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Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg · 1937-10-01 · 19 (1.10.1937) · p. Seite 335

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
Volume
13 (Ausgabe B) (1937)
Issue
19 (1.10.1937)
Date
1937-10-01
Page
Seite 335 (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Ausgahe B Gremeindeblatt f ftr den Verband der Knltnsgeineinden in Bayern und die Kultusgeineindeii München, Augsburg, Bamberg, Würzburg Ausgabe A: Allgemeine Ausgabe, Bezugspreis RM. -.60 im Vierteljahr, RM. 2.40 für das Jahr Ausgabe B: Mit dem Beiblatt für Würzburg und Umgebung. Bezugspreis RM. 1.50 im Vierteljahr, RM. 6.— für das Jahr. Erscheint am 1. und 15. jeden Monats. Herausgeber: Verband Bayer. Israel. Gemeinden / Verlag B. Heller, München, Plinganserstr. 64, Tel. 73 665, Postscheck München 3g 87 / Anzeigen nach Tarif. Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda betr. Oberwachung der geistig und kulturell tätigen Juden im deutschen Reichsgebiet. XIII. Jahrgang München, 1. Oktober 193*7 Nr.l» Inhalt: Zur Bedeutung des Berichtes vom Sündenfall — Jüdische Schüler und gruppe München— Aus der Gemeinde Augsburg — Aus bayerischen Gemeinden Schülerinnen auf höheren .Schulen Bayerns — Die jüdische Legion im Kampf — Jüdischer Kulturbund in Bayern, Ortsgruppe. München — Aus dem Reiche — für Palästina — Lehrhaus der Kultusgemeinde — Aus der Gemeinde München: Jüdischer Turn- und Sportverein München e.V. „Itus" — Bücherschau — Hebräische Sprachkurse München; Zionistische Ortsgruppe München; Lehrplan Personalia — Gebetszeiten, der Hebräischen Sprachkurse München; Staatszionistische Organisation, Orts- Zur Bedeutung des Berichtes vom Sündenfall Zur Tora-Vorlesung am Sabbat-B ereschith In der theologischen und philosophischen Literatur innerhalb und außerhalb des Judentums spielt die Geschichte der Verführung Evas und dann auch Adams durch die Schlange eine bedeutsame Rolle. Für die Dogmatik des Christentums ist diese Stelle der Genesis eine Hauptquelle (Begriff der Erbsünde). Mit Recht wird hier eine Offenbarung von fundamentaler Bedeutung für das Weltverständnis vermutet. Wir bezweifeln, jedoch, daß die gängigen Interpretationen das richtige Licht verbreitet haben. Weit verbreitet und allen mir bekannten Übersetzaingen des Bibeltextes zugrunde liegend ist die Meinung, die Worte „da' at tob wara" bedeuten „Erkenntnis des (moralisch) Guten und Bösen". Das erste Menschenpaar hat sich nach dieser Ansicht vor dem Genuß der verbotenen Baumfrucht im Zustande der-„paradiesischen Unschuld" befunden; es hat Gut und Böse so wenig zu unterscheiden verstanden wie Säuglinge oder ganz kleine Kinder. Von dieser Auffassung aus konnte es zweifelhaft erscheinen, ob mehr der Schlange oder mehr dem ersten Menschen die Verantwortung für das unheilvolle Ereignis zuzumessen war, und man sah sdch dem Problem gegenüber, wie es zu erklären sei, daß nicht nur Adam und Eva, sondern auch ihre Nachkommen bis ans Ende der Tage die Folgen der „Ursünde',' tragen müssen. Bei aufmerksamer Betrachtung des Torah-Textes läßt sich erkennen, daß die übliche Deutung der Worte „da'at tob wara" sich nacht aufrecht erhalten läß't, wenigstens dann nicht, wenn man bei der Auslegung nicht versucht, alles zu zerstören (so die Bibelkritik), sondern einen verständlichen und verständigen Sinn aus dem Text zu entnehmen. Eva hatte sehr wohl verstanden, daß sie die Frucht des Baumes „da'at tob wara" nicht genießen durfte. Denn der. ersten Frage der Schlange, ob Gott gesagt habe „Ihr sollt nicht essen von allen Bäumen des Gartens (Genesis III.D", antwortet Eva mit genauer Wiederholung des göttlichen Gebotes (Vers 2 und 3 daselbst). Die Erzählung ergibt deutlich, daß die Schlange Eva überreden muß. Aus alledem ergibt sich, daß Eva vom vornherein zwischen von Gott Erlaubtem und aind Verbotenem zu unterscheiden wußte, und was ist dies anderes als die Unterscheidung zwischen gut und böse? — Die Veränderung, die der verbotene Genuß im Menschen und in der Welt hervorgebracht hat, kann also nicht der Erwerb des moralischen Unterscheidungsvermögens und damit der sittlichen Verantwortungsfähigkeit gewesen sein; Dieser Meinung scheint auch Leon Chestov zu sein, der u. a. in .seinem Werk „Kierkegaard et la Philosophie existentielle" (J. Vrin, Paris 1936) und in seinem Aufeatz „Athenes et Jerusalem" (Revue Philosophiique 1935 S. 305 ff. und 1936 S. 32 ff.) eine neue Sinngebung des Genesisberichtes zu geben versucht. Im Mittelpunkt seiner Philosophie steht der Konflikt zwischen Glaubenskraft und Wißbegierde. Hier sieht er die fundamentale Entzweiung in der Menschenseele. Und so sucht er die Entstehung dieses Zwiespaltes in dem Bericht von der Ursünde beschrieben und erklärt zu finden. Er meint zwar niicht, der Mensch sei üm Stande der Unschiid völlig unwissend gewesen. Es entgeht ihm nicht, daß Adam berufen wird, den Tieren ihren Namen zu geben, und zwar noch vor dem „Sündenfall" (Genesiis 11,19). Also sucht er nach dem Unterscheidungsmerkmal zwischen der Art von Wissen, wie es dem Menschen von vornherein zuteil gewesen ist, und jenem Wissen, das er durch den Sündenfall erwarb und durch welches er gleichzeitig, nach der göttlichen Ankündigung, der Herrschaft des Todes ausgeliefert wurde. Und er findet dieses Unterscheidungsmerkmal in dem Gegensatz zwischen einer beschreibenden, empirischen Erkenntnis einerseits und ■ WWV-VyW VVVVVVVVVV'VVVVVVVVVVVX/VX/VVV^/VVVVVVVVVVVX/VVVVVV'VV^ Jüdische WinteiMlfe 1037/38 Anträge der Hilfsbedürftigen werden entgegengenommen ab Montag, den 4. Oktober 1957 täglich von 10—12 und 4—6 Uhr. Israelitische Kult ungemein de München, Herzog-Max-Straße 7/o £ Laufend Unterstützte brauchen keinen Äntrag zu stellen.

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