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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1937-06-15 · 5 (15.6.1937) · p. Seite 12

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1937
Issue
5 (15.6.1937)
Date
1937-06-15
Page
Seite 12 (sequence 2)
Language
German
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12 Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern Nr. 5 risciheii Reife bringen soll. Die Forderung der Jugendorganisationen nach Totalität, Einordnung des Einzelnem M daS Ganae ist wir dann 'berechtigt, wenn der Einzelne in dler Gemeinschaft das sein bann, und zwar ganz sein kann, was er ist, wenn keine seiner -besten Eigenschaften und Veranlagungen hierdurch unterdrückt, sondern durch die Gemeinschaft gefördert wird. Das 'kulturschaffende Element bleibt der Einzelne — die Person! Die größten Volksstücke — Vollkschöre — Volkslieder — immer muß sie zuerst der Einzelne schaffen und dann singt und .spielt sie erst das Volk. Also ist es eine dringliche Forderung untserer Zeit, innerhalb der schweren Sorgen um den Volkserhalt, die Kräfte zu<r Erhaltung der Volksseele weitgehendst zu fördern. Es handelt sich nicht immer sofort um die Forderung: „Musikalische Ausbildung zum späteren Broterwerb." Ob das zu erreichen ist, läßt sich nicht in den ersten' Anfangsiahren der musik. Ausbildung entscheiden. Künstlertum und' Künstlersein ist nun einfach eine nicht im Voraus zu bestimmende Angelegenheit. Die Forderung nach einer musikalischen Ausbildung erheben wir deshalb, weil wir-vielen ei» starkes unid1 edles Innendeben schaffen und auch darum, weil wir für unsere Orchester den Nachwuchs, wie für unsere Kultur, schöpferisch Ewigkeitswerte schaffende Menschen benötigen. Es werden immer nur wenige sein, aber sie sind der Maßstab für das Kulturniveau eines Volkes, efoner Gemeinschaft. Die Aufgaben der Schule Die Schule hat nicht die Aufgabe, den Privatunterricht zu ersetzen, doch sollte sie, über das allgemein musikalische Bi'lidungsziel der Volksschule hinausgehend!, in kurzer Zeit durch geeignete Kräfte minderbemittelten Kindern Gelegenheit geben, im Rahmen eines Schullorchesters, geschult durch miusiikalisahen Gruppenunterricht, sich ein gediegenes Können zu erwerben. Von den Eltern bemittelter Kinder muß jedooh verlangt werden, daß sie für einen Privatunterricht Sorge tragen, wodurch auch noch eine andere Frage, die «Beschäftigung unserer zahlreichen Musiki ehr er, eine Lösung findet. Es wird weiter Aufgabe der Schule sein, neben dem hier sehr gepflegten Lied und Ghorgesang auch der Musikgeschichte einen bescheidenen Platz einzuräumen. Hauptziel der Schule ist, dem Kinde die Lust zum Musizieren und Singen einzuimpfen. Die Aufgaben der Familie Die Familie ist die Zelle, auf die sich überhaupt das musikalische Leben aufbauen soll. Dieses besteht nicht m einigen Konzerten, sondern im Musizieren und Singen im eigenen Kreise. Das ist keine veraltete Romantik, sondern ewig-moderne Gestaltung unseres Innenlebens und dadurch auch Schaffung religiöser Werte. Musizieren im Fami'lienikreise ist das beste Mittel gegen religiöse und kulturelle Verarmung. Ich möchte betonen, daß ich nur zur Erlernung die Instrumente empfehlen kann, mit denen1 man privat oder in einem Kreise auch klassische Musik spielen kann, wobei nicht gesagt werden soll, daß die Ziehharmonika bei weniger ernsthaften Veranstaltungen nicht auch ihre Berechtigung hat. Ich appelliere au das Elternhaus auch in bezug auf die musikalische Erziehung ihrer Kinder etwas opferfreudiger zu sein und weiß, daß ihnen die zahlreichen jüdischen Musikkräfte weitgehend entgegenkommen werden. Der Mitrumpfladen Filialen: Hohenzollernstr. Ecke Wilhelmstr. Schwanthaleretraße 133 Max Schoenemann am Stachus Bayerstraße -1 Levinger Zigarren haben ihre Stammkunden! S.LEVINGER; Bayerstr.21 im Höfel Rheinischer Hof Gegr. 1886 Fernsprecher 54897 Die Aufgaben des Bundes Der Bund ist die Organisation, in' dem die goldenen Blätter unseres begabten Nachwuchses mit denen der Durohschnittsbegabungen wie ra einem Buche gebunden sind. Dieses Buch wird später „Sefer am" das Buch des Volkes sein! Die Aufgabe des Bundes muß also sein, dieses Buch hochwertig und inhaltsreich zu gestalten, er kann nicht auf jede Seite das Gleiche schreiben, sondern er muß hineinhorchen in das Material, das er bildet. Die musikalische Bildung der Jugend verlangt Zeit und wenn der Bumdi diese gewährt, so werden manche Eltern, deren Kinder ein Kunstfach studieren, ihre Kinder öfters in den Bund senden können. Mit dem musikalischen Studium vertragen sich nuni einmal zeitraubende Bundespflichten nicht. Nachdem aber der Bund für die soziale und kameradschaftliche Erziehung der Jugend verantwortlich ist, so muß hier tatsächlich ein Unterschied in der Verteilung der Bundespflichten gemacht und vielleicht denmusikalisch arbeitenden Kameraden als Hauptaufgabe die Pflege ernsthafter Musik — das Vorspielen der Kompositionen jüdischer Musiker — als Buindesaufgabe gesetzt wenden. Zusammenfassend möchte ich sagen, daß Familie, Schule und Bund 3 wichtige Gemeinschaften sind. Gemeinschaften steigen und falflen in ihrem Werte mit dem Werte des Einzelnen innerhalb der Gemeinschaft. Die Musik gehört unbestreitbar zu den größten Werten der Menschheit. Sie verleiht der Menschheit Würde und führt sie in höhere Welten. Musik ist die Sprache, die jedes Volk versteht, und weil sie aus dem Herzen kommt, ist sie auch für uns Juden eine unentbehrliche Sprache. Juden halben innerhalb der Menschheit schon vor Jahrtausenden musiziert und in der Sprache der Musik sprechen wir bis auf den heutigen Tag mit unserem Hüter. Juden haben der Menschheit die Kulturwerte größter Musikschöpfer vermittelt und selbst der Menschheit größte Werte geschenkt. Der Stamm unseres Volkes ist nicht groß an Umfang, verglichen mit den großen Völkern der Welt —, aber der uralte Baum hat tiefe Wurzeln und alle seine Zweige durchflutet junger Saft. Das Judentum in Deutschland ist ein Zweig an diesem alten und ewig jungem Baume, wir wollen nichts unversucht lassen die Früchte dieses Zweiges zum Segen unseres Volkes, zum Lobe des Höchsten zur Reife zu bringen. J. Hohenemser. Vereinsmitteilungen Personalien: Kollege Bernhard A d 1 e r in Fürth ist wegen Auswanderung aus dem Vereine ausgeschieden. Wie wir vernehmen, beabsichtigt die'Kultusgemeinde Fürth lediglich die Anstellung eines Kantors, der auch im Sekretariat der Gemeinde tätig ist. Die Religionslehrerstelle soll nicht mehr besetzt „werden. . "«ew Ebenfalls aus dem Verein ausgeschieden ist Vereinsmitglied Joseph G a 11 i n g e r in Frankfurt, früher Hörstein, wegen Eintritts in den Jüdischen Lehrerverein in Frankfurt a. M. Mit Beginn des neuen Schuljahres wurde das 8. Schuljahr auch an den jüdischen Volksschulen in Neustadt a. Saale und Unsleben eingeführt. Fortbildungskurs: In Verbindung mit der Reichsvertretung der Juden in Deutschland und dem Verbände Bayerischer Israelitischer Gemeinden wird voraussichtlich mit Beginn der großen Ferien wiederum ein Ferienkurs in Würzburg abgehalten. Nähere Mitteilungen ergehen in den nächsten Tagen durch die Bezirkskonferenzen. München, den 10. Juni 1937. M. R o s e n f e 1 d. M. A d 1 e r. Einzahlungen im Hpril/Mai 1937 Mahlermann, Hammelburg 15.—; Nußbaum, Frankfurt 5.—; Dr. Hammelburger, Würzburg 15.—; Blatt, Würzburg 3.—; Einstädter, Nürnberg 15.—; Fränkel, Erlangen 15.—; Stoll, Würzburg 15.—; Bernstein, Zweibrücken 7.50; Strauß, Nördlingen 17.—r Steinberger, Kissingen 15.—; Kuhn, Aidhausen 3.75; M. Blumenthal, Würzburg 10.—; S. Kissinger, Würzburg 8.—; Stein, München 10.—; Sonn, Regensburg 15.—; Frank, Straubing 15.—; Gutmann, Schnaittach 6.—Fuchs, Würzburg 10.—; Grünfeld, Heidingsfeld 10.—; Reiter, Gerolzhofen 15.—; Neuberger, Ansbach 20.—; Ehrenreich, Nürnberg 15.—; Hohenemser 7.50; Edelstein 10.—; Müller 7.50; Kirschner 10.—; Berlinger 15.—; Glaser 15.—; Dr. Keßler 7.50; Dr. Klugmann 7.50; Trepp 7.50; Dr. Rosel Sliberschmidt 15.—; Ziegler 7.50; F. Kissinger 7.50, sämtliche in München; Oppenheimer, Ingolstadt 7.50. Würzburg, 1. Juni 1937. M. Hellmann. Für den Inhalt der „Mitteilungen" verantwortlich: Max Adler, München

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