Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Volume
- 13 (Ausgabe B) (1937)
- Issue
- 21 (1.11.1937)
- Date
- 1937-11-01
- Page
- Seite 371 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr.^l- **»*i^.ä?!?-*«'?.-* - Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Eultusgemeinden in Bayern 371 JSfadht; die Sterne waren .westwärts" am Firmameaiit weitergerückt, aiber ■ ihre Myriaden schämten: mild aufs weite Meer herab. Seltsam schattenhaft lehnten Frauen .unid Männer am der Reling. Eine starke Erregung hatte sie nicht schlafen lassen. Mußte doch in kurzer Frist der Augeiiiblick kommen, dia die Küste Palästinas sichtbar vor ihnen lag. Herzl erhob sich von seimem Liäger und schritt unruhig umher. So nah am Ziel seiner Wünsche mag er sich in jener Sturode^ nocheinmal der mühereichen Arbeit erinnert haben, die hinter ihm lag. Nur noch ein paar »Kilometer hatte das Schiff zu fahren, dann wollte -er das Land! betreten, dem sein Wachen und sein Träumen galt. Herzl 'ging nach vorne, stützte beide Arme auf die Reling und blickte unverwandt gen Osten. Sein Freund David Wolffsöhn trat zu ihm und fragte ihn nach seimem Wohlbefinden. Eine kurze Antwort — dann legte sich Schweiigen zwischen die beiden Männer. Da, es war sieben Uhr, erspähten Wolffsohns stärfe Augen einen matten Streifen, der lam/g hingestreckt -und an zwei Punkten »sanft nach oben ausgewuchtet -den* Horizont säumte. Und schon kam eine Bewegung in die Menschen um sie her. Es begann ein lebhaftes wenn auch verhaltenes Gemurmel. Wolffsohn lenlkte. Herzls suchende Blicke mit ausgestreckter Hand. Und nun erschaute auch er die Küste, der das Schiff zueilte. Eine Stunde noch, und der Dampfer konnte im «festlich geschmückten Hatfen von Jaffa vor Anker gehen. Den Passlaigieren 'beut, sich ein nie .gesehenes Bild dar. Auf Dutzenden kleiner von dien «tarlcbewegten Meereswellen auf und nieder «geschleuderten Boten nahen buntgekleidete, wild duTcheinander 'schreiende Aralber dem Dampfer. Sie springen überaus behende hin und her und weichen »dien Gefahren mit einer Gesdhicklidifkeit aus, wie es 'ihnen keiner nachtun könnte, der nicht von Kindesbeinen an mit dien Tücken dieser Jaffaer Felsenküste vertraut ist. Mit affenartiger Geschwindigkeit wind an den Dampfer hertangerudert, und schon klettern die ersten hinauf und erfüllen das ganze Schiff mit wüstem Lärm. Fliegende Händler bieten prächtige Orangen an und feilschen mit den Kauflustigen um den Preis. Lastträger drängen sich an die Passagiere heran, und ehe man sich's versieht, wird man die Schiff treppe beraibgeizogen und buchstäblich m die schwankenden Rote hta^^^ Abseits von dem Durcheinander der ungeduldig harrenden Menge steht, einem ärmlich (gekleideten Weibe zuneigt, Theodor Herzl und läßt sich von ihm erzählen, was es so besorgt macht. Sie 'kommt aus Rumänien (und will eine »kranke Tochter besuchen; aber sie hat keinen Paß und weiß nicht, wie sie durch die Kontrole.kommen soll. Herzl weiß Rat; die Frau eines reichen französischen Zeitungsschreibers ist mit ihm gefahren. Er bittet sie, die rumänische Jüdin als Dienerin mit an Land zu nehmend und bald Sieht man die. beiden Frauen unlbehöll'igt den Strand Jaffas betreten. Herz und seine Freunde sind unversehrt aiisgebotet; sie gehen gurch die .Paßkontrolle und steigen die Freitreppe des Hotels hinan, das unmittelbar am Strande liegt. In diesem Augnlbllck hört man Böllerchüsse: der deutsche Kaiser Wilhelm II. hatte zu gleicher Minute -iim Hafen ziu Haifa den Boden- Palästinas betreten. _ - Es war wenige Tage nach der Landung, da sollte die von Herzl langersehnte Begegnung zwischen der hohen Majestät und ihm, dem jüdischen VoHcsmanne stattfinden. Herzl iufair am frühen Morgen in einem Wagen von Risohon Lezion nach Rechowoth ab; seine Freunde 'begleiteten ihn. Noch waren die ersten Häuser der Siedelung nicht erreicht, da sprengen plötz- Ich. als seien sie aus dem Erdboden gewachsen, (sechzehn KULTUSGEMEINDE MÜNCHEN Sonntag, den 7. November, abends & Uhr 15 Itus-Saal, PlinganserstraBe 76 (Eingang und Haltestelle Johann-Clanze-Strafce) Vortrag von Dr. Otto Weiler EINDRÜCKE VON EINER AMERIKA-REISE Eintritt frei KARTENABGABE: Gemeinde-Kanzlei, Herzog-Max-Shrafie 7/1 Ewer Budihandlung, OttostraBe 2 Geschäftsstelle des ItusT PlinganserstraBe 76 Karten nur an den vorgenannten Abgabestellen und nicht am Abend der Veranstaltung. Im Bedarfsfalle wird die Veranstaltung am 13. Nov. wiederholt. junge jüdische Burschen hoch zu Roß daher. In raschem Ritt umkreisen sie den Wagen Herzls; sie schwenken die Arme» singen ein hebräisches Bauernlied und rufen Hedad und Hoch Herzl! Aufs heftigste bewegt läßt Herzl das Pferd halten, steigt aus, und im Nu ist er von den frischen eben vom Feld kom- menden Jungens umringt. Kaum kann er sich der Händedrucke erwehren, und mit Tränen in den Augen richtet er ein paar Worte an die Bauernsöhne. Dann fuhr er weiter. Alt und Jung umsäumte die Dorfstraße, und froher Kindersang ertönte, als Theodor Herzl in der Kolonie eintraf. Vor dem Gemeindehaus wurde Halt gemacht. In der Ratsstube erwartete der Vorsteher der Siedlung den Gast aus Wien. Es gab viele gutgemeinte Reden; es würde Herzl zu Ehren ein fröhliches Mal veranstaltet, und erst als die Kühle des Abends sich über die Siedlung legte, verließ Herzl Rechowoth und kehrte nach Jaffa zurück. Am nächsten Morgen in der Frühe — das Thermometer zeigte schon 41 Graid in der Somme — fuhr Herzl nach Mikweh Jisrael, wo er den Kaiser erwarten sollte. Vor der Ackerbauschule hatten sich bereits die Schüler in Reih und Glied aufgestellt. Die Straße war sehr belebt von den vielen Siedlern, die von fern und nah herangeeilt waren. Eine starke Erregung hatte sich ihrer bemächtigt. Sollten sie doch das Glück haben, einen der mächtigsten Herrscher der Welt und einen der großen Söhne des eigenen Volkes von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Es war neun Uhr geworden; die Hitze hatte noch, um ein Beträchtliches zugenommen, da legte sich mit einem Male die Ruhe höchster Spannung auf die wartende Menge. Im Augenblick sprengt eine Schar grimmig dreinschauender Türken, ihre krummen Säbel schwingend, heran. Ihnen folgen die stolz und ruhig auf ihren Pferden sitzenden deutschen Vorreiter des Kaisers ,und dann naht der Kaiser selber. Er reitet ein wohlgesatteltes edles Roß und trägt auf seinem Haupte den arabischen Kefije mit lang hinten herabhängendem weißem Schleier, die ihm Schutz vor der sengenden Sonne gewähren sollen. Theodor Die Ausgewanderten-Kartei der Israelitischen Kultusgeffleinde München ist von großer Bedeutung zur Herstellung einer wirksamen Verbindung der ausgewandertett' Gemeindeangehörigen untereinander und mit der Heimatgemeinde. Wir bitten alle Gemeindeangehörigen herzlich um ihre Mitwirkung. ' Näheres unter Bekanntmachungen der Israelitischen Kultusgemeinde München, siehe Seite 385.