Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 4 (15.2.1937)
- Date
- 1937-02-15
- Page
- Seite 81 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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JOd. Kulturbund iu BaYcrn Ortsgruppe Miffeilung an die Mitglieder An der Kulturbundkasse liegen die Eintrittskarten für das Symphoniekonzert des Orchesters der Jüdischen Kulturbünde (Frankfurt a.M.) auf, welches Dienstag, den 16. Februar, unter Leitung von Generalmusikdirektor Julius Prüwer, konzertieren wird. Die Februarrate des Jahresbeitrags wird bei denjenigen Mitgliedern, welche sie nicht bis Dienstag, den 16. Februar, an der Kulturbundkasse entrichtet haben, durch den Kassier in der Wohnung mit einem Unkostenaufschlag von 30 Pig. erhoben. Am Montag, den 8. März, bringen wir einen Liederabend der Mezzosopranistin Lisbet Dührenheimer (Mannheim): am Flügel Ludwig Grünbaum (Nürnberg). Samstag, den 13. und Sonntag, den 14. März, sind Auflührungen der Operette „Die Insel Tulipatan" von Jacques Offenbach durch die »Puppenbühne Münchner jüdischer Künstler" vorgesehen. Die Eintrittskarten für die Märzveranstaltungen werden ab Montag, den 1. März an der Kulturbundkasse aufliegen. Generalmusikdirektor Prof. Julius Prüwer leitet «das Symphoniekonzert am 16. Februar. Vielleicht nur darum. „— und wenn du schweigst in solcher Zeit--" Esther, Kap. 4, 14. Von Martha Werth ei mer Der Augenblick, in dem dn Israels Bethäusern die Megillah entrollt wird uuldi die Stimme des Erzählenden die Geschichte van Not itnid Errettung beginnt, die da anhebt: „Es war in dien Taigen des Königs Ahiaschiwerosch...", dieser AiuigenJb'lick steht zwischen den beiden Qiue'Hströmen, aus denen das Burimfest zusamimenrauseht. Er steht z/waschen dem Ernst 'iimid! der Strenge eines Festtags und der fast üppigen Fröhlichkeit, mit der nian 'im jüdischen Haus das Fest feierte. In den langen Stunden des FrüMiwgstags ist unsere Welt wieder vom Grau der Asche trüb, von der schmerzvollem Erinnerung schwer gewesen. In unserem Fasten ist die ewige Wieder kehr dier Amgst und des Verzagens, idtas Aufseufzen um Rettung, alber aiuch die scAiwermiütige Erkenntnis, daß Israel niemals ohne seta eigenes Zutun leidet. Jeder Fasten-Termin stellt uns vor die Frage nach dem eigenen Verhalten in der Welt, zum Nächsten und zur Umwelt, in jedem „Taandth" ist die Selbstbesinnung auif Israels Weg und Wesen ■mit eingeschlossen, und in jsdieim ist darum auch die Forderung zur Umkehr und der Trost, daß jede solche Umkehr von einem Irrweg wieder eine Hiitehr zur eigenen, gottgegebenen, gottgewolliten Kraft ist. In jedem Fasten ist die Wegwendamg von den Dingen des Tags mit seinen materiellen Sorgen», mit seiner Verhaftung an die Dinge, die ums alsein Wert erscheinen und dioch nur Tausch- oder Geldwert 'haben, mit seiner Vereisung durch die Selbstsucht. Jeder Tanis sollte Krusten um uns und Verschiaebungen in uns auflösen — er löst, und eben datrum läßt er etwas von Erlösung ahnen, * Während alber der Fasttag und mit ihm die Wiederkehr der Todesfurcht und Leibensangst in die Dämmerung hdneinsinken, bricht das heitere Festlicht des Purimabends hervoT. Die Boten mit den freundlichen Gaben gehen von Freundesbaus zu Freundeshaus, die Hausfrau überblickt die Vorbereitungen für die Se'uda des bommetniden Mittags, die Kinder lärmen in fröhlicher Ausgelassenheit und murmeln noch rasch die Verslein und Rolleniworte, die zu der Pniiimi-Auimhrunig gehören — ifast scheint der Grund des Festes vergessen — Esthers holde Gestalt seht vorüber, und Mordeobai bat sich ans der Asche erhaben. Denn es will uns scheinen, Purim sei Esthers Fest. Der strenge, ernste, kluge Mann tritt im unseren Liedern und Sagen hinter der Märohenigestalt -dier jungen Königin zurück, wir schweigen in idieT Herrlichkeit der höcherhobenen — und dennnach ist es seine Weisheit, sein Wissen mm dias Schicksal Israels, in jedem einzelnen jüdischen Menschen, -die zu Estiher die trengen Worte spricht: „Glaube nicht in deinem Sinn, im Hanse des Königs könntest diu allein von allen Jehiudim entkommen. Denm wenn diu schweigst in solcher Zeit, wird den Jehudiim HMe und Rettung von lamderm Ort her erstehen, aber diu und 'dein Vaterhaus, Ihr werdet umkommen. Wer weiß, ob .du nicht für eine Zeit wie diese zur Königswürde gelangt bist." Jedesmal, wenn in der Megilliaih diese Stelle beginnt, in jedem von huiniderten von Jahren, in jedem dieser hunderte von Augenblicken zwischen dem Fasttag und idiem Fest — slind diese Worte unter dem Gewicht der „Bürgschaft" gesprochen, 'die jeder Jude für den andern trägt. Sie gelten nicht der Königin Esther 'allein, gelten auch mäht irgendeiner Frau allein, sie gehen den jüdischen Menschen überhaupt und in allen Zeiten an; in deinen gehen sie ihn am, in denen er in einer falschen Sicherheit ruht und sich dem jüdischen Schicksal entzogen zu haben glaubt, und in den Zeiten erst recht, in denen die Sorgen den Tag umwöliken. Denn: vielleicht trist du reich, Jude, oder angesehen, weil du ein Meister der Lehre oder ider Rede bist, weil dar gegeben ist, als ein Künstler das Wort edel zu brauchen oder Kunstwerke bildend oder tönend zu schaffen, oder weil diu ein stolzer Vater oder eine glückliche Mutter bist, oder vielleicht bist idtu jung und schön, erfolgreich in diesem oder jenem — Oder: vielleicht bist diu arm, Jude, und in Sorgen tum dein Brot, vielleicht hast diu kein Heim mehr, wie es 'dich durch andere Jahre hindurch schützte wind glücklich machte, oder du fbiist im Aufbruch ins Ungewisse, oder .'deine Kinder sind van dir in die Fremde gegangen, und das Herz ist dir schwer um si e — Gleichviel: Wer weiß, olb du nicht eben für eine Zeit wie diese alles dies in deinem Leben siehst, die Dinge, die als Werte gelten, oidler die andern, die 'diu weit von dir wegtun möchtest. Wer weiß, ob du nicht ium eben Äser Zeit willen erhöht wurdest oder .erniedrigt Denn dier Sinn deines Lebens, Jude, wenn diu ein! Jude wie die Väter ibilst, ist der, daß