Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 12 (15.6.1937)
- Date
- 1937-06-15
- Page
- Seite 238 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Ssea^s: 238 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 12 SCHUHHAUS M. FLEISCHMANN MÖNCHEN, THEATINERSTRASSE 17 Spezialität: BALLY-SCHUHE ist namentilch bestimmend-für die Haltung des ersten Satzes, einer Schilderung der schottischen Landschaft von bemerkenswert klassischer Formenstrenge. Besonders aufhorchen läßt die Darstellung der stürmischen See gegen Ende des Satzes, wo sich fast notengetreue Parallelen zu Wagners „Fliegendem Holländer" ergeben. Der zweite Satz, vivace non troppo, ist ein Scherzo von überaus feiner und durchsichtiger Struktur; es gemahnt in seiner Anlage an die Elfenszenen aus dem „Sommernachtstraum". Ein schwermütiges, romantisch-gesangvolles Adagio bildet den dritten Satz: seine Kantilene löst sich mehrmals ab mt einem Marschthema heroischer Haltung. Sehr stürmisch bewegt und ebenfalls von Marschklängen unterbrochen päsentiert sich der letzte Satz, der im Rahmen des Ganzen vielleicht am stärksten die „absolute" Musik betont; ein glanzvoller Fanfarenteil beschließt ihn. — Während die Symphonie Mendelssohns vollkommen klassizistischen Charakter trägt, weist das 50 Jahre später entstandene Werk des Tschechen Dvorak ganz andere Züge auf. Dieser Zeitgenosse von Brahms und Bruckner gehört der „Neuromantik" an, die durch die Schule Liszts und Wagners gegangen ist und in dem kurzen Zeitraum eines halben Jahrhunderts eine ungeheure Entwicklung erlebte. Auch für die Entstehung des Dvoräkschen Werkes waren landschaftiche Eindrücke bestimmend; die Bezeichnung „Aus der neuen Welt" deutet auf die zugrunde liegenden Eindrücke einer Reise nach Nordamerika. Während aber'Mendelssohn das landschaftliche Erlebnis im strengen Sinn klassischer Formgebung meistert (Beethovens „Pastorale" war ihm richtungsweisend), .schlägt bei Dvorak im Bemühen -nach der Schilderung amerikanischer Eindrücke etwas ganz anderes durch: sein urwüchsiges böhmisches Musikantentum, das er keinen Augenblick verleugnen kann, und das sich weniger in formaler Beherrschung, als vielmehr in einer strömenden Fülle volkstümlicher, charakteristischer Themen und Melodien kündtut. In der Instrumentation bedient sich Dvorak in glücklicher Weise aller Errungenschaften der Jahrhundertwende, und entfaltet damit einen Klangzauber, der auch heute noch von lebendigster und stärkster Wirkung ist. Wohl beruht das Hauptthema des ersten Satzes auf einer amerikanischen Volksweise; im Seitensatz und in der Verarbeitung aber beherrscht die böhmische Musik das Feld. Daß die „Durchfüh- Tägliche Ersparnisse durch täglichen Einkauf von Lebensmitteln — Textilien — Haushaltartikel im "Geschäft Nymphenburgerstr. 128 * Tel. 62471 * Lieferung frei Haus Schreibmaschinen für alle Länder BUrobedarf Büromöbel A. BRUCK, Sonnenstraße 12, Laden Inh. R. Lewin Telefon 10786 det SdUmtadekUH Mkifskaf y Htotfeesdm Größte Auswahl in modischen und praktischen Schirmen rung" sich in der Hauptsache harmonischer Mittel bedient und nur wenig von einer Weiterbildung des thematischen Materials erkerinen läßt, fällt gegenüber dem Reichtum ah Einfällen, und ihrem klingenden Gewände kaum ins Gewicht. Ein überaus: wirkungsstarkes. Stück ist der zweite Satz. Ein sehnsüchtiges/ Lied, vom Englisch Horn angestimmt, zieht sich durch den gän-: zen Satz, wird von feierlichen Klängen der Blechbläser und einer seltsam orientalisch anmutenden Weise der Flöten und Oboen abgelöst, und steigert sich schließlich zu einem Höhepunkt von elementarer Wucht, bei welchem sämtliche Themen des Satzes gleichzeitig erklingen — eine Art der Anlage, , die deutlich den Einfluß Anton Bruckners erkennen läßt. Zum Abschluß erklingt wieder der Gesang des Englisch Horns, der sich, von sordinierten Streichern getragen, ins Unerdliche verliert. Auch der dritte Satz, das Scherzo, gemahnt an Bruckner; namentlich die Anlage des-Hauptteils in schmetternden Rhythmen und Entladungen zeigt unbestreitbar die Verwandtschaft mit dem Wiener Meister. Während wir aber von Bruckner .in dem „Trio" benannten Seitenteil Tanzklänge aus Oberösterreich zu hören gewohnt sind, erklingt bei Dvorak an dieser Stelle ein unverfälschter böhmischer Bauernwalzer von so strahlender Heiterkeit, daß auch der verknöchertste musikalische Puritaner davor die Waffen strecken muß. Zu Beginn des vierten Satzes bringen wohl die Hörner ein neues marsch-r artiges Thema; die weitere Ausgestaltung des Satzes beruht jedoch in der Mitverwendung der Themen der vorhergehenden Sätze. In überaus glücklichen Kombinationen von eindringlicher Wucht bringt Dvorak die Symphonie zu einem gewaltigen, triumphalen Abschluß. Wenn wir unserem Orchester für die restlos verdeutlichende Wiedergabe der beiden großen Werke danken, so gilt unser Dank zugleich seinem Dirigenten Erich E i s n e r. Immer aufs neue zeigt er, daß er von Natur aus — und nicht nur von Berufs wegen — ein Meister des Orchesters ist. Allen Widerständen und Unzulänglichkeiten trotzend schuf er in dem Kulturbundorchester das Instrument, das er zur Verwirklichung seiner künstlerischen Pläne benötigt. Kompromißlose Energie in der Erziehung und Vorbereitung vereinigt sich bei ihm mit jener suggestiven Kraft, die es ihm ermöglicht, seine aus tiefster Einsicht in die Eigenart jedes Werkes kommende künstlerische Absicht auf das Orchester zu übertragen, und es im Augenblick der Wiedergabe zu äußerster Kraftentfaltung emporzureißen. Wenn kürzlich ein führendes jüdisches Blatt der Meinung Ausdruck gab, daß die Persönlichkeit Eisners und sein Orchester geradezu Mittelpunkt und Kraftquelle des Bayerischen Kulturbundes bilden, so möchten wir hinzufügen: Sorgt dafür, daß uns diese lebendigsten Zeugen jüdischen Kulturwillens erhalten bleiben! Schützt und bewahrt den Kulturbund! [|HZ Zionistische Ortsgruppe /^hchA München SdiloMer.ir.2/i Tel.53052 Zur Büchsenleerung des KKL (Jüdischer Nationalfonds) Während durch die Entscheidungen der kommenden Monate die künftige Palästina-Politik vielleicht auf eine neue Grundlage gestellt wird, geht der Aufbau im Lande selbst weiter. Ein Jahr lang galt es, nur die alten Positionen zu verteidigen. Gerade jetzt aber beginnt eine neue Probe der Siedlung. Fünf neue Siedlungspunkte sind in den letzten Monaten auf KKL-Boden unter schwierigsten und gefahrvollsten Bedingungen geschaffen worden. Hier liegt der wichtigste Beitrag, den die Juden bei den großen Entscheidungen über die Zukunft Palästinas in die Wagschale zu legen haben. Jeder Jude kann sein Teil dazu beitragen, indem er durch die blaue Büchse des KKL die Erwerbung neuen Bodens in Palästina für neue Siedlung mit ermöglicht. Die KKL- Büchsen, die bereits in dem größeren Teil der jüdischen Häuser Münchens stehen, werden in der zweiten Juni-Hälfte geleert. Bei dieser Gelegenheit ergeht an alle diejenigen, welche noch nicht im Besitze der blauen Büchse des KKL sind, die Aufforderung, sie bei der Geschäftsstelle des KKL (Jüdischer Nationalfonds München, Schloßerstraße 2) zu bestellen. Hebräische Sprachkurse München Der Chug Iwri gibt unter Leitung der Lehrer der Hebräischen Sprachkurse Gelegenheit zur Übung in der praktischen Anwendung der hebräischen Sprache. Die nächste Zusammenkunft, des Chug Iwri für Fortgeschrittene findet am Samstag, 19. Juni, (Fortsetzung Seite