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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1937-03-15 · 3 (15.3.1937) · p. Seite 6

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1937
Issue
3 (15.3.1937)
Date
1937-03-15
Page
Seite 6 (sequence 1)
Language
German
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(IBitteilunflen Des JüOtfrtieii Seörernerema für flapem 1937 Schriftleitung: Max Adler, München München, 15. März Nr. 3 Lesestoffe für die Oberstufe der jüdischen Volksschule Zusammengestellt von J. Roberg, Würzburg A) Für die Hand der Schüler 1. Stoffe nichtjüdischen Inhalts: a) Beltz' Lesebogen (Verlag: Julius Beltz-Langensalza). 3. Stoffe jüdischen Inhalts: a) „Not und Hoffnung" v. Gut, Feiner, Rothschild. (Gustav Engel-Verlag, Leipzig C 1, oder Rothschild-Esslingen.) Jüdische Lyriker von Heine bis Werfel (Auswahl!). (Jüdische Jugendbücherei Nr. 2.) b) Miidraschim (Jüd. Lesehefte 1—3). Schockero-Verlag Berlin. c) Belletristische Literatur: 1. Das Jüdische Jahr (Jüd. Lesehefte 8), Schocken-Verlag. 2. Wundergeschichten von Perez (Jüd. Jugendbüch. Nr. 5), Joachim Goldstein, Verlag, Berlin. 3. Kleine Geschichten von Berthold Auerbach (Jüd. Jugendbüch. Nr. 3). 4. Rabbinisohe Weisheit (Jüd. Jugendbüch. Nr. 1). 5. Berthold Auerbach (Jüd. Lesehefte Nr. 6). 6. Wenn ihr ins Land kommt (Jugendbücherei KiKL.). d) Dramen.: Jeremia v. Stefan Zweig, Jakobs Traum v. Beer- Hoffmiarin (Ausgewählte Scenen zu lesen). - „Antiochus IV." v. Valier-Großmainin. (Reichsvertretung.) Geschichtliche Ergänzungsstoffe: Der Freiheitskampf der Makka'bäer (Jüd. Lesehefte Nr. 4). Aus dem Leben Rabbi Mosche ben Maimon (lüd. Lesehefte Nr. 5). Höxter (Gekürzte Ausgabe). Erdkundliche Ergänzungsstoffe: Heimat, Heft 1—6 (Verlag KKL). Zwischen Ruinen und Aufbau in Erez Israel (Pal. Zentr. d. Ag. Jisr., Frankfurt a. M.). B) Für die Hand des Lehrers: Ergänz, ad 2a) Das Siebenfache Licht (Schocken-Verlag). 2c) Aus einer stillen Welt (Verl. Winz & Co., Berlin). „Chassidische Geschichten" (Schocken-Verlag). Rothschild: Bausteine, 1. u. 2. Teil. (Kauffmann- Frainik'fiurt). E. Gut: Für unsere Jugend, 1. u. 2. Teil. (iKauffmann-Frankfurt). Geschichtliche Ergänzungsstoffe: Höxter, Quellenbücher 1—5. Höxter, Zeittafeln. „Biographische Charakterbilder" v. Katz. Erdkundliche Ergänzungsstoffe: Israel, Volk .und Land (He chaluz-Verlag). Herrmann: Palästinakunde (Fiba-Verlag, Wien). E. Carlebach: Exotische Juden. Lesestoffe für den Deutschunterricht der Oberklasse der jüdischen Volksschule Julius R o 'b e r g, Würzburg. Die Aussprache, die «ich an mein Referat auf der Fortbildungstagung anschloß, zeigte (deutlich, daß der Deutschunterricht eines der umstrittensten Unterrichtsgebiete der Jüdischen Volksschule darstellt. Leider war es infolge des Zeitmangels nicht möglich, die auf hohem Niveau stehende Diskussion zu Ende zu führeini und ich komme deshalb gerne der Aufforderung nach, meine Ausführungen hier zu veröffentlichen. Zu einem der Kernprobleme des Deutschunterrichts an der Jüdischen Volksschule, zur Frage der Auswahl der Lesestoffe und deren Beihandlung, möchte ich nochmals Stellung nehmen. Wenn ich von den verschiedensten Gebieten des Deutschunterrichts gerade diese Frage herausgreife, so geschieht das deshalb, weil sie im Mittelpunkt der Problematik des Deutschunterrichts steht. Daß man von der unbedingten Notwendigkeit der Lösung dieser Frage in fast allen pädagogischen Kreisen überzeugt ist, zeigen die vielen Arbeiten, die gerade auf diesem Gebiete in der letzten Zeit geleistet wurden. Jeder einsichtige jüdische Lehrer erkennt, daß wir unsere Jugend nicht mehr mit den Lesestoffen der bisherigen Lesebücher befriedigen und daß die neuerschienenen Lesebücher für unsere Jugendi nicht mehr in Betracht komimen können. Wir stehen also heute vor der Frage: Können wir nach der Zielsetzung der Lehrordnung für die bayerischen Volksschulen unsere Lesestoffe selbst zusammenstellen? Als Ziel des Leseunterrichts sieht die Lehrordnung: 1. Einführung der Jugend in die Schätze deutschen Schrifttums. 2. Uberführung der Gefühlswerte der Dichtung in das Gefühlsleben des Kindes. 3. Erziehung zu guten Büchern durchs Lesen von Jugendschriften. Hördt, der in seiner Broschüre: Lesen, das wesentliche aller bisherigen Lehrpläne untersucht, kommt zu folgendem Ergebnis: 1. Die Auswahl des Lesegutes erfolgt ohne Einseitigkeit aus allen Gebieten unseres Schrifttums. 2. Bei allen Lesestoffen ist auf künstlerische Echtheit der Sprachgestaltung zu achten. 3. Krone und Ziel des Leseunterrichts ist die Dichtung, als Kündlerin des Volkstums und des Menschentums. 4. Das Leselbuch kann nur Grundlage der literarischen Erziehung sein. Das Lesem von Ganzbüchern bildet den Übergang zum freien Lesen, außerhalb und nach der Schule und soll deshalb früh beginnen. Auf diesen Voraussetzungen fußen nun seine Vorschläge, die er für die Aufstellung eines Leseplanes macht. 1. Der Leseplan muß die Fassungskraft und die mit den Altersstufen wechselnde Neigungen der Schüler berücksichtigen. 2. Heimat und Gegenwart bilden die schicksalhaften Ausgangspunkte, die der Leseplan um so besser berücksichtigen kann, je lebendiger der Lehrer selbst das Leben und Suchen seiner Zeit miterlebt. Inwieweit können diese Forderungen auf unsere jüdische Schule Anwendung finden? Bei der pädagogischen Woche, die vor zwei Jahren am Philantropin, Frankfurt, stattfand, stand die Frage des Deutschunterrichts an der jüdischen Schule im Mittelpunkt der Besprechungen. Dr. Stern, Berlin, bemerkte in einer Diskussion, daß wir heute nicht darauf zu achten hätten, was wir durch den Deutschunterricht dem Deutschtum geben könnten, sondern nur noch darauf, was das deutsche Kulturgut' in der gegenwärtigen Situation uns geben bann. Wir können dieser Forderung Dr. Sterns ruhig zustimmen. Es wäre vollkommen falsch, alles, was von nichtjüdischen Dichtern und Schriftstellern stammt, vom vornherein abzulehnen. Ein geistiges Ghetto wird wohl niemand wünschen. Welch hohe und edle Menscbheitsgedanken sind doch in vielen Werken und Gedichten in fast unerreichbarer, sprachlicher Fassung niedergelegt worden und wir würden uns eines wertvollen Gutes berauben, würden wir in unser Lesegut nicht auch solche Stoffe aufnehmen. Aber diese Forderung schließt selbstverständlich nicht aus, daß wir im Deutschunterricht den Stoffen, die dem jüdischen Kulturgut entnommen sind, nicht nur Gleichberechtigung geben, sondern sie soweit wie möglich bevorzugen. Nach welchen Grundsätzen soll aber die Auswahl nichtjüdischer Lesestoffe erfolgen? Kollege Hirnheimer berichtete uns, daß Herr Dr. B u b e r auf der pädagogischen Tagung der Reichsvertretung in Oberrochwitz auch über diese Frage ausführlich referierte. Als Auswahl-

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