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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1937-06-01 · 11 (1.6.1937) · p. Seite 217

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
13 (1937)
Issue
11 (1.6.1937)
Date
1937-06-01
Page
Seite 217 (sequence 1)
Language
German
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Jfcoctitifcftc <ScmcmÖc3citung Wa#tö$ientoM^^ und flwitefamfe* #ag*tffd)ec JftoeÖttfc§et<B«ntinflm Erscheint am 1. u. 15. jeden Monats. — Verlag: B. Heller, München, Plinganserstr. 64. Fernruf 73 6 65. Postscheck München 39 87, Herausgeber: Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Bezugspreis RM. —.60 pro Vierteljahr, RM. 2.40 für das Jahr» Anzeigenpreis: Geschäftsanzeigen nach aufliegendem Tarif. Kleine Anzeigen und Stellenmarkt ermäßigter Sondertarif. XIII. Jahrgang MUnchen, 1. Juni 1937 Nr. 11 Inhalt: Erinnerungen eines alten Arztes—Ernest Bloch—Schicksalslied — Aus der Gemeinde München: Jüdischer Kulturbund in Bayern, Ortsgruppe München — Zionistische Ortsgruppe München — Staatszionistische Organisation Ortsgruppe München — Jüdischer Turnu. Sportverein Münchens. V. „Jtus" — Aus dem Reiche— Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen der Israelit. Kultusgemeinde München: Bekanntmachung betr. Gemeindekartei; Bekanntmachung über Einhebung der Betstuhlmieten für das Mietjahr 1937/38 — Jahresrechnung 1936/37 — Personalia. Erinnerungen eines alten Arztes Vom Geh. Sanitätsrat Höfrat Dr. med. Eugen D o e r n b erger Aus der Kindheit 'Rückt man so gegen die Siebzig heran, darum denkt man oft an längst vergangene Tage zurück. Besonders deutlich erscheinen im Gedächtnis die Jahre der Kindheit. Wem ich als Knabe erzählte, daß ich in der Hundskugel in München wohne, der lachte über den komischen Straßennamen. Schon damals wußten die Leute nicht sicher, woher er kam, auch nicht die gelehrten Herren'. Heute wissen wohl nur ganz alte Münchener, daß ein Eck -mit sieben Häusern, zwischen Hacken- und Brunn- Straße in 4er Altstadt gelegen, so Meß. Im Hofe dies Hauses Nummer 3, dem Bankier Landauer gehörig, befand sioh der Betsaal der Orthodoxen, wie man im Gegensatz zu den „Neuen" sagte, die fromme Schul". Nicht weit daivlon in der Fürstenfelderstraße neben dem damals schon bestehenden Schüsselbazar war die von Lehrer Wolfsheimer geleitete jüdische Volksschule, in die ich zuweilenmeinen Freund Emil Frankel begleitete. Dort ging es nach meiner Erinnerung recht leibhaft zu. Die neue Synagoge stand an der Westenriederstraße, ein Bau, welcher in einem ganz alten Münchener Fremdenführer, den ich besitze, wegen seiner klassischen.Formen als sehenswert 'bezeichnet wird. Diesen Tempel — jetzt längst abigerissen — besuchte ich an den Festtagen. Ich durfte den Betstuhl meines Onkels David Feu'chtwanger benützen, welcher einen weiteren in der Kanalsträße hatte, wo sich später die Strenggläubigen ein Bethaus erbauten. Mein Nachbar war meist ganz in den Gebetmantel gehüllt, mit langem weißen Patriarchenbart, Kunstmaler Heinemann, nachmaliger Begründer der-bekannten Galerie. Konnte ich mit meinen mäßigen hebräischen Sprachkenntnissen nicht immer mit der nötigen Geschwindigkeit im Perles'sehen Gebetbuch oder Säohs'sohen Machsör dem Kontor Löwenstamm oder Frei folgen, so deutete er manchmal energisch auf die Stelle, wo man „stand". Dieser ehrwürdige alte Herr fehlte, auch nie, wenn in der Altstadt-die Chewra zu Minjan rief. Studienjahre In, meiner Studentenzeit hatte ich außer mit Glaubensgenossen auch viel "Verkehr mit Andersgläubigen. Uns verband Studium, Kameradschaft und Freundschaft ohne Mißfoeffigkeiten, obgleich ich zuweilen in Gesellschaft der Einzige meines Bekenntnisses war. Auch in der PoliklinJk, in deren verschiedenen Abteilungen ich mich in den klinischen Semestern als Coassistent betätigte, war ich 'damals alleiniger Jude, ebenso, da ich noch vor der Approbatkrasprütung, bereits zum Doktor promoviert, als Assistent der Kinderpoliklinik fungierte. In 'Berlin, wohin ioh im Januar 1891 kam, bei Professor Baginsky, war die Zahl der Juden eine viel größere als in München. Außer einem Japaner waren wir einschließlich des Chefs lauter Glaubensgenossen. In Graz war ich wiederum im der ganzen Fakultät der Einzige unseres Bekenntnisses.' Professor Escherich kannte keinen Unterschied. Mit meinen Spitalskollegen, zum Teil längst Universitätslehrer, stand ioh naoh einigem Zuwarten und Prüfen auf freundschaftlScbstem Fuß. Wie heute noch, galt dae schöne steieranärkische Hauptstaldt als. Hochburg des Deutschtums. Studentische und gesellschaftliche Kreise verhielten sich ablehnend gegen «den Verkehr mit Juden, welche sie 'aus eigener Erfahrung freilich kaum kannten. Luegers und Schönerers Lehren hatten Wurzeln geschlagen. Trotzdem erlebte ich wenig Unannehmlichkeiten. Ich wußte ihnen zu begegnen, ohne meine Abstammung zu verleugnen. Ein Beispiel: Gelegentlich eines Spazierganges einiger Anstaltsärzte brachte einer Anschuldigungen gegen die gesamte Judenheit. Ich widersprach einer solchen Verallgemeinerung. Da drückte mir ein Doktor mit polnischem Namen — sein Vater war Professor der Rechte an der Universität — die Hand und sagte lebhaft: „Ich danke Ihnen, daß Sie für meine Glaubensgenossen eintreten." An einem freien Tage machten der Oberarzt, ich, unser Demonstrator zusammen mit einem Umversitätsprofesstocr aus Ghrastiana, der bei uns in der Klinik als Gast weilte, einen Ausflug in die prächtige Umgebung. Unser Jüngster klopfte an die Pforte eines Dominikanerklosters, einen früheren Schulkameraden zu begrüßen. Wir wurden alle willkommen geheißen und hatten mit den Brüdern einen fröhlichen Abend, zu welchem" der Prior den Wein stiftete. Dieser führte uns durch den ausgedehnten reichen Besitz. Als wir mit warmem Dank Albschied nahmen, frag er den norwegischen blonden Professor: „'Sie sind Katholik?" ..Lutherisch", war dae Antwort. JÜDISCHKB KÜLTÜRBPSD IN BAYERN, ORTSGRUPPE MtSCHM 3. Juni Synagoge Herzog-Max-Straße: 8. Sympkoniekoiizert d. vei\stärkteii Knltnrbuiwlorcliester^ München

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