Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1937-07-15 · 6 (15.7.1937) · p. Seite 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1937
Issue
6 (15.7.1937)
Date
1937-07-15
Page
Seite 13 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9934493-9934277-9934289--463-2744662
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Mitteilungen des Judischen Lehrervereins für Bayern Nr. 6 Levinger Zigarren haben ihre Stammkunden! S. LEVINGER, Bayerstr.21 im Hotel Rheinischer Hol Gegr. 1886 Fernsprecher 54897 verbannt. So bereitet die Oberabteilung den Stoff im Pentateuch vor, den sie der Mittelabteilung nachher vorübersetzen wird; während diese an der Karte steht, arbeiten sich die Älteren mit Hilfe der Kartenzeichen in die physikalische Geographie Italiens ein;oder eine Abteilung stellt mit den Resultaten ihrer Beobachtungen einstweilen ein Aufsätzchen zusammen, das bei der. späteren Durchnahme des Gegenstandes wertvolle Dienste leistet; vor der Durchnahme eines Lesestückes kann den Oberklässern aufgegeben werden, einstweilen den Charakter der darin auftretenden Personen zu ermitteln. Damit wird, der Schüler zugleich zum selbständigen Denken erzogen, er wird ein kleiner Autodidakt, der nach der Schulzeit weiß, wie man sich selbst weiterbilden kann. — Bei dem Zeitproblem muß noch des Helfersystems gedacht werden als eines Mittels, durch welches dem Lehrer Arbeit abgenommen und dadurch Zeit eingebracht werden kann. Als Helfer können nur solche Schüler verwendet werden, die eine gewisse pädagogische Fähigkeit haben und, selbstverständlich, den mit den jüngeren zu wiederholenden Stoff gut beherrschen. Damit ist schon gesagt, daß sie zur Durchnahme von etwas Neuem n i e herangezogen werden dürfen. Der Helfer darf auch nur dann eingesetzt werden, wenn er im Unterricht nichts Wesentliches verliert. Dem direkten Unterricht kann er niemals entzogen werden. Der Helfer nimmt sich der ABC-Schützen an, sieht Aufgaben durch, hört Pentateuch und Tefillah ab, befestigt eben Durchgenommenes durch öftere Wiederholung und springt auch ein, wenn bei einer still arbeitenden Abteilung sich eine Schwierigkeit zeigt. Und sollte der Helfer doch so manches versäumen, so wird dies mehr als ausgeglichen, weil er bei der Wiederholung mit den anderen vieles auch für sich wieder über die Schwelle der Vergessenheit hebt, weil er sein Selbstbewußtsein stärken kann und das soziale Gefühl kräftig zu fundieren Gelegenheit hat. Es ist klar, daß der Helfer mit den ihm Anbefohlenen einen besonderen Raum beziehen muß. Im Schulzimmer würde seine Tätigkeit, wenn sie längere Zeit beansprucht, zu unerträglichen Störungen führen. Der Helfer entlastet demnach den Lehrer von Nebenarbeiten, die sonst auf Kosten des direkten Unterrichts geleistet werden müßten, und er ersetzt den Lehrer, so daß die lehrerlose Stillarbeit gebessert werden kann. Das Helfersystem bedeutet also Zeitgewinn und Lehrerersatz. Mit dieser Frage, die hier nur ganz kurz angedeutet werden konnte, sind jene Maßnahmen abgeschlossen, die das Zeitp r o b 1 e m zu mildern imstande sind. — Da sämtliche Klassen in ein und demselben Raum vereinigt sind, ist der Unterricht nur im Nacheinander möglich, so daß die einzelne Abteilung abwechselnd mit direktem und indirektem Unterricht versehen wird. Das Eigentümliche dieses Raumproblems besteht also darin, daß eine Abteilung laut unterrichtet wird, während eine andere zu gleicher Zeit sich still und zwar mit einem ganz anderen Stoff beschäftigen muß. Das daraus resultierende Störungsmoment, zunächst mehr für die still beschäftigten Schüler, stellt den weitestreichenden Ausfluß des Raumproblems dar. Diese Störung ist regulär, unvermeidlich und mit einer ungewöhnlich großen Zahl intensivster Reize ausgestattet, die aus dem lauten Unterricht herkommen. Das still arbeitende Kind muß neben der für seine Aufgabe notwendigen gedanklichen Sammlung auch noch die Kraft aufbringen, die ständigen Störungsattacken abzuweisen. Geringer ist die Störung, die der direkte Unterricht von der mit sich selbst be- SCHREIBWAREN FÜLLHALTER SPIELKARTEN [in großer Auswahl MAIERSCHE PAPIERHANDLUNG Rudolf Stern : Karlstr. 8, Ecke Barerstr. Tel. 57 6 24 schäftigten Abteilung ausgesetzt ist. Sie besteht meistens aus Disziplinlosigkeiten. Und doch kann auch durch solche, eine für den Unterricht sehr wertvolle Bewußtseinslage, wie etwa die für ein lyrisches Gedicht glücklich erzeugte Stimmung, rettungslos verloren gehen, wenn der Lehrer irgend eine banale Ungezogenheit ahnden muß. Aber, dringt denn nicht auch Lärm in das Kontor? Wie viele müssen beim Lärm der Maschinen rechnen und schreiben! Ist nicht der Lärm ein Zeichen unserer Zeit? Ist es da nicht eine gute Nervengymnastik, wenn die Schüler gezwungen werden, Außenreize abzuschalten? Tatsächlich weist ein Pädagoge darauf hin, daß eine an solchen Hemmungen erprobte Aufmerksamkeit sogar zu höheren Leistungen führe. In unseren jüdischen Schulen ist aber die Störungskomponente durch die meist geringe Zahl der Schüler nicht so bedeutend. Das Störungsmoment hat aber eine unbestreitbare positive Seite. Folgen die still beschäftigten Schüler einem Reiz aus dem direkten Unterricht, hören sie also beim Rechnen, bei der Grammatik zu, oder betrachten eine Landkarte, so ist das zwar ein unzeitgemäßes Lernen, aber eben doch ein L e r n e n. Und was da ins Unterbewußtsein sinkt und zu gegebener Zeit wieder an den Tag tritt, ist oft mehr wert, als die Stillarbeit und bedeutet zusätzlichen direkten Unterricht. Der zuhörende Schüler nimmt also stofflich etwas voraus, was die spätere Induktion erleichtert, oder er wiederholt und ergänzt, was er früher nicht gehört oder verstanden hat. Es ist das ein Vorteil, wie er in der g. Sch. nicht zu finden sein wird. Die Zusammenfassung im selben Raum ist es auch, welche die Zusammenlegung von Abteilungen, wie das bei der Darlegung des Zeitproblems ausgeführt worden ist, je nach den Bedürfnissen des Unterrichts erst ermöglicht. Um den üblen Wirkungen des Störungsmomentes zu begegnen, gibt es allerdings ein probates Mittel. Und das heißt: „Strengste Zucht und Ordnung!" Damit, ist durchaus nicht gesagt, daß der Stock die Stunde regieren möge. Über die einzelnen hiebei anzuwendenden Mittel brauche ich den erfahrenen Lehrer nicht zu unterweisen. Jedenfalls muß dem störenden Schüler beigebracht werden, auf seinen Nebenmann die nötige Rücksicht zu nehmen. Rücksichtnehmen ist auch ein Erziehungsziel. Und mir scheint nicht das unwichtigste. Um diese gerade in der familiären Gebundenheit der u. Sch. leichter gedeihende Rücksichtnahme zu züchten, darf des schönen Zieles halber aucn die allerschärfste Strenge walten. — Damit glaube ich den Charakter der u. Sch. — wenn auch nur in groben Zügen — umrissen zu haben. Wenn ich noch in derselben Kürze von der u. jüdischen Sch. spreche, so sei von vorneherein festgestellt, daß es für sie keine gesonderten Probleme gibt. Die im Vorstehenden aufgezeigten Schwierigkeiten erscheinen in der jüdischen Schule eher gemildert; das bewirkt vor allem die durchgängig zu findende geringe Schülerzahl. Sie lindert die Zeitnot. Im Nu sind die Arbeiten durchgesehen. Die wenigen Schüler werden immer und immer aufgerufen und haben anstelle des zwar kürzeren direkten Unterrichts einen solchen ,der an Tiefe gewinnt. Der Lehrer aber hat damit die Möglichkeit sofort feststellen zu können, wo und bei wem es hapert. Die geringe Schülerzahl mindert auch die Anstrengungen des Lehrers in Hinsicht auf die Überwachung, die Korrektur, und nicht zuletzt bezüglich des Stimmaufwandes. Aber der Mühe bleibt auch hier noch ein gerüttelt Maß übrig. Dafür hat aber jeder Lehrer der u. Sch. gegenüber dem an der geteilten das hohe Glücksgefühl voraus, daß er den Werdegang eines Kindes durch alle Schulalter hindurch verfolgen kann, daß er das lallende Kind hinführt bis zum selbständig denkenden Menschen. Auszug aus Entscheidungen des Staatsministers f. Unterr. u. Kult, der letzten Wochen 1. RE. v. 10. 5. 37 über Hausieren in den Schulhäusern. Die Schulleiter werden angewiesen, im Hausgang des Schulhauses einen Anschlag anzubringen, wonach Geschäftsreisenden und Hausierern das Betreten der Schulräume oder ein sonstiges Aufsuchen der Lehrkräfte während der; Unterrichtszeit untersagf wird. 2. Rechenbücher für das 1. und 2. Schuljahr. Durch MJEntschl. vom 12.5.37 wurde das „Rechenbuch für die bayerischen Volks- . schulen, Heft 1 und Heft 2" (Verlag Oldenbourg in München) genehmigt, in das Lehrverzeichnis aufgenommen und sind mit sofortiger Wirksamkeit in den bayer. Volksschulen einzuführen. Für den Inhalt der „Mitteilungen" verantwortlich: Max Adler, München

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.