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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1936-12-01 · 23 (1.12.1936) · p. Seite 515

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
12 (1936)
Issue
23 (1.12.1936)
Date
1936-12-01
Page
Seite 515 (sequence 13)
Language
German
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•Hill. Kulturbund in Bayern Ortsgruppe Atftiiclicii Mitteilung an unsere Mitglieder An der Kulturbundkasse liegen Eintrittskarten iür folgende Veranstaltungen auf: Symphoniekonzert des Kulturbundorchesters München am 17. Dezember 1936; Vortagsabend Dela Lipinskaja am 20., 22. und 23. Dezember; Konzert des Winawerschen Chores am 12. Januar 1937; Vortragsabend Dr. Kurt Pinthus—Werner Bukofzer am 20. und 21. Januar 1937. Die Eintrittskarten können gegen Entrichtung der Beitragsraten für die entsprechenden Monate abgeholt werden. Mehrfache Anfragen veranlassen uns, wiederholt darauf hinzuweisen, daß die Abwechsler wohl berechtigt sind, an Stelle des Mitglieds eine Veranstaltung zu besuchen; hingegen können Zusatzkarten an Abwechsler (zum gemeinsamen Besuch einer Veranstaltung durch Mitglieder und Abwechsler) nur nach Maßgabe der vorhandenen Plätze abgegeben werden. Ein Anrecht auf Zusatzkarten seitens der Abwechsler besteht im Prinzip nicht. Da nach Eintrittskarten für die Vortragsabende Dela Lipinskaja sehr rege Nachfrage besteht, müssen die Karten in erster Linie den Mitgliedern vorbehalten bleiben. Abwechsler erhalten Zusatzkarten für diese Veranstaltung ausschließlich an der Abendkasse, soweit noch Karten verfügbar sind. Um den Mitgliedern ihre Eintrittskarten für. diese Veranstaltung sichern zu können, ersuchen wir dringend, die Karten bis spätestens Freitag, den 18. Dezember, an der Kulturbundkasse abholen zu wollen, und Eintrittskarten für Mitglieder keinesfalls an der Abendkasse zu fordern. Liederabend Hermann Schey. Dem Münchener Kulturbund ist Schey kein Unbekannter; die Eindrücke, die sein Konzert vor annähernd zwei Jahren hervorgerufen hatte, sind noch unvergessen. Man darf sagen, daß diesmal das künstlerische Erlebnis wieder ein ganz starkes war. Die gepflegte Stimme tritt bei ihm völlig in den Dienst des Ausdrucks, sie wird nie zum Selbstzweck, sondern ist ganz und gar Instrument; der Gestaltung des Kunstwerks aus dessen Wort-Sinn, dem Vortrag aus dem Erleben der Dichtung, der Komposition als Synthese von Wort und Ton ordnet er das Gesangliche unter, und vermag dies um so leichter, als die Stimme, technisch restlos beherrscht, jeder feinsten Regung des Ausdrucks mühelos folgt. Ein Meistersänger, der in seiner Vortragskunst wenige seinesgleichen findet, und vielleicht noch am ehesten mit Karl Erb verglichen werden kann. Den „Vier ernsten Gesängen" von Brahms, einem Spätwerk, dessen strenger Haltung gerecht zu werden nur wenigen beschieden ist, war Schey ein Deuter von erschütternder Eindringlichkeit. Gewaltig seine Auffassung des memento mori in verschiedener Gestalt, von schlichter Innerlichkeit die des tröstenden Ausklangs. In drei Liedern von Mahler zeigte der Sänger, wie tief er das Wesen des noch viel zu Unbekannten und Mißverstandenen erfaßt hat; selten noch hat man die stille Melodie „Ich bin der Welt abhanden gekommen", das ergreifende Leidensbild „Um Mitternacht" und „Der Schildwache Nachtlied" in solcher Schönheit gehört. Am überragendsten aber offenbarte sich seine Meisterschaft in Schumanns „Dichterliebe", dem Zyklus nach Texten von Heine. In diesem Zyklus, wie der Tondichter ihn zusammenstellte, stehen neben Wortschöpfungen von unvergänglicher Schönheit auch Gedichte, deren Sentimentalität uns heute kaum noch erträglich scheint. Schumann hat alle Texte mit dem Zauber seiner Melodien umgeben; dem Sänger aber fällt die schwere Aufgabe zu, in der Wiedergabe den rechten Weg zu finden und der wundersamen Musik gerecht zu werden, ohne der stellenweise sehr störenden Empfindungsseligkeit Heines zu verfallen. Mit welchem Geschmack Schey diese Aufgabe löste, war bewundernswert; er verzichtete auf billiges Paradieren mit Falsettönen und ähnlichen Süssigkeiten, und trug das Werk vor, wie er es empfand, schlicht und zu Herzen gehend. Dem vollendeten Sänger gesellte sich am Klavier der vollendete Begleiter. Wie Kapellmeister Erich Eisner, in der Beglei- . tung feinfühlig zurücktretend, es dennoch bewirkte, daß das musikalische Gefüge des Werkes mit selbstverständlicher Gewißheit in jedem Augenblick gegenwärtig war — dort aber, wo das Werk es erheischte, mit Stilsicherheit die Aufgabe erfassend zum selbständigen Deuter und Gestalter wurde, wie auf solche Weise aus Gesang und Begleitung das Kunstwerk erstand, das war eine Leistung, die den Abend erst ganz zu dem Erlebnis machte, als welches er in unserem Gedächtnis haftet a. Unsere Aknen Ausstellung im Berliner Jüdischen Museum. Von Dr. Lotte Pulvermacher (Berlin). Das Jüdische Museum in Berlin hat die schon seit längerer Zeit mit Spannung erwartete Ausstellung „Unsere Ahnen" eröffnet, für die als Träger das Jüdische Museum, die Gesellschaft für jüdische Familienforschung und das Gesamtarchiv der Juden in Deutschland verantwortlich zeichnen. — Das Zusammenarbeiten dieser drei jüdischen Institutionen läßt schon die Richtungen erkennen, in denen uns die Ausstellung Anregungen bringt und um wesentliche Erkenntnisse bereichert: auf künstlerisch-kunsthistorischem, auf genealogischem und kulturhistorischem Gebiet verlangt die Berliner Ausstellung unser Interesse. Von den verschiedensten Blickpunkten her läßt sie uns eindringen in die Quellen, aus denen wir Heutigen geworden sind; denn in anschaulicher Weise läßt sie den jüdischen Menschen der Vergangenheit — der letzten 200 Jahre etwa — vor uns erstehen. Vom kunsthistorischen Gesichtspunkt betrachtet gibt uns die Ausstellung nach zwei verschiedenen Richtungen hin Aufschlüsse: sie läßt einerseits erneut die Abhängigkeit unseres Daseins, unserer äußeren Erscheinungform von der Umwelt erkennen und bringt uns andererseits neue Künstlerpersönlichkeiten nahe; können wir doch verfolgen, daß nicht nur von der allgemeinen Kunstgeschichte anerkannte Maler unsere Ahnen porträtiert haben, oder — andererseits — daß nur namenlose Künstler ihre Züge für die Nachfahren festgehalten haben, sondern der Berliner Ausstellung verdanken wir auch die Bekanntschaft mit einigen jüdischen Malern, die bisher der Forschung kaum als festumrissene Persönlichkeiten greifbar waren, die aber in der Tat einer weiteren Bearbeitung wert sind. Von der Zeit Friedrichs des Großen bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts gibt uns die Ausstellung Beispiele von Ahnendarstellungen. Der friderizianische Stil — der berühmte Hofmaler Anton Graff schuf das berühmte Mendelssohn- Porträt; das Bildnis der Frau Blümchen Goldschmidt, geb. F a n t i, erscheint vor uns von der Hand eines Antoine Pesne, der ebenfalls am preußischen Hofe tätig war —, der

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