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Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg · 1937-08-15 · 16 (15.8.1937) · p. Seite 291

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
Volume
13 (Ausgabe B) (1937)
Issue
16 (15.8.1937)
Date
1937-08-15
Page
Seite 291 (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Jusgale Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgememdeit in Bayern und die Kultus gemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg Aasgabe A : Allgemeine Ausgabe, Bezugspreis RM. -.60 im Vierteljahr, RM. 2.4,0 für das Jahr Ausgabe B: Mit dem Beiblatt für Würzburg und Umgebung. Bezugspreis RM. 1.50 im Vierteljahr, RM. 6.— für das Jahr. Erscheint am 1. und 15. jeden Monats. Herausgeber: Verband Bayer. Israel. Gemeinden / Verlag B. Heller, München, Plinganserstr. 64, Tel. 75 665, Postscheck München 39 87 / Anzeigen nach Tarif. Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda betr-i Überwachung der geistig und kulturell tätigen Juden im deutschen Reichsgebiet. XIII. Jahrgang München, 15. August 193*7 Nr. 16 Inhalt: Zur Situation des religiös-liberalen Judentums — Juden in Augsburg in alter und neuer Zeit — Reiselied — Eröffnung der Lehrwerkstätte des Bayerischen Landesverbandes — Aus der Gemeinde München — Zionistische Ortsgruppe München — Aus der Gemeinde Augsburg — Aus bayerischen Gemeinden — Aus dem Reiche — Jüdischer Turnu. Sportverein München e. V. „Jtus" — Bücherschau — Personalia — Bekanntmachungen der Israel. Kultusgemeinde München betr. Glückwunschablösung 1937 und betr. Vermietung von Synagogenbetstühlen in der Hauptsynagoge — Bekanntmachung des Verbandes Bayer. Israel. Gemeinden betr. Ausdehnung des Gebietes der Israelitischen Kultusgemeinde Schweinfurt auf das Gebiet der politischen Gemeinde Gochsheim — Kalendarium und Gebetszeiten für München. Zur Situation des religiös-liberalen Judentums Betrachtungen aus Anlaß der 4. Tagung der World Union for Progressive Judaism Von Wolfgang S. Matzdorff. Zu einem Kongreß über die Lage des religiös - liberalen Judentums in der Welt trafen sich in den ersten Tagen des Juli religiös-liberale Rabbiner aus USA, Frankreich, England, Holland, Indien und Deutschland in Amsterdam. Umrahmt von geselligen und gottesdienstlichen Veranstaltungen verschiedener Art stand äußerlich im Mittelpunkt der Tagung eine grundsätzliche Debatte über „Organisierte Religion und das moderne Leben" und an einem weiteren Tage eine grundsätzliche Berichterstattung über das Leben in den einzelnen der World Union for Progressive Judaism angeschlossenen Landesgruppen. Wie häufig bei Tagungen, deren Richtung auf eine geistige Auseinandersetzung gestellt ist, mußte das Gelingen der Tagung davon abhängen, daß eine gemeinsame Plattform gesucht und gefunden wurde, die — mit Schattierungen — eben etwas Gemeinsames darstellte. „Religion in organisierter Form und das heutige Leben" — zu diesem Thema referierten Rabbi Issermann (USA), Rabbiner Swarsensky (Deutschland) und Reverend Edgar (England). Man durfte also einen wesentlichen Beitrag zu unserer religiösen Situation unter dem Blickpunkt von drei verschiedenen Ländern erwarten. Es zeigte sich aber, daß jeder der Redner von etwas anderem sprach und so schon die Plattform der Referenten nicht festzustellen war. Issermann faßte sein Thema auf als eine Beziehungsetzung der jüdischen Religion zu allgemeinen Problemen der Zeit. Er bewegte sich hierbei in temperamentvollen Ausführungen über Aufgaben, deren Bedeutung vielleicht für ihn und seinen Kreis wichtig, aber nicht für die Behandlung vor dem versammelten Gremium entscheidend war. Nicht letzte Fragen, sondern erste Fragen, die uns als Juden für unsere Gemeinschaft interessieren, das war es, worauf es ankam. S o behandelte auch Swarsensky in grundsätzlicher Darlegung des Begriffes des „Berit" die der jüdischen Gemeinschaft von der Religion her gestellten Aufgaben, forderte Verbreiterung des jüdischen Gemeindelebens, wo auch iimner, nach den Grundsätzen der tora, awoda und gemilluth chassodim, der Verpflichtung zum Lernen, zum Gottesdienst und zu jüdischer Wohltätigkeit und Sozialarbeit. Er unterstrich hierbei die Bedeutung des Gemedndebewußtseins für die jüdische Wanderungsbewegung, die dem wandernden Juden in seiner neuen Heimat eine jüdische Gemeinde finden lasse, zu der er sich zugehörigdühlen könne. In der starken Ausprägung eines solchen Gemeindebewußtseins sieht Swarsensky eine Aufgabe der World Union. Er forderte auch ein sinnvolles Opfer aller religiös-liberalen Juden für den Gedanken der Gemeinschaft. — Dieser letzten Anregung hat sich das Governing Body der World Union angenommen und beschlossen, eine regelmäßige Opferspende, eine Terumah, einzuführen. Leslie Edgar sprach als Abschluß der Hauptreferate über die pädagogische Aufgabe, jüdische Religion an die Stelle der Säkularisierung der Gedanken und des Lebens des Einzelnen zu setzen. In der Aussprache ergab sich eine Kluft zwischen den meisten der angelsächsischen und den deutschen Rednern. Diese verlangten Verständnis und Vertiefung der Anregungen von Swarsensky, englische und amerikanische Redner lehnten die Anregungen von Swarsensky nicht nur ab, sie wollten sich mit ihnen überhaupt nicht auseinandersetzen, sie waren ihnen teils zu „metaphysisch", teils nicht von praktischem Wert — kurz es zeigte sich, daß man sich nicht verstand oder auch nicht verstehen konnte, da das Thema in der englischen Welt einen ganz anderen Ausgangspunkt hat, als in der deutschen: nämlich hier totaler Einfluß der jüdischen Religion im Leben der jüdischen Gemeinschaft, dort Abstellung auf die Erfordernisse des Gottesdienstes. Dies kam aim klarsten zum Ausdruck, als ein englischer Rabbiner bekannte, z.B. eine Antwort zu erhoffen auf Fragen von jüdischen Menschen, die eine Andachtsstunde in der Natur einem Gottesdienst in der Synagoge vorziehen. Die aus Deutschland erschienenen Delegierten sahen andere Fragen als gemeinsame Verpflichtung für den religiösliberalen Juden. Levi (Mainz) forderte vorbildliches Leben von den religiös-liberalen Juden, sowie gegenseitige praktische Unterstützung in Bildungsaufgaben und Sprachstudien; Kellermann wünschte eine Erörterung des Themas nicht als „organised religion", sondern als „realised religion" unter Einbeziehung und Lösung der sozialen Fragen nicht außerhalb, sondern innerhalb des Judentums. Wie stark gerade in der sozialen Frage die Voraussetzungen der einzelnen Ländergruppen voneinander abweichen, ergab eine Bemerkung von Rabbi Frame (Detroit, USA). Er bekannte für seine Gemeinde und weite Kreise, daß in Amerika der Geistliche zu den sozialen Problemen nicht Stellung nehme. Die Mitglieder vieler Gemeinden gehören den höheren Klassen an, es fehlen fast vollständig die Mitglieder der „working class", und durch die Abhängigkeit, von der sozialen Struktur der auf privatem Zusammenschluß begründeten Gemeinde ist oft der Geistliche, auch der Rabbiner, in seiner Stellungnahme zu den sozialen Fragen nicht frei. Als besonderes Beispiel erwähnte Frame die „sittingdown-strikes" in den Automobilwerken in Detroit, zu denen

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