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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1937-04-01 · 7 (1.4.1937) · p. Seite 160

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
13 (1937)
Issue
7 (1.4.1937)
Date
1937-04-01
Page
Seite 160 (sequence 12)
Language
German
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160 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 7 Alle Artikel des täglichen Bedarfs gut und billig m WSUJ lUfifelder Cjttb.fy tnündjert, imStotantal schichte des riesenstarken und doch so weichherzigen elternlosen Mendel, der von seiner Schwermut geheilt wird, als ihm die ehrfurchtgebietende,-angesehenste Frau der Gemeinde, die „aus königlichem Geblüt", von Schoul Wahl, stammende Malkoh vom Heldentod seines Vaters und von der edlen Selbstaufopferung seines Großvaters erzählt, als ihm die Liebe von Malkohs Enkelin, der anmutigen Hendele, zuteil wird und als er, seiner Sehnsucht und seiner ererbten Neigung entsprechend, ein Bauer werden kann. Voll Stimmung zieht die Geschichte an uns vorüber, belebt durch die ernsten und die heiteren Gestalten; „ein Hauch urältesten epischen Wesens liegt über den Hauptszenen der einfachen Handlung, aus der dürftigen Enge des bescheidenen Daseins treten Verhältnisse und Charaktere hervor, deren schlichte Größe auf einzelnen Höhepunkten in den stillen Äther des hohen Stils hineinragt." Für Bernstein waren die beiden prachtvollen Novellen nur Episoden in seinem Schaffen. Er war, neben seinem fortschrittlichen und immer selbstlosen Wirken im Leben der Öffentlichkeit, mit Leib und Seele Naturwissenschaftler. Seine Untersuchung über die Rotation der Planeten war von dem großen Astronomen Bessel besonders anerkannt worden. Aber ihn hielt nicht ein einzelnes Gebiet fest: sein Geist drang in die Weite und Tiefe aller Naturkräfte. Für eine kleine Existenz, die in einem Antiquariat und einer Leihbibliothek bestand, sorgte ihm sein Freund Willibald Alexis, der erste Schöpfer von Romanen aus der Geschichte der Mark Brandenburg. „Die Naturwissenschaftlichen Volksbücher" begründeten dann Bernsteins Erfolg. Daß sie, über 50 Jahre nach dem Tode des Verfassers, von einer unaufhörlichen gewaltigen Entwicklung des Forschens und Entdeckens überholt sind, darf uns nicht verkennen lassen, was sie für lange, lange Zeit gewesen und welche Anregungen von ihnen ausgegangen sind. Die „Naturwissenschaftlichen Volksbücher" wurden in fast alle europäischen Sprachen, aber auch ins Hebräische übersetzt. 1869, als Bernstein auf der Höhe seines Lebens stand, nannte ihn Abraham Geiger den „eingeweihtesten, begabtesten Dolmetscher von dem geheimen Walten der Natur und von der ihr abgelauschten Lösung ihrer Rätsel". Und Geiger rühmte das Jüdische dieses großen Volksschriftstellers, bei dem die Naturbetrachtung sich immer wieder zu den Menschen zurückwende, immer sinnig, immer herzlich und menschlich sei. „Ich glaube nicht, daß man fehl geht, wenn man diese Art der Behandlung der Lebens- und Wissensfragen eine jüdische nennt." Mit Recht hob Abraham Geiger hervor, daß sich in allen Arbeiten Bernsteins, auch wo sie dem religiösen Gebiet fern seien, die Eigentümlichkeit des jüdischen Geistes unverkennbar auspräge. Schön, wie Bernsten in seinem „Deutschen Kalender für jedermann aus dem Volk" bei einer ethischen Betrachtung der Welt Lehren der Bibel zur Grundlage nahm, wie er die Massen über die Herkunft christlicher Feste aus dem Judentum unterrichtete, wie er bei einem Aufsatz „Etwas Statistik" an ein Wort aus der Jakobs-Geschichte anknüpfte, wie er den Lesern vorführte, daß sehr viele Sätze des alten Testaments durch das Christentum in alle Länder Europas gedrungen seien und so fortwährend einen bildenden und veredelnden Einfluß auf Millionen von Menschen ausübten. — 1876 wurde Bernstein Ehrendoktor der Universität Tübingen. Er hatte diese Anerkennung wohl verdient. Er war ein wahrhafter Lehrer des Volkes. Ein Mann von neuen fortschrittlichen Gedanken, der mit Erfindungen auf dem Gebiete des Telegraphen wie des Eisenbahnwesens hervortrat. Dabei immer . voll idealer Gesinnung: als hervorragender Photograph führte er manchen kostenlos in diese Kunst ein und verhalf so einer Reihe von jungen Männern zu einem Lebensberuf. Mit der Wissenschaft des Judentums blieb er, der sich warmherzig für Leopold Zunz einsetzte, allezeit verbunden, ein Lernender, bis ihn der Tod im 73. Jahre abrief. Wie die hohen Gaben Bernsteins auf hervorragende Nachkommen weitergingen, so bleibt vom Erbe dieses Mannes, trotz dem Zeitenwandel, auch für weitere Kreise vieles erhalten. Von seinen zahllosen vortrefflichen Aufsätzen, die in längst vergilbten Zeitungsblättern stehen, gilt das, was er in seiner gemütvollen Plauderei, „Verlorene Dinge" ausgeführt hat: „Der Geistesstrom unserer Zeit führt außerordentlich viel von Gedanken an uns vorüber, die kaum geboren, schon verloren zu gehen scheünen. Es haftet wenig von dem, was unsere Volksliteratur bringt, fest im Gedächtnis der Empfänger, und es tut darum not, daß man viel darbietet und von Zeit zu Zeit die Gabe erneuert. Aber auch dies ist nicht Verlorenes und Verschwendetes fÜT immer; denn in verwandelter Form und in ganz anderer Verbindung und Gestaltung tritt sehr oft ein Gedanke bei uns zu Gast ein, der unerkannt schon einmal dagewesen, und wir nehmen ihn zuweilen in anderer Weise auf, in besserem geistigem Wohlgeschmack und zur Stärkung unserer geistigen Gesundheit." Reisen Nordamerika Sudamerika Sudafrika Palästina etc. durch PalcstiiicEx|»i'css€o. Vertretung: Reisebüro Carl Bierschenk Nachf. München, Karlsplatz 3 Telefon 13377 Besorgung von Visen, Kreditbriefen, Bahnkarten, Hotelgutscheinen. Kostenlose Beratung. 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