beirats aus Berlin unddem Reich hatten sich zu gemeinsamer Beratung zusammengefunden. Nach der Verlesung eines Begrüßungsschreibens von Dr. Chaim Weizmann und eines Telegramms der Exekutive der Jewish Agency in Jerusalem, erstattete zunächst Dr. Baeck einen Bericht über die 5. Tagung des Council der Jewish Agency in Zürich. Wenn auch, so betonte er, wir alle von dem Negativen in den Vorschlägen der englischen Regierung aufs Stärkste betroffenseien, so sollte das jüdische Volk doch auch'empfinden, was es bedeute, wenn England dem jüdischen Volk das „große Zertifikat des Zutrauens" dafür erteilen wolle, daß Juden imstande sein werden, auf dem Boden der Väter ein Staatswesen zu schaffen und zu erhalten. Auf der Tagung des Council habe die Jewish Agency die Feuerprobe bestanden, das Zionisten und Nichtziönisten einigende Band'dürfe nie zerrissen werden. Sodann unterzog Dr. Traub den Pejel-Bericht einer eingehenden Analyse und Kritik. Nachdem die Konferenz Informationen über den gegenwärtigen Stand der Palästina-Politik und Palästina-Wirtschaft empfangen und Erklärungen des Sächsischen Landesverbandes sowie der Gemeinden Frankfurt, Breslau, Köln und Leipzig zugunsten des Keren Hajessod entgegengenommen harte; fand die in der Aussprache bei Zionisten und Nichtziönisten einmütig zutage getretene. Einsatzbereitschaft ihren Niederschlag in einem an die jüdische Gesamtheit in Deutschland gerichteten Aufruf zu stärkster Teilnahme an der Campagne des Keren Hajesscfd :für das<Jahr 5698. ►