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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1937-01-01 · 1 (1.1.1937) · p. Seite 11

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
13 (1937)
Issue
1 (1.1.1937)
Date
1937-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Jiiil. Kiiltiirbiiud in Bayern Ortsgruppe AUiiiclieii Mitglied ler Mitteilung an die An der Kulturbundkasse liegen die Eintrittskarten für folgende Veranstaltungen auf: Konzert des Winawerschen Chores am 12. Januar 1937; Vortragsabend Dr. Erich Lichtenstein—Werner Bukofzer am 20. und 21. Januar 1937. Die Eintrittskarten können gegen Entrichtung der Januarrate des Jahresbeitrags abgeholt werden. Zusatzkarten zu beiden Veranstaltungen im Vorverkauf. Programmänderung An Stelle des verhinderten Herrn Dr. Kurt Pinthus wird Herr Dr. Erich Lichtenstein (Berlin) am 20. und 21. Januar 1937 den Vortrag „Jüdische Dichter in dieser Zeit" halten. Im Rahmen dieses Vortrags rezitiert Herr Werner Bukofzer (vom Theater des Jüdischen Kulturbundes Berlin) aus Werken zeitgenössischer jüdischer Dichter. Marionettentheater Münchener jüdischer Künstler Unser Münchener Marionettentheater, das wir so selten an Ort und Stelle zu sehen Gelegenheit haben, erfreute sich bei seinen Gastspielen in Regensburg und Nürnberg des ungeteilten Beifalls vor einem zahlreichen und dankbaren Publikum. Aus Regensburg und Nürnberg gehen uns folgende Berichte zu: Mit dem Marionettentheater ist es ein eigen Ding. Man wird zunächst erstaunt sein, über das, was eine Puppe alles kann: Sie geht, sie bewegt sich, sie spricht; ja, sie spricht. Zum mindesten sieht es so aus, weil ihre Bewegungen mit dem gesprochenen Wort übereinstimmen. Man wird herzlich lachen können über die burleske Art menschlicher Nachbildung und man wird sich auch ganz still freuen — je nachdem mit einem boshaften oder einem überlegen gutmütigen Lächeln — über das, was da in einem merkwürdigen Sinn wirklich wird, nämlich Mensch — Theater — Leben. Es sind Gestalten, die, etwas übertrieben, aussehen wie wir, von einer unsichtbaren Hand hin und her gezogen, in Bewegung und Haltung tiefste Gefühle, ein Temperament, ein Leben nachäffen; sie leihen sich eine warme menschliche Stimme, die ihnen fast Leben einhaucht und wirken so überaus lebendig, daß man sie mehr denn als komisches Kasperle-Theater als eine liebenswürdige Satire unserer menschlichen Eigenarten und Schwächen ansehen wird. Eine ganze Welt also, die uns eine solche Puppe offenbaren kann! Ich denke dabei an eine Vorstellung, die das Münchener Marionettentheater in Regensburg gegeben hat und ich muß sagen, MÜNCHEN \ BRIENNERSTRASSE52 KOSTÜME . KLEIDER o MÄNTEL.. PEtZE all das, was zur Übermittlung eines solchen Erlebnisses erforderlich ist, wurde hier restlos erfüllt. Da stellten sich uns Puppen vor, hoch künstlerisch modelliert und ebenso künstlerisch im Entwurf ihrer Kleidung, fabelhaft charakteristisch in dem übertriebenen Ausdruck ihrer Mienen und ihrer Tracht. Für die größere Entfernung würde sogar eine gröbere, weniger ins Detail gehende Zeichnung des Gesichts genügen, vielleicht deutlicher wirken. Puppen, die außerordentlich beweglich, komisch oder ernst, würdig oder frivol sind, je nach ihrer Rolle ihren Stil haben, virtuos und durchdacht geführt Und mit Stimmen begabt, die weit über ihren Brustumfang hinausgehen! In zweierlei Arten von Stücken konnten sie ihre Talente zeigen. Am Nachmittag in zwei lustigen Kasperle- und Zauberstücken von Pocci. Was gab es da für einen herrlichen urwüchsigen Kaspar und was für Wunderdinge an Zauberei! Am Abend in der überaus komischen Offenbach'schen Operette „Tulipatan". Hier gab die nicht sehr einfallsreiche, aber spritzige Musik dem Spiel Schwung, Glanz und Niveau; im wesentlichen durch die einzelnen Stimmen, die sich zwar nur in der Puppe vorstellten, aber beste und geübte Künstler vom Fach verrieten. Die schönen Soli, Quartette, Duette wurden in Grazie und Klangschönheit gesungen von den Damen Sonja Ziegler, Reta Löb, den Herren Rudolf Offenbacher (Fürth), Walter Capell (bisher am Stadttheater Chemnitz), Walter Rieß, während Puppen und Szene wieder aus den bekannten Künstlerhänden von Marieluise Kohn und Rud. Ernst hervorgingen. Herr Dr. Waldner zeichnete für die musikalische, B. Wolff für die Gesamtleitung. Gastspiel des Münchener Marionettentheaters in Nürnberg. Wie im letzten Jahr, so kehrte auch heuer diese ausgezeichnete Truppe zur allgemeinen Freude bei uns ein. Diesmal war es in erster Linie die Jugend, der dieses Gastspiel galt, denn die Gemeinde hatte Schüler und Schülerinnen zu zwei Chanukka-Vorstellungen in den Turnsaal der Jüdischen Volksschule eingeladen. Die Münchener brachten zwei allerliebste Poccische Puppenspiele, nämlich „Die geheimnisvolle Pastete" und „Die 3 Wünsche", die den größten Beifall der in Scharen herbeigeströmten Kinder fanden. Die Erwachsenen hörten am gleichen Abend Offenbachs reizende Spieloper „Die Insel Tulipatan"; auch diese Aufführung brachte den beteiligten Künstlern einen vollen Erfolg. Sowohl die Gesangskräfte, die Damen Sonja Ziegler und Reta Loeb, wie die Herren Rudolf Offenbacher, Walter Ries, Kapell und der Pianist Dr. Jos. Waldner, wie auch die Puppenführer Frl. Marieluise Kohn, Frau Lotte Ernst und Herr Rudolf Ernst boten hervorragende Leistungen und ernteten den stürmischen Beifall des ausverkauften Hauses. Besondere Erwähnung verdienen die künstlerischen wundervoll gearbeiteten Figurinen. Und dankbar sei der vortrefflichen Spielleitung des Herrn Berthold Wolff gedacht, der das Ensemble so treu leitet und verwaltet. Symphoniekonzert des Kulturbundorchesters München Die große B-Dur-Fuge von Beethoven bildete ursprünglich das Finale seines Streichquartetts a-moll op. 130. Bei der ersten Aufführung des Quartetts am 21. Mai 1826 begegnete die Fuge solcher Verständnislosigkeit, daß der Meister sich auf Anraten seines Verlegers Artaria dazu bereit fand, für das Quartett einen anderen Schluß zu schreiben, um so mehr, als Artaria versprach, die Fuge gesondert herauszugeben. Im Mai 1827, wenige Tage nach Beethovens Tod, ist die Fuge im Druck als opus 133 erschienen. Felix von Weingartner, der berühmte Dirigent, hat die Fuge vor Jahren für Streichorchester bearbeitet, in welcher Fassung wir das Werk im Kulturbund hörten. Warum jede Aufführung dieses Werkes, ob im Quartett oder mit Orchester, bis zu einem gewissen Grade problematisch blei-

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