Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Volume
- 13 (Ausgabe B) (1937)
- Issue
- 20 (15.10.1937)
- Date
- 1937-10-15
- Page
- Seite 352 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Auswanderung und Binnenwanderung * i Von .Max Birnbaum, Berlin. , len irf "^W^^^^f^^^^^^^M^; ^^mf^i^TWt^ ,!>üddeufscnland , -Seit dem 1. Januar 1937haben auch die jüdischen Landesverbände in Baden, Bayern und Württemberg das Meldewesen für alle Wegzüge aus den einzelnen Gemeinden in der gleichen Weise eingeführt, wie es schon seit einiger Zeit en den übrigen Ländern eingerichtet forden ist. Es liegen jetzt für das. Quartal Januar/März 1937 die ersten statistischen Zusammenstellungen über die Ergebnisse des Melde- :wesens vor. Bekanntlich werden aile Wegzüge sowohl ins Inland als auch ins Ausland gemeldet, so daß von jetzt ab laufend genaue Unterlagen über die jüdische Binnenwanderung und Auswanderung vorliegen werden. Leider bestehen noch immer Lücken dn der Durchführung des Meldewesens durch einzelne Gemeinden,'weshalb es dringend zu wünschen wäre, daß die ergangenen Anweisungen von allen Gemeinden genau beachtet imd durchgeführt werden, damit ein möglichst vollständiges Material erlangt werden kann. - Den Gesamtumfang der Wegzüge aus dem Bereich, der vier süddeutschen Landesverbände im ersten Kalendervierteljahr zeigt die folgende Übersicht: Gebiet Bayern "Baden Hessen Württemberg zusammen Auswanderung 394 " 205 215 168_ Binnenwanderung 216 68 241 111 982 636 Berücksichtigt man noch die bisherigen Lücken des Meldewesens, so; wird man für das angegebene Quartal mit einer Auswanderung, von 11—1200 Personen und einer Binnenwanderung von 7—800 Personen rechnen können. Da die Auswanderung erfahrungsgemäß dm ersten Kalendefquartal verhältnismäßig gering, die Binnenwanderung aus naheliegenden Gründen (Ablauf von Miet- und sonstigen Verträgen am Jahresende jetc.) verhältnismäßig hoch' ist, kann die jährliche Auswanderung aus den vier süddeutschen Verbänden mit rd. 5000. die. Binnenwanderung mit rd. 2400 Personen angenom- , men werden..Ein Vergleich mitJ den Gesamtzahlen für Deutschland zeigt daß in beiden Fällen der Anteil der vier Verbände etwa 20 % beträgt Da .der Anteil der jüdischen Bevölkerung Süddeutschlands an'der jüdischen Gesamtbevölkerung sich nur auf ungefähr, 162/3% beläuft, ist der Wanderungs verlust der süddeutschen Verbände also um etwa 20% höher als im Durchschnitt Untersucht man die Zahlen im einzelnen, so zeigt sich, daß dieses Ergebnis insbesondere durch die hohen hessischen Wanderungszahlen, aber auch durch die verhältnismäßig hohen Ergebnisse für Württemberg bewirkt ist. Binnenwanderung. Besonders auf dem Gebiet der Binnenwanderung stellt Hessen das stärkste Verlustgebiet innerhalb "ganz Deutschlands dar. Das ergibt sich auch aus der folgenden Übersicht über die Wegzüge und Zuzüge: Gebiet Wegzöge Zuzüge Binnenwanderungs- - ~ weiht zus. rainnl. weibl. zus. Gewinn Verlst Bayern Baden .Hessen Württemberg^ 'zusammen 102 32 101 50 114 36 140 61 216 63 241 111 101 42 46 43 126 70 61 47 227 11 — 112 44 — 107 — 134 90 — 21 Diese Ubersicht zeigt zunächst, daß' den Wegzügen in allen Verbänden eine recht erhebliche Zahl von Zuzügen gegenübersteht, so daß'für das'Gesamtgebiet der 4 Länder sich im ganzen nur ein Binnenwanderungsverlust von 100 Personen ergibt. Ähnliche Feststellungen konntenaußerhalb Süddeutschlands-auch-in den übrigen Ländern gemacht werden. Sie beweisen aber,nicht etwa, daß die bisherigen Annahmen über die Wirkungen der Binnenwanderung auf den Bestand der Kleingemeinden falsch waren, sondern" zeigen vielmehr, daß - die Binnenwanderung zwar von der Kleingemeinde in die größere Gemeinde führt, daß aber als solche „größere Gemeinde" nicht nur die wenigen größten jüdischen Gemeinden gewählt werden, sondern' daß überall in den einzelnen Ländern und Provinzen sich derartige Bizirksmittelpunkte bilden, die jüdische Menschen aus den kleinen Gemeinden an sich ziehen; Das zeigt auch die folgende Übersicht," die an dem Beispiel von Bayern und Hessen die feinere Struktur der Binnenwanderung darstellen soll: Zuzugsbezw. Wegzugsgebiet Preußen ohne Wegzöge Zi BUS! Bayern ■ Wegzöge Zuzöge nach Hessen Großgemeinden 29 28 29 - 11- Berlin 32 14 14 3 Frankfurt .24 " 42 . 117 29 Breslau 1 9 — — ■. Köln 3 11 2 3 Preußen angeschl. norddtsch. Verbde. u. Saargebiet 4 ' 2 2- — Sachsen ,■ .5 1 3 . 4 Hamburg . . 6 8 " - ' — " 2 Bayern 86 86 7 5 Baden 8 14 19 1 Hessen 5 7 . 45 45 Württemberg 13 5 3 ' 4 zusammen 216 227 241 107 285 351 '636 232 304 536 55 155 Aus ihr ergibt sich, daß -40% der aus Bayern gemeldeten Wegzüge und 20% der aus Hessen gemeldeten Wegzüge wieder in andere bayerische bzw. hessische Gemeinden erfolgt sind. Interessant ist, daß Bayern an die beiden größten preußischen .Gemeinden Berlin und Frankfurt genau so viel Menschen, nämlich 56, abgegeben wie von dort empfangen hat. Völlig anders isf das Bild bei Hessen, -für das die Gemeinde Frankfurt der große Magnet ist, der die in den kleinen hessischen Dorfge- . meinden nicht mehr zu haltenden-Existenzen an sich zieht Gerade an diesem Beispiel zeigt sich auch die Bedeutung der Binnenwanderung als Vorbereitung auf die Auswanderung. Denn es kann keinem Zweifel unterliegen, daß diese Zuzügler aus Hessen nicht etwa in Frankfurt festen Fuß fassen, sondern dorthin nur übersiedeln, um von da aus ihre Auswanderung mit Hilfe der in Frankfurt befindlichen jüdischen Zentralstellen besser durchführen zu können. Die Richtigkeit dieser Erklärung erhellt besonders auch aus der Tatsache, daß Frankfurt nur knapp 5% der jüdischen Bevölkerung in Deutschland umfaßt an der Auswanderung in dem Berichtsquartal aber mit 13%" beteiligt war. Der Zuzugsgewinn, den die Großgemein den aus der Binnenwanderung erzielen, ist nur ein vorübergehender und wird durch den Auswanderungsverlust der Größ^ gemeinden bei weitem wieder wettgemacht. Sammelbüchsen für Hilfe und Aufbau £ werden geleert am Sonntag, den 24. Oktober, i . . Bitte Ausweise kontrollieren!