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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1937-02-15 · 4 (15.2.1937) · p. Seite 69

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
13 (1937)
Issue
4 (15.2.1937)
Date
1937-02-15
Page
Seite 69 (sequence 1)
Language
German
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3fcnclitifd)c (Bcmcmöcjcitung l!tatf|tu§te^^ und dt$ fitetftnnöes Ifogecf föct JfzatMfötz ütetmftiöen Erscheint am 1. u. 15. jeden Monats. — Verlag: B. Heller, München, PHnganserstr. 64. Fernrui 73 6 65. Postscheck München 39 87, Herausgeber: Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Bezugspreis RM. —.60 pro Vierteljahr, RM. 2.40 für das Jahr, Anzeigenpreis: Geschäftsanzeigen nach aufliegendem Tarif.. Kleine Anzeigen und Stellenmarkt ermäßigter Sondertarif. XIII. Jahrgang München, 15. Februar 1937 Nr. 4 Inhalt: Hebräisch als lebendige Sprache — Bewertung der hebräischen Sprache bei Achad-ha-am — Ist Hebräisch schwerer zu lernen als andere Sprachen? — Die schönste Seite des palästinensischen Lebens. — Zur Wiedergewinnung lebendiger jüdischer Tradition — Zum 500. Geburtstag von Isaak Abarbanel (1437—150S) — Kultusgemeinde München, Lehrhaus — Berthold Auerbach in unserer Zeit — Aus der Gemeinde München — Jüd. Kulturbund in Bayern, Ortsgruppe München — Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern — Lehrplan der Hebräischen Sprachkurse München für das Winterhalbjahr 1936—37 — Aus der Gemeinde Augsburg — Aus bayerischen Gemeinden — Jüdischer Turn- und Sportverein München e. V. „Itus" — Bücherschau — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen der Israelit. Kultusgemeinde München, Bekanntmachung über Mazzoth-Versorgung — Geschäftliches — Personalia. Hebräisch als lebendige Sprache Von Professor Dr. Ismar Elb o gen. In dieser Nummer ist in einer Anzahl von Beiträgen von der hebräischen Sprache als lebendiger Kultursprache die Rede. Der Sinn für das Hebräische ist in der „Bayer. Israelit. Gemeinde-Zeitung" seit ihrem Bestehen in vielen klärenden Aufsätzen, Proben und Hinweisen .gepflegt worden. Auch in der praktischen Förderung des lebendigen Hebräisch stand die Gemeinde München lange vor 1933 mit in vorderster Reihe. Nach den Gesetzen der meisten modernen Staaten sind Verträge in einer nichtlebenden Sprache gerichtlich nicht klagbar. Zu diesen Sprachen wurde bis vor gar nicht langer Zeit die hebräische gerechnet. Der bekannte Jurist Albert Mosse sagte mir, als er an die Bearbeitomg der 16. Auflage seiner Ausgabe des Handelsgesetzbuches ging, daß er fortan die hebräische Sprache nicht mehr unter den toten aufzählen würde. Geheimrat Mosse war, was man heute einen völlig assimilierten Juden nennt, aber trotz seines hohen Alters — er war 1846 geboren — verschloß er seine Augen nicht vor der Wandlung, die sich im Gebrauch der hebräischen Sprache vollzogen hatte. Die Wiederbelebung der hebräischen Sprache gehört zu den ganz großen Wundern, die sich in unsern Tagen vor unsern Augen ereignet und die Aufmerksamkeit aller unbefangenen Beobachter hervorgerufen haben. Man stelle die Tatsachen nebeneinander: vor wenig mehr als fünfzig Jahren besuchte der junge Pariser Student Elieser BenYehuda den russischen Rabbiner Samuel Mohilewer aiind wurde von ihm, a'ls er i'frn hebräisch ansprach, scharf zurechtgewiesen: „Junger Mann, reden Sie wie ein Mensch!" Und was damals dein berühmten Rabbi so seltsam erschien, ist heute in Palästina jedem jüdischen Wasserträger oder jedem jüdischen Schulkind eine Selbstverständlichkeit. Auch der stärkste Skeptizismus muß an die Lebendigkeit der hebräischen Sprache glauben, wenn er einmal in Erez Jisrael die kleinen Kinder in dieser Sprache hat lallen oder ihre ersten Begriffe bilden hören. Das ist das Entscheidende an der neuen Entwicklung, daß das Hebräische eine Sprache des täglichen Lebens und aller Bezirke des-Lebens geworden ist. Eine tote Sprache im wahren Sinne des Wortes ist das Hebräische niemals gewesen. Es war allen Juden als Sprache der Gebete und der Synagoge geläufig. Man nannte es wegen dieser Verwendung Leschon hakodesch, die Sprache des Heiligtums, aber es war in diesem exklusiven Sinne niemals eine sakrale Sprache, sondern eine, die darüber hinaus Verbreitung und Verwendung fand. Schon die Bibel enthält ja viel Profanes, und selbst wenn man annehmen will, daß ihr gesamter Inhalt durch die Aufnahme in das Heilige Buch durchweg einen heiligen Charakter erhalten hat, so bleibt doch die Tatsache bestehen, daß die hebräische Sprache Sprache der Gelehrten blieb. Diese haben in ihr verhandelt und entschieden, unterrichtet und korrespondiert und niemals aufgehört, sie für ihre Zwecke zu verwenden. Man blicke einmal in die erste Ordnung der Mischna, die Fragen behandelt, die mit dem Boden zusammenhängen; gewiß gehen viele der dort behandelten Probleme auf religiöse Satzungen zurück, aber häufig genug begegnen wir der ganz profanen Beschäftigung und Terminologie der Bauern. Solches Sprachgut aus dem Arbeitsleben finden wir in allen Teilen der Mischna. und auch der Talmud ist reich daran, eine ganze Archäologie hat man diesem Monumentalwerk entnehmen <u<nd das Leben der alten Juden aus dem so gewonnenen Material rekonstruieren können. Was sich an Wortschatz, an Realitäten dort findet, ist sehr reichhaltig und bildet bis auf den heutigen Tag eine feste Grundlage, auf der man aufbauen kann — aber der S'til ist dort wenig' entwickelt, für längere theoretische Auseinandersetzungen ungeeignet. Dienstag, 16. Februar abends & Uhr spielt in der Hauptsynagoge das vollbesetzte, nur aus Berufsmusikern bestehende Orchester der Jüdischen Kulturbünde (Frankfurt a. M.) unter Leitung von Prof. Julius Prüwer Sonntag, 21. Februar abends 8.30 Uhr Vortrag von Rabbiner Dr. Eschelbacher. in der Synagoge

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