Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1937
- Issue
- 6 (15.7.1937)
- Date
- 1937-07-15
- Page
- Seite 12 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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(Mitteilungen De* JüDifttien ieDremereina für ßapern Schriftleitung: Max Adler, München 1937 München, 15. Juli Nr. 6 54. Mitgliederversammlung des jüdischen Lehrervereins für Bayern am Montag, den 19. Juli 1937, nachmittags 4 Uhr, in der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg, Sandbergerstr. 1 Wir beziehen uns auf unsere Bekanntmachung in der vorigen Nummer der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 1. Juli ds. Js. und auf unser Rundschreiben an die Vorsitzenden der Bezirkskonferenzen vom 6. ds. Mts. und laden unsere Mitglieder nochmals zu unserer 54. Mitgliederversammlung ein. Tagesordnung : 1. Tätigkeitsbericht des Vorsitzenden. 2. Kassenbericht. 3. Wahl eines 2. Vorsitzenden; Benennung der Lehrermitglieder des Rates, des Landesausschusses und der Ausschußmitglieder zum Reichsverbande der jüdischen Lehrervereine. 4. Wünsche und Anträge. Im Anschluß an die Mitgliederversammlung findet, wie bereits durch die „Mitteilungen" und durch Rundschreiben bekanntgegeben, vom 20.—22. Juli ds. Js. ein Fortbildungskurs in den Räumen der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt statt. Diesen Kurs veranstalten wir in Verbindung mit der Reichsvertretung der Juden in Deutschland und dem Verbände Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Es ist folgende Stundenordnung vorgesehen: Dienstag, den2 0. Juli: 8 Uhr Mischnah, Ref. Rabbiner Weiß (Würzburg); 9.15 Uhr Arbeit der Schulabteilung der Reichsvertretung, Ref. Dr. Leschnitzer; 15 Uhr Zeichenunterricht und Kunstbetrachtung, Ref. Zeichenlehrer Ziegler (München); 17.30 Uhr Leibesübungen. Mittwoch, den 21. Juli: 8 Uhr Mischnah, Ref. Rabbiner Weiß; 9.15 Uhr Probleme der Naturwissenschaft und Weltanschauung, Ref. Studiendirektor Stoll; 15 Uhr Methodik des modernen Hebräisch, Referent Dr. Jacobsohn (Berlin); 17.30 Uhr Leibesübungen. Donnerstag, den 2 2. Juli: 8 Uhr Mischnah, Ref. Rabbiner Weiß; 9.15 Uhr Wirtschaftsfragen im Schulunterricht, Ref. Frau Prof. Berliner (Berlin); 15 Uhr Die Probleme der Berufsumbildung der 14—17jährigen, Ref. Dr. Lubinski (Berlin); 17.30 Uhr Leibesübungen. Für die Mischnahübungen wollen die Traktate Naschim und Nesikim mitgebracht werden, für die Leibesübungen Turnschuhe. Wir machen ausdrücklich darauf aufmerksam, daß der Kursus erst am Donnerstag Abend schließt und bitten die Teilnehmer, sich entsprechend einzurichten. Diejenigen Kollegen, die Privatzimmer bestellt haben, werden durch die Seminarleitung Mitteilung über das Ihnen zugewiesene Zimmer erhalten. München, den 8. Juli 1937. M. Rosenfeld. M. Adler. Die ungeteilte Schule Von S. Brückheimer, Marktbreit. (Fortsetzung: und Schluß) Jede Lektion, zerlegt in ihre allgemeinsten Teile, besteht aus Induktion und Deduktion. Die Induktion erarbeitet das Neue, formt Begriff und Gesetz. Sie besteht also aus den Formalstufen: Anschauung und Abstraktion, welche dem direkten Unterricht entsprechen. Gibt man jeder Stufe Stunde Unterrichtszeit, so fällt, wie es auch rechtens ist, dem direkten Unterricht der Hauptanteil zu. Die Deduktion kann, als die Anwendung, sich mit 20 Minuten wohl begnügen. In diesem Zeitverhältnis werden sich in der g. Sch. direkter Unterricht und indirekter gegenüberstehen. Anders in der u. Sch. Nach obiger Darstellung stehen ihr an direkter Unterrichtszeit nur 1h bzw. 1/s Stunde zur Verfügung. Wenn sie auch durch Zusammenlegung von Klassen (Abteilungsbildung) noch Zeit gewinnt, wird sie für den direkten „ Unterricht im besten Falle 20 Minuten zusammenbringen. Die u. Sch. muß demnach in 1k Zeiteinheit das erreichen, wozu die g. Sch. 2ls zur Verfügung hat. Daß da sehr oft mit der Uhr in der Hand unterrichtet werden muß, wird wohl nach diesem Rechenexempel nicht mehr bezweifelt werden dürfen. Es darf aber nicht angenommen werden, daß der indirekte Unterricht den fehlenden direkten Unterricht ersetzen könne. Diese Stillbeschäftigung verläuft fast ohne Leitung des Lehrers. Die im Wissen des Schülers dabei sich zeigenden Lücken können nicht ausgefüllt, Irrtümer nicht durch Anfragen berichtigt werden. Denn der Lehrer ist ja gerade bei einer anderen Abteilung und will und darf nicht gestört werden. Die Schüler können dann eben nicht weiter. Der langen Stillbeschäftigung sowieso nicht gerade hold, wendet sich der Schüler ihm viel interessanteren Dingen zu, die dem Lehrer aber gar nicht behagen. Das ganze Streben des Lehrers an der u. Sch. muß deshalb darauf gerichtet sein, den direkten Unterricht zu vermehren. Das geschieht, wie schon kurz erwähnt, durch die Bildung von Abteilungen. Deren Einrichtung ist für die u. Sch. eine conditio sine qua non. Die Durchführung von 7 oder 8 unterrichtlich voneinander getrennten Klassen ist eine glatte Unmöglichkeit. Abteilungsbildung bedeutet einen Zeitgewinn an direktem Unterricht. Unter Abteilung verstehen wir nun die Zusammenfassung verschiedener Jahrgänge zwecks einheitlicher und gleichzeitiger Unterrichtung. Der Einwand, daß die Jüngeren nicht alles dabei Dargebotene erfassen können, ist berechtigt. Sie können aber die entstehenden Lücken in den nächsten Jahren noch ausfüllen. Ja, diese Abteilungsbildung ermöglicht es wie keine andere Schulgattung den Schwachen in d e n Verband zu stellen, wo er immer noch etwas leisten kann und den geistig Regsamen dorthin zuzuteilen, wo seine besseren Gaben eine schnellere Förderung erfahren. So kann sogar ein und derselbe Schüler in einem Fach der Mittel-, in einem anderen der Oberabteilung zugerechnet werden. Der Lehrer wird dabei zum Generalstäbler, der jeden dahin stellt, wo er entsprechend seinen Kräften Leistungen zu vollbringen imstande ist. Diese Einteilung nach geistigen Veranlagungen heißt man Gruppenbildung. Gewöhnlich werden eine Unterabteilung mit 2. und 3., eine Mittelabteilung mit 4. und 5. und eine Oberabteilung mit 6. und 7. Schuljahr gebildet. Der 1. Jahrgang geht als Vorbereifungsklasse den als Gesamtunterricht vorgeschriebenen Weg. Die 8. Klasse hat wohl auch ihr besonderes Pensum, kann aber sehr oft — bei entsprechend zusammengestellten Cyklen — mit der Oberabteilung vereinigt werden. Nachdem in Bayern die Heimatkunde für den 4. und, nach den neuesten Anweisungen, die Geschichte schon für den 5. Jahrgang vorgeschrieben sind, könnte die Unterabteilung aus der 2., 3. und 4.. die Mittelabteilung aus der 5. und 6. und die Oberabteilung aus der 7. und 8. Klasse gebildet werden. Dadurch fällt für die 8. Klasse ein Gewinn;in Zeit ab. Ich möchte aber noch einer Zusammenlegung das Wort reden, deren Wert und Vorteil in meiner Schule ausprobiert worden ist. In der Naturkunde, bei der Durchnahme eines Tieres, einer Pflanze, der Witterungserscheinungen z.B., in der Religionsstunde bei der Besprechung der Feiertage etwa, im Rechnen, wenn von den Lebensmittelpreisen die Rede ist, lassen sich sämtM'che Klassen, von der 1. bis zur 8. zusammenfassen. Auch die Jüngsten werden einen Beitrag liefern können, insbesondere wenn sie schon zur Beobachtung der Natur angehalten werden; und das wiederholende Nachsprechen der von den höheren Klassen geprägten Sätze wird .das Sprachgefühl der, Kleinen kräftigst ausbilden. Diese, wenn auch nicht zu oft in Erscheinung tretende Zusammenlegung, setzt auch das durch den einzigen Schulraum bedingte Störungsmoment stark herab. Muß so der Lehrer ständig auf der Suche sein, für den direkten Unterricht möglichst viel Zeit zu finden, so darf er aber auch den indirekten Unterricht nicht nur zu der an sich überaus wichtigen Einübung des Gelernten benutzen. Sonst stellt sich, insbesondere bei dem gescheiten Kinde, sehr oft die Langweile ein. Wenn der Lehrer es versteht, im indirekten Unterricht den nachfolgenden direkten vorzubereiten, dann wird die u. Sch. zur Arbeitsschule. Wenn er die Aufgaben so stellt, daß der Schüler auf Grund der schon erworbenen Kenntnisse neue selbst erarbeiten kann, dann bleibt das Interesse wach und der schlimmste Feind aller schulichen Tätigkeit, die Langweile, bleibt