Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Volume
- 13 (Ausgabe B) (1937)
- Issue
- 22 (15.11.1937)
- Date
- 1937-11-15
- Page
- Seite 391 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Jijuiiscl^ in Bayern 391 HILFSVEREIN DER JUDEN IN DEUTSCHLAND e.V. Samstag, 20. November 1937, 20}s Uhr punktlich im Turnsaal des Jud. Turnu. Sport-Vereins, Plinganserstr. 76, Ecke Johann-Clanze-Straße, (Linie 8 und 28) Vortrag des Herrn Dr. M. Wischnitzer-Berlin Überseewanderung der Juden in den lefzfen 100 Jahren Eintritt frei! 'N^frffV nen miid rrföl^ — Jüdisch© Lieser" das 'aus, wiais gesiaigt werden muß.iuind worin aiudh die Vertoreiitiuinigssohraiilkiän desjüdischem), nödit gelehrten und nicht religiösen Qdhrifttuims «beti .uns .liegen: „-Heute bildet das jüdische Buch inmitten der <uner-meßlichen Welt .der Bücher - einen gewichtigen Bezirk, derauzu durchwandern Gewinn und Bereicherung iunser>eis Geistes Jo^d^tet. Nur idort, wo die dauernde Entfremdung vom jüdischen Bwch Vorurteile erwachsen Heß. scheut man sich vor ihm." Das -Buch bei unseren Vorfahren, -diie Ehrung der „Sefonim" bei unseren Vätern und Großvätern -hat mit dem modernen jüdischen Buch und mit der Liebe zu ihm nur den Namen 3uch" gemeinsam. Während die Großen und Herrschenden, das Volk nmd die Bauern in ider mittelalterlichen nicfafcjüdiischen Welt/Analphabeten waren, das Schwert und den Pflug führten, Buch und Feder dagegen Vorrecht und Verpflichtung des geistlichen Standes waren, konnten im jüdischen Bereich Jung und Alt, Arm und Reich, Mann und - Frau lesen unid schreiben. Im Verhältnis. zu .der Umwelt war fast jeder Jude dn den voremanzipatonischen Jahrhunderten, bevor .das Judentum im Westen seit der Reformation auch geistig verfiel, ein Schriftkenner, der sich in Gebet und Gesetz zurecht fand, und ein ehrfürob#ger Liebhaber und Kenner dies geschriebenen -Wortes. . Man muß ernstlich (befürchten, daß die in ihrer Art richtigen Betrachtungen und Ermahnungen, die wir jetzt auf Veranlassung Ider Reichsvertretung in der jüdisdben Presse über das jüdische Buch 'lesen, ihre Wirkung verfehlen. Dde richtige, zugleich kritische und liebevolle Lektüre iund Erfassiung des jüdi- . sehen Buches an deutscher Sprache setzt Bekanntschaft, Vertrautheit und ständige enge 'Fühlung mit der Literatur der Umwelt, iund >zwar in Vergangenheit und Gegenwart, voraus. Das jüdisch© Buch ikiann nur ein sehr schmächtiger Seflctor aus dem Gesamtbereich ider Literatur ider Völker, die uns umgeben, sein. Ja man kann sich sogar an moderner jüdischer Literatur übersättigein, während man sich an dem guten hebräischen Buch, von der Bibel angefangen, bis Bialik und Agnon " nicht satt lesen kann. Von dieser Lektüre aber können 'die jüdischen Venleger und BucMiändler aus bekannten Gründen nicht leben. Damit sind .die Grenzen der angeregten Werbe- und Hilfe-. alktion angedeutet Wir müssen zw unseren alten- Bücherschränken zurückgreifen; der Literatur der Völker können war nicht entraten. Das hebräische Buch bleibt .ein besonderer Bezirk' für Kenner iund Beflissene. "Das moderne lusaterhalteiiide' jüdische Boich au kauften, ist undbleibt also eine Verpflichtung wie der Besuch des Kulturbundes. Das gute jüdische, gelehrte und beielirende Buch 'kaufen, heißt dagegen in jedem Fall soviel, daß man iisnendliidh mehr entgegennimmt als man mit dem Preis, den der Band kostet, hingilbt. Wem' ein solches „ge'lehr- ' tes",. „belastendes", „nicht gemeinverständliches" Buch nichts sagt, oder (unzugänglich ist, mag es, wenn er gutartig ist und das Judeirbum um seiner Vergangenheit und seines Schicksales liebt; und betreut, dennoch kaufen iund um sein Verständnis so tapfer wie möglich ringen. Auch dieses genügt! Aus dem Sektor der allgemeinen Wirtschaft des Buches in Deutschland herausgenommen, wird das jüdische literarische Erzeugnis .nicht mehr wie bisher existieren können. Rückbildungen -in die ifrühere Art, wie das jüdische Buch hergestelltiund vertrieben wunde, sind kaum vermeidbar. DieVer- - sorgung des jüdischon Publikums mit guter jüdischer Literatur wird darunter nur. dann nicht leiden, wenn sich großzügige Unternehmer und Organisationen des Judentums in Deutschland aiuch des Verlags- und Buchwesens 'annehmen, wie sie sich der Kulturbünde angenommen haben. F. Aus der Gemeinde München ■ r Vortrag Dr. Wischnitzer über die Wanderungen der Juden am Samstag, den 20. November, im Itussaal. Der Hilfsverein der Juden in Deutschland, über dessen Tätigkeit und Veröffentlichungen wiederholt in diesen Blättern berichtet wurde, veranstaltet am Samstag, den 20. November, pünktlich abends 20.15 Uhr, im Itussaal, PlinganserstraBe 76, Eingang Johann-Clanze-Straße, einen Vortragsabend. Der Redner Herr Dr. M. Wischnitzer gehört zu den besten Kennern der Verhältnisse der Juden in der großen Zahl der Auswanderungsländer. Der Vortragende wird über die verschiedenen historischen Epochen der jüdischen Auswanderungsbewegung sprechen und vor-allem die heutige Lage der einzelnen Länder behandeln. Zu dieser Veranstaltung, die durch den Präsidenten des Hilfsver eins, Herrn Max M. Warburg (Hamburg) oder in dessen Verhinderung durch Herrn Konsul S. Aufhäuser (München) eröffnet wird, sind alle Gemeindemitglieder bei freiem Eintritt eingeladen. * Einweihungsfeier und Besichtigung der Lehrwerkstätten des Verbandes Bayer. Israelitischer Gemeinden Über die Eröffnung nmd Einridhtiung der Lehrwerkstätten des Verbandes haben wir ausführliich in diesen Blättern (m Nr. 1.6 vom IS. August 1937) berichtet. In der zweiten Augustwoche haben die jüdischen Lehrwerkstätten ihre Arbeit aufgenommen. Das Werk begann mit 40 Lehrlingen, darunter mehr als 30 aus den kleinen Gemeinden, nur ein Fünftel aus München. . Deine tägliche 5-Pfennig-Spende schafft jüdisches Nationalvermögen - erlöst den Boden in Obergaliläa. Jetzt Büchsenleerung des KKL Jüdischer Nationalf onds e* V* Sekretariat München, Schlosserstr.2