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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1937-02-15 · 2 (15.2.1937) · p. Seite 86

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1937
Issue
2 (15.2.1937)
Date
1937-02-15
Page
Seite 86 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 2 Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern 5 Jakob Gefiner Kaum 24 Stunden nach dem Ableben unseres Kollegen Jakob Nußbaum wurde uns ein weiteres liebes und treues Mitglied, der im 89. Lebensjahre stehende Lehrer i. R. Jakob Geßner, durch den Tod entrissen. Der Heimgegangene, am 18. Juli 1848 in Steinach a. d. Saale geboren, war Schüler der Präparandenschule Höchberg und der Lehrerbildungsanstalt Würzburg, die er 1867 absolvierte. In Würzburg legte er auch die Anstellungsprüfung für den Volksschuldienst ab. Seine erste Anstellung fand er in Volkersleier, wo er von 1867—1875 tätig war; er wirkte dann in Hammelburg und trat nach 31jähriger überaus segensreicher Tätigkeit in dieser Gemeinde, geehrt und geachtet in allen Kreisen der Bevölkerung, in den Ruhestand über, den er bei seinen ihn liebevoll betreuenden Kindern in Güstrow und später in Rostock verbrachte. Der Entschlafene zählte zu den Männern, die im Herbste 1879 dem Weckruf zur Gründung eines jüdischen Lehrervereins zunächst für Unterfranken, der sich wenige Jahre später auf ganz Bayern erstreckte, gefolgt waren und sich in Erkentnis der Notwendigkeit des Zusammenschlusses der Lehrerschaft dem Verein als Mitglied anschlössen. Mit warmfühlendem Herzen und in edler sozialer Gesinnung förderte er die Ziele des jungen Vereins und in einem der ersten Jahresberichte werden seiner erfolgreichen und anerkennungswerten Bemühungen um die Vereinseinrichtungen dankend hervorgehoben. Durch das Vertrauen der Kollegen wurde er 1889 zum ersten Male und dann wiederholt als Ersatzmann gewählt, um alsdann in die Verwaltung, der er von 1894—96 als Beisitzer angehörte, einzutreten. Anläßlich des 50jährigen Vereinsjubiläums wurde er mit acht weiteren Gründungsmitgliedern zum Ehrenmitgliede des Vereins ernannt. Mit dem Dahingeschiedenen ist ein gütiger Mensch, ein edler und vornehmer Charakter, ein Mann von vorbildlicher Treue dahingegangen; ihm wird in unseren Reihen ein stetes und ehrendes Andenken bewahrt bleiben. Secher zadik livrochoh. R. Mitarbeit Diie Zeiten haben sich gründlich gewandelt. Früher war die jüdische Schule ein mehr oder weniger interessantes Diskussioasobjekt, von wenigen Freunden ebenso leidenschaftlich verteidigt wie von vielen Feinden bekämpft.1 Heute ist die jüdische Schule 'die wichtigste aller kulturellen Einrichtungen der jüdischen Gemeinschaft geworden. Über ihre Notwendigkeit wird wohl nirgends mehr debattiert, desto mehr über ihre Ausgestaltung mnd zweckmäßige Hnnichtung. Die neue Entwicklung auf dem Schulgebiete stellte insbesondere die Lehrerschaft vor verantwortungsvolle und schwierige Fragen. Man kann sagen — und unsere „Mitteilungen" beweisen das —, daß die jüdischen Lehrer mit Edier und Verantwortungsbewußtsein <das Ihre dazu beigetragen haben, um eine Klärung herbeizuführen und den Forderungen der Zeit gerecht zu werden. Die Aufgaben, die heute jüdische Lehrer in erster Linie •in Angriff zu nehmen und denen vor allem auch unsere „Mitteilungen" zu dienen haben, faßt Dr. Siegfried Braun, der Hauptschriiftledter der Jüdischen Schulzeitung in der Aufforderung zusammen: Die Praktiker an die Arbeit! Er begründet seine Forderung, daß wir uns publizistisch mehr der Praxis des Schullebens zuwenden müssen, mit folgenden Argumenten: In früheren Zeiten hat die jüdische Lehrerschaft regen Anteil genommen an den pädagogischen Aiuseinaradersetauugen innenhalb der allgemeinen Lehrerschaft, nicht nur als Leser der pädagogischen Literatur, sondern auch als produktiv anitscbaöende Kräfte. Die Zielsetzung der ailge- 1 Wie man noch vor wenigen Jahren auch in prominenten jüdischen Kreisen zur jüdischen. Schule stand, dafür nur ein persönliches Erlebnis. Als der Verfasser dieses Artikels vor etwa 12 Jahren seine Stelle in München antrat, wurde ihm von einer sehr angesehenen Persönlichkeit folgendes gesagt: „Wie koanmen Sie an die jüdische Voltes chule? Sie waren doch immer ein fortschrittlicher Mensch!" meinen und der jüdischen Schule stimmte ja im Wesentlichen überfein. Heute ist nun die Zielsetzung der deutschen Schule wesensmäßig anders als die der jüdischen Schule. Weno wir jüdischen Lehrer auch heute noch wertvolle Anregungen von der deutschen Pädagogik entgegennehmen, so sind wir doch auf vielen Gebieten auf uns, auf uns allein© augewiesen. Wir haben die schwere Aufgabe dem gesamten Unterricht eine jüdische Note zu geben, jüdisches Bilduingsunidl Kulturgut in den. allgemeinen Lehrplan hineinziuibauen. Wir jüdischen Lehrer in Bayern halben an unserer letzten Fortbndungstagung in Würzburg den Versuch gemacht, diese Frage aufzurollen und zu klären und wir sind, meiner Überzeugung nach, dem Ziele etwasnäher gekommen. Hier hat nun unsere Arbeit einzusetzen, hier erwartet die Schriftleitung die intensivste Mitarbeit aller derer, die auf pädagogischem und methodischem Geibiete etwas zu sagen haben. Dn Braun sagt: „Wir dürfen uns nicht in Reflexionen über Aufgaben und Ziele des Unterrichts und der Erziehung verlieren, wir müssen Kleinarbeit leisten, Uuterriehtseutwürife darbieten, an Beispielen zeigen, in welcher Weise die Gedanken (moderner Pädagogen sowie neuartige Lehr- und Lernmittel nutzbar gemacht werden können." Wir sind diese Pionierarbeit auch unseren! jungen Kollegen schuldig, die nicht mehr die amtlichen Konferenzen besuchen 'können. Ihnen müssen die jüdischen Lehrerzeitungen das 'geben, was uns älteren früher die Fortbildungskonferenizen und Bezirksversammlungen an pädagogischen Stoffen und sdhulpraiktischen Darbietungen brachten. Wir rufen daher die Praktiker aller Schiulgattungen zur Mitarbeit auf. Die Lehrer auf dem flachen Lande, die einer geistigen Vereinsamung ausgesetzt sind, die Junglehrer und wir alle bedürfen einer solchen Hilfe durch unsere Lehrerzeitungen. Darum stimmen auch wir unbedingt und rückhaltlos der Forderung Dr. Brauns zu: „Die Praktiker am die Arbeit!" Wenn wir nun die Praktiker zur Mitarbeit aufrufen, so wollen wir auch nicht versäumen, uns mit einer dringenden Bitte an alle Kollegen — ausnahmslos — zu wenden. Es soll noch Lehrer geben, die nicht zum Lehrerkreils der Jüdischen Schulzeitang zählen. Es ist die selbstverständlichste Pflicht jedes Vereinsmitgliedes diese Zeitschrift nicht nur zu lesen sondern 'sich mit ihr geistig auseinanderzusetzen. Ebenso seibstverständich ist es, daß unsere Kollegen und alle pädagogisch interessierten jüdischen Kreise in Bayern unsere Mitteilungen und die Bayer. Isr. Gemeindezeitung durcharbeiten. Unseren Vereinsmitgliedern auf dem Lande bietet sich auf diesem Gebiete ein ersprießliches und' dankenswertes Arbeitsgebiet. Preisausschreiben der Julius Höxter-Stiftung Gemäß Absatz 7 der Bestimmungen der Julius Höxter-Stiftung schlägt der Wissenschaftliche Ausschuß der Stiftung folgendes Thema zur Bearbeitung vor: Die jüdische Schule von heute als Vorschule fürs Leben. Die Arbeit, die einseitig mit der Maschine zu schreiben und mit einem Kennwort zu versehen ist, muß dem Vorsitzenden des W.A. Dr. Siegfried Braun, Köln-Sülz, Unkeler Straße 17, eingereicht werden. Letzter Ablieferungstermin ist der 31. Juli 1937. Ein Briefumschlag, der die Anschrift des Verfassers .umschließt, und der als Aufschrift lediglich das Kennwort der Arbeit trägt, ist beizufügen. Es bleibt allen, die sich an dem Preisausschreiben zu beteiligen wünschen, überlassen, auch andere Themen zu bearbeiten und einzureichen. Einsendungen, die den hier angegebenen Vorschriften nicht entsprechen, werden vom W.A. nicht geprüft werden. I.A.: Braun. Für den Inhalt der „Mitteilungen" verantwortlich: Max Adler, München

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