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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1937-05-15 · 4 (15.5.1937) · p. Seite 9

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1937
Issue
4 (15.5.1937)
Date
1937-05-15
Page
Seite 9 (sequence 1)
Language
German
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ifpilunoen Dea luöJfttien leljrertierema für Ufm |#; ' ■ Schrif11 eitung: Max Adler., München . ..... 'i'^Y'15 : München, 15. Mai ' /. . : , „ /, _ / ' ."' Nr.~ Lesestoffe für den Deutschunterricht der Oberklasse der jud. Volksschule 1 Von Julius R o b efg(Würzburg) : (Fortsetzung ü. Schluß) , „Krone und Ziel des Leseunterrichts ist die Dichtung als KünääerlÄ'l*äes Volkstums und Menschentums" sagt Hördt. Iro den JJütMWnkt 'des Leseunterrichts gehört demnach eine Gedichtsammlung, die dieser Forderung Rechnung trägt. Ich 'glaube be- ^ährjifruüdische Pädagogen Valien uns in 4er Gedichtsammlung für jüdische Schulen: „Not und Hoffnung" das geeignete Buch gjexei£h,t. Die Kollegen Feiner/Gut/Romschild, die auf dem Gebiet ^^Deutschunterrichts sich .große Verdienste erworbani ha- D$n,/\häben vor kurzem dem schon längst erkannten Mangel durWihr Buch abgeholfen. In mühevoller Arbeit haben sie das ^Äri verstreute Material gesammelt und gesichtet und ans 'der Überfülle der vorhandenen Stoffe eine Auswahl nach künstielfisfehen und pädagogischen GesicMspuiiikten-getroffetm Schon die?H'äjiptüiberschriften des (Buches: Geschichte, Tag der Weihe, Hej,l|ge;s Land, Kämpfe und Ziele, zeigen, wie vielsei.tig;.diese Gemjjht^ajmmlun'g im Unterricht Verwendung finden kann. Diese G^pjch'|samm'lung müßte nun durch Quellenschriften für jüdische .G^seMcnte. und Erdkunde, insbesoudere .Palästinakomde,. sowie auren^billige Lesehefte (belletristischer Literatur ergänzt werden. .Auch auf der Oberstufe (können Midraschim .tief ergehenden Inli|lfs:nbch gut gelesen werden.: Sehr anregend läßt sich' eine ©eu-rechstunide. gestalten, wenn man einen Mfdräsch oder, eine A'gäöah zum Teil' liest, und dem Kindern dann überläßt, selbst den Schluß zu finden. Einige Midraschim aus den jüdischen Leseheften .eignen sich sehr gut für die Oberstufe. Anregende Lesestoffe bieten auch Sagen über Maimonides und Raschi, aber Wir hätten unserer Jugend das Schönste der jüdischen Belletristik vorenthalten, würden wir die östj'üdischen Dichter außer Acht lassen. In dteri bisher vorh'amderieh Lesehefteri,'besonders /,rn,.H§ft Nr. 8 „Das jüdische Jahr" sind eine Reihe Von ."Stiickeh 'Pj^söj Dicht/er aufgenommen, z. B. von Schaloni Asch, Perei, Sjcmtom Alechem, Mendele modier sfiarrm, Fischmann u. a.- Die •Straffe sind aber mehr- «für Schüler vom. 9.—12.- Lebensjahr gedacht.1 In der jüdischen Jugendbücher ei von Dr. Löwenthal sind einigt-größere. Erzählungen von Perez aufgenommen, die für di.eflDberstufe sehr gut geeignet sind; Nicht vergessen möchte ich die ' gut geeigneten „Chassidischen Geschichten) von Dr. Märtin B^bjer". Als Dramen für die Oberstufe wären zu empfehlen: Ausgewählte Scenenaus: Jakobs Traum von B. Hoffmann, jere-;mi^ jvtpih Stefian Zweig. Nicht unerwähnt" lassen möchte ich. das von Kollegen Välier^Großmann, Bonn, verfaßte und von der Reichsvertretung herausgegebene Laienspiel:" „Antiocbus Epi- ^hä'Äes", das sich auch, wie "ich selbst feststellenkonnte,, hervorragend zur Aufführung eignet. -; — r ..... •- ■ Als-?Ergän!zunigsliteratur für Geschiebte wäre zu empfehlen: „Biographische Charakterbilder von Katz und vor allen Dingen die Quellenbücher und Geschiohtstafein von Höxter, die für ei^enngedeMichen Unterricht an der jüdischen Schule unentbehrlich sind. Auch die von der Reichsvertretung herausgege- 'Beneii Lesehefte enthalten gesöhichtliche^toffe: Aus.dem Leben "Maiimonides, Freiheitskampf der Makkabäer'. ' 1 An erdkundlichen Ergänzunigsstoffen ist1 in den letzten Jahren leine solche Menge erschienen, daß. es dem Lehrer nicht schwer [fiajjen dürfte, das Geeignete auszuwählen. (S. Literatunverzeichjj^chdn diese kurzen Äusführunigen zeigen, wie reichhaltig die |udische Literatur ist, so daß man um spezifisch jüdische Lite- '^a^url nie verlegen sein bräuchte. Aber wie ich obero schon er- 'wafthte, werden diese Stoffe erst, dann von vollem Nutzen sein, f*Äefih sie in Leseheften erscheinen, die auch wenigstens unge- •föJülizum Preise der all/gemeinen Lesebogen erhältlich sind. iltilMeihe Ausführungen, über Lesestoffe für die Volksschule wäi,rjejn,,u)nivollkömmen, würde ich die Kinderbeilagen vieler jüdischer Zeitungen nicht, erwähnen. Die Beilage einiger Zeitungen zeigen, daß sie unter Leitung bewährter Pädagogen stehen." Die iJMertyollen 'Erzählungen, Legenden, Schilderungen, Gedichte bedeuten eine begrüßenswerte Bereicherung der jüdischen Lesestoffe, auf die ich schon deshalb besonders hinweisen möchte, weil diese Stoffe leicht und billig zu beschaffen sind. Hervorheben möchte ich insbesondere den seit einigen: Monaten erscheinenden „Kleinen Israelit", weil die Aufsätze und Lesestoffe ein echt jüdisch-religiöses Gepräge tragen, das wir; leider zu sehr an fast allen bisher erschienenen jüd. Lesestoffen vermissen. Zum Abschluß noch einige Worte zur Schülerbibliomek..Wenn eine der Hauptaufgaben des Leseunterrichts ist,, die. Kinder zürn freien Lesen außerhalb der Schule anzuleiten, dann ist eine gute Schülerbibliotbek eine unbedingte Voraussetzung; Die" Arbeit der Schule ist. keineswegs mit der Einübung der' Lesefertigkeit erledigt. Schon in der Schule muß allmählich der Ubergang: zur unschulischen Art des Lesens (gezeigt werden; die Schulemuß sich schrittweise auch im Lesen überflüssig machen. Esgilt deshalb alle Lesemöglichkeiten wahrzunehmen. Anfänglich'wird die. außerschulische Lesearbeit noch im" engen Züsämimerihang mit der schulischen stehen. Es werden außerschulische Ergänzüngsschrdften zu den im Unterricht behandelten Stoffen gelesen, die dann durch mündliche oder schriftliche- Berichte, Aufsätze Beiträge zum Sachunterricht liefern. Dieses ist aber nur dann im vollen Umfange zu erreichen, wenn diese' einzelnen Stoffe als Klassenbücherei zur Verfügung stehen. Nur dann sind sie. stets zur Hand, nur dann wird der'Lehrer für einen engen Zusammenhang mit seiner ganzen Arbeit sorgen können; Diese 'Klassenbücherei bietet auch methodisch einen sehr-wichtigen Übergang zu dem noch selbständigeren Lesen aus der Schulbüeherei; je besser nämlich' die Klassenbücherei vorgearbeitet hat,: .um; so 'selbstämtdiger karin die Benützung der Schulbücherei sein. Selbstverständlich darf der Sprung nicht zu groß sein. Es genügt nicht, daß der Lehrer nur" die vom Schüler selbst gewählten rBücher ausgibt. Der Lehrer muß immer" das Ziel: Lesen, zu lehren vor Augen haben." Jede Beratung; jede' Nachfrage; ob das Gelesene verstanden wurde und1 welchen Eindruck es gemacht hat, muß ■ unter diesen Gesichtspunkten erfolgen. Der Schüler muß immer den Eindrück babeftii, der Lehrer will mir helfen» daßich mehr von den Büchern habe." Wenn der Schüler dagegen verspottet; oder vor allem: nicht" ernst genommen wird mit seinem Urteil, dann hat der Lehrer seinen Einfluß auf - sein Lesenverloren. Nirgends zeigt sich deutlicher, als hier, daß pädagogische Führung nicht im Schulmeistern besteht, sondena yor allem im Verstehen. Verstehen und Ernstnehmen, das ist der Weg zum Vertrauen der Jugend und erst über das Vertrauen gibt es ehien Einfluß auf sie. Die Gründung bzw. der Ausbau einer Klassen- und Schülerbibliothek gehört mit zu den wichtigsten-Aufgaben der Schule,-wenn wir bedenken, daß all unsere Forderungen..die der Leseunterricht an uns stellt, erst-dann erfüllt sind, wenn wir den Übergang zum freien Lesen außerhalb und nach der- Schüfe geschaffen halben, und .wenn wir uns vor Augen-führen, daß.-wir doch noch verhältnismäßig wemiig jüdische Literatur in solchen Ausgaben besitzen, die sich unsere Kinder mitnicht-allzu großen- Kosten anschaffen können! Meine Ausführungen sollten zeigen, wie wir unter Berücksichtigung der jetzigen Situation, wo. wir noch kein jüdisches Lesebuch haben, einen vom jüdischen Geist durchdrungenen Le.se- . Unterricht erteilen können. Es ist selbstverständlich,- daß man bei der Zusammenstellung des kommeniden jüdischen Lesebuchs all die. gestellten Forderungen weitmögl.ichst berücksichtigeh muß,, daß main nur-solche Lesestoffe nichtjüdischer Verfasser aufnehmen darf, die sich mit unserer jüdischen Weltanschauung decken. Soll das Buch aber ein jüdisches Lesebuch für unsere jüdische Jugend werden, so müssen wir fordern, daß jüdisches Kulturgut nicht'nur gleichberechtigt, sondern vorbeberechtigt Aufnahme findet. Aber auch bei der Auswahl jüdischer Stoffe muß .man große Vorsicht, walten lassen-. Für echt jüdisch-religiöse Schilderungen und Erzählungen muß ein breiter Raum zur Verfügung gestellt werden. Sabbat, Festtage, jüdische ' Sitten und Gebräuche müssen mit wahrhafter Innigkeit und.seelischer Anteilnahme geschildert werden. Es dürfte nicht vorkommen, daß Lesestücke, wie z. B. „Der Sabbat im Elternhaus", von Berthold Auerbach (Leseheft Nr. 6), der ihn als eine fossile Erscheinung darstellt, imjüdischen Lesebuch aufgenommen würde. Nur wer wahrhaft jüdisch-religiös empfindet,- kann . ebenso, schildern und nur Echtes und Ungekünsteltes, darf unseren Kindern geboten werden. Ich schließe meine Ausführungen mit dem Wunsch, daß 'für unsere Kinder bald das jüdische Lesebuch geschaffen wird; das von echt jüdischer Wärme und Innigkeit durchdrangen ist-und welches unsere jüdische Jugend geistig und seeKsch labt-und erquickt. '•'..'

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