Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1937
- Issue
- 8 (15.10.1937)
- Date
- 1937-10-15
- Page
- Seite 16 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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S c lfr T fi | e i t u n g: Max A d 1 e r , M ü n c h e n 1937 München, 15. Oktöber 1937 Nr;.. 8 Zeichen-Unterricht an der Jüd. Schule Herr Siegfried Ziegler hat auf unserer Fortbildungstagung in Würzburg ein sehr instruktives Referat über den Zototoemurrte Triebt an der iiidischen Schmie und,über Fragen der Kunstbetrachtung"erstattet. Wir ■sind 'dorn Referenten sehr daifldbar, daß er, dem Wunsch aller Teitonelmtcr uach'k;o mimend, uus dia,s Referat zur Veröffentrich'irnig übergeben hat- Wir stand uns wiohl bewußt, d.aß d'ie Kürzii'n'geini, die wir aus Gründen der Raumnot vornehmen mußten', die Wlirletrng des ausgezeichneten Vortrages ebenso stark beeinträchtigt wie die. Zerreißung in mehrere . Fortsetzungen. Aber das sind Notwendigkeiten,-denen wir uns beulen müssen. Wir bitten unsere Leser und iiisbesondere den Autor dieser Arbeit deshalb vielmals um Hntschtildigung. Die Schriftleilung. Iis gibt heute noch viele Kreise, die der Meinung sind, daß Juden nlclit zeichnen könnten. Ich selbst habe es erlebt, daß meiiiu Zeichenlehrer am <<yiiviiu'i^ini/iir. der Cime ähnliche Auflas su,n:g von jüdischer, ma,uiuoller Uuil)ogabt,he<H veitral. einmial errötete," als'er in einer Ze'i'chieii'Sl'irn'd'e-. -in der 'ich wogen eines jiiüisaheiii .Feiiert:a.gs a'bweseiid war, nadb mir -fragte uuwJ erfahren hatte, daß ich Jude w;ir. Dali d;tose MeimMg, Jaidfcn konnten ni'üht zeichnen, vollkommen falsch ist, 'das bewci'wu vor 'nillem the Namen -sio vieler großer bildender jüdischer Künstler, z. IL I s r;i e I s . L i e b e r in a n n . der Halbjude M a r e e s , der bedeutende Pole P i I i c h o f s k i und viele andere. Meine eigenen Erfahrungen, die ich durch meine Lehrtätigkeit und durch meine Beziehungen zu bedeutenden Persönlichkeiten auf dem Gebiete des Zeichenunterrichtes, durch welche ich auch Hinblick in das Leistungsniveau der nichtjiidischen Schulen erlangte, sammeln konnte, beweisen mir, -daß unsere jüdische Jugend in manueller Hinsicht nicht geringer veranlagt ist, als die gleichaltrige übrige Jugend. Zuzugeben ist, daß man früher vielleicht diese Fähigkeiten nicht in besonderem Grade geweckt oder wenigstens ni^it in größerem Stile gefördert hat. Aber ebenso sicher ist,, dalpich die Zeiten nach diesem Gesichtspunkte hin wesentlich geändert haben. Wir erleben es ja, daß man einen großen Teil unserer heranwachsenden Jugend in eine Welt führt, wujdic.. Handarbeit, das Mamuelile den entsebeidenden Ton anschlägt. Denn diese Sprache, ist sie einmal gründlich und gewissenhaft e r I e r u t , erarbeitet, errungen, diese Sprache des tüchtigen J hyndwerkers, wird auf der ganzen Welt verstanden, geschätzt und gebraucht werden- Ls ist keine neue Weisheit, wenn ich aus diesen Gedankengängen heraus die Ansicht vertrete, daß ein «rundlicher Zeichen Unterricht, dec sieh, selbstverständlich an die methodischen Erfahrungen der aui diesem Gebiete heivoiiagrndeu deiilschen Schulen anlehnt, die erste Stufe und die beste Vorbc reiliing auf (lein Wege zur handfertigen (ieschicklichkeit ist. Al/er nicht, nur diese analysierenden Erwägungen und praktischen (iesiebtspuukte sind es, die diese Ansicht berechtigt sein lassen, nein, das innere M c d ü r hi i s . die F r c Ii d e am Zeichnen d a s Ii e wüßt s e in. sich a ii f e i n e a n d e r e W e i s e a 11 s d.r ii e k e n z u k ö n n e u k . all das, was lieh' wahrend meiner vierjährigen Lehrtätigkeit bei unseren Kinllern erlebt habe, berechtigen mich, noch viel in e h r zu der Ansicht, daß ein guter Zciehenuiilei rieht wie an allen anderen Schulen, auch von unserer jüdischen Seh nie k;ir nicht wegzudenken ml. Wol|l bin ich iirii daiubn klar gewbidcn, daß diese Stunden, in denen die kiudn andere Mlllel in die Hand bekommen lollen/um ihrer kindlichen Phau- L\%C Aufdruck %u .verleihen,, jich uiabt r,u weit entfernen dm feil von dem GcdchHkrels des Gesamtunlei riehts. )e mehr SlOll der Zeichenunterricht in die Gedankengänge di"< ubiigen L<*hrpio^iamms einfügt, i;i '-deh mit elii*4<Jiliel.H. desto eilolg reicher und ZW(M;k,(?iiUpi eehemter weiden sehn4 l^euulLHe sein, Schon aus , diesem Grunde müssen wir an unseren Schulet* jüdischen Dingen und Erlebnissen in jeder uns ,nur möglichen Weise auch im Zeichenunterricht Ausdruck verleihen, ich habe es immer wieder erlebt, daß gerade auf di es cm Gebiete dem Zeichenlehrer besonders dankbare Aufgaben erwachsen. Sind uns doch gerade in den letzten Jahren Kinder zugeströmt, die sehr oft von jüdischen Dingen nur wenig wissen. Wie relativ leicht gelingt es manclmial, durch das Gestalten der Djnge, durch schaffendes Friemen manchen inneren Kern eines Kindes zu erwärrheu und mit vielem vertraut zu machen, was uns seit J a h r t a u s e n d e n z u b e w a h r e n und i u a 11 e r Kraft zu erhalten ein heiliges Vermächtnis bLeibt. Wie zeremonielles Üben zur tiefsten Andacht führen kannmo bringt ein sich .gründliches Betätigen mit den Dingen me^cns ein geistiges, ein seelisches Erfülltsein von den Dingen mit sich, in einer Krajt und l iefe, wie sie vielleicht o h n e die M a - , tcric nie erreicht würde. Von (.'hopin erzählt man, daß aus seinen alltäglichen Fingerübungen, Tonleitern, die köstlichsten Inspirationen zu seinen Kaviieret'iiidiein entsprungen sind., die z.n dun herrlichsten Schöpfungen zu zählen sind, die auf diesem Gebiet der musikbeflissenen Welt geschenkt wurden. Wie bei den höchsten Leistungen menschlicher Arbeil,, so kann auch bei erziehlichen Aufgaben die Hand zum Verstand, die .manuelle BettiUgung zum geistigen Friassen. führen. Dieses Zusammenwirken verschiedener Veranlagungen rundet den heranwachsenden Menschen günstig ab. Ich hatte das Glück auf meinen eisten Wegen, die mich aus meiner rein künstlerischen in dic,gan/. andere, in die Welt des Lehr- und leriibareu Zeichnens führte, auf eine Persönlichkeit zu stoßen, dessen Methodik auf diesem Gebiet ich nach wie voi als den grundlichsten Grundstoff für den ZPlCNcfmiitei rieht anerkenne. Fs ist ObersludieMdircktor S ( e i g e i \v a I d t . der Autor des wunderbaren Werkes: 1) a s L e h r - im d I . e r u - bare des Zeichnens, erschienen bei R. Oldenbourg. München \()2H. Steigerwaldt teilt den /eiehei i drei r.roße Abschnitte ein: leri u lil an den Vi I. Lelirplanstiifc: \ Vorslellungszeichnen t.vpisclK>r Formen II. Lehrplaustule: Abzeichnen flacher Formen. III. Lelirplanstiifc: Räumliches Zeichnen. Stei^erwalilt rnlwicktdl .seine ei sKMt /.eicliuei ischen \eisucln' aus den runden l orineu. die oliwolil einen' Kreis /.u zeichnen, eine grolle Geschicklichkeit wu.hismM/I dem meiischlicheii Orgaujsiiuis nähet lirucn, als snv.en ccKikc l'or ■ inen. F.s ist wunderbar.'wie die Kinder selbst, wenn man sie fraul, was könnt od«er wollt, ihr zeu liuei». und sie selhst\ei stündlich im Scliul/.iiiuuer henimscliaucn und Tafel. Landkarte. Türe, Feiisfei, Decke. Katheder (lauirr ei'kine lonneii) \oi schlagen, e r k e u neu . wie vet schiedcnai tig und schwietig d'iiCse Vierecke se'iu können. Hesumlers dann, wenn nein ihnen an der Tafel beweist, daß Rechteck. OundraL Parallelmiiamm. Raule usw. auch Vierecke sind, dnen \ ei sclurdriie Seilen man fe.uaii a'hw äjii'ii und richliiinjisueinäll /.en.-huen muH: wenn man -die da-U'ii dinch Ze.Keii der Ta-sclii" inih i. l.ehFduk ll.nweis . i 111 I laiishallgej'.eiislände und uii/.;ihlit;c .er.ciistaudc dn Straße ml die i Ii Ii d e Form hinweist, und besiMulcis i\\ci\\ die I'oiiii eines viercckigim llefles und da u u die F<Min rnn". K'ei lens in dci Lull iiauhlahw*n läßt dann weiden str CiKeuuen doil eiin> Linie m vier Kichtuimou. h i v r eine I mir in e i u e m Zug, Wn wvrden am Inchleslim d',u min /-neisl da'j /eiehiieu. \\as wn Keimii Kennen, das, was auf c Mich /in; ki'/cu Imci wet den kann.