Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 22 (15.11.1936)
- Date
- 1936-11-15
- Page
- Seite 489 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Jiiil. Kulturbund in Bayern Ortsi|rii|i|»e Mitteilung . an jüdische Organisationen und Saalbesitzer Gemäß einer neuerlichen Verfügung haben sämtliche jüdische Organisationen Anmeldungen für Tanzveranstaltungen nicht mehr wie bisher direkt an die Reichskulturkammer, sondern drei Wochen vor dem Veranstaltungstermin an den Reichsverband der jüdischen Kulturbünde in Deutschland, Berlin SW 19, Stallschreiberstraße 44, zu richten. Die vom Reichsverband erteilte Genehmigung ist der örtlichen Polizeibehörde vorzulegen. Dagegen gilt für gewerbsmäßige Tanzveranstalter (Saalbesitzer) die bisherige Regelung weiter, wonach diese ihre Veranstaltungen direkt bei der Reichskulturkammer anzumelden haben. Mitteilung an unsere Mitglieder Ab Montag, den 16. November, liegen an der Kulturbundkasse folgende Eintrittskarten auf: Rezitationsabend, Otto Bernstein, am 24. und 25. November; Symphoniekonzert des Kulturbundorchesters Müncnen am 17. Dezember; Vortragsabend, Dela Lipinskaja, am 20.. 22. und 23. Dezemb.; Konzert des Winawerschen Chores am 12. Januar; Vortragsabend, Dr. Kurt Pinthus-Werner Bukofzer, am 20. und 21. Januar. Die Eintrittskarten können gegen Entrichtung der Beitragsraten für die entsprechenden Monate abgeholt werden. Die Beitragsrate für November wird bei denjenigen Mitgliedern, welche sie bis 16. November nicht entrichtet haben, durch den Kassier mit einem Aufschlag von 30 Rpf. in der Wohnung erhoben. Der Maler Rudolf Ernst-München Von Dr. Richard Eisen Ein Besuch dm Atelier Rudolf Emsts überrascht durch die ungewöhnliche Vielfalt seines Schaffens, die sich vor dem Beschauer ausbreitet. Gemälde und Graphik, Kunstgewerbe und Fresko, Landschaft .und Porträt, Stilleben und Illustration liegen gleichermaßen äm Bereiche seiner Kunst. lEs ist nicht ganz leicht, in dieser Fülle die Einheit der menschlichen und künstlerischen Persönlichkeit zu fassen. Aber allmählich erspürt man eine Eigenart, die durch alle seine Werke, so verschieden sie in Gegenstand und Technik sein mögen, hinidurohklingitt. Wesen und Entwicklung Emsts weisen deutlich auf den Charakter seiner Kunst hin. Zuerst Autodidlakt unid Dilettant.hat der in München .geborene Künstler erst gegen Ende seines dritten Lebensjahrzehnts sich ganz dem künstlerischen Schaffen gewidmet. Vom akademischen Kunstbetrieb abgestoßen, verläßt er unmittelbar nach seiner Aufnahme wieder die Akademie und vollendet seine Ausbildung in einer Schule für dekorative Malerei. Das, was er noch zu lernen hatte, die handwerklichen und technischen Grundlagen, vermittelt ihm diese Lehre mit der notwendigen Gründlichkeit und Vielseitigkeit. Den ausgeprägten künstlerischen Willen aber, seinen persönlichen) Stil trägt er zweifellos bereits in sich, und so folgt von nun an, ohne wesentliche Schwankungen seiner Entwicklung, ein Jahrzehnt fruchtbarsten Schaffens. Wenn im Einklang mit dem Gang seiner Ausbildung tatsächlich das Dekorative zu den Grundzügen von Emsts Kunst gehört, so bedeutet das nicht eine Abhängigkeit von äußerer Zweckbestimmung. Es heißt vielmehr, -daß Form und Farbe allein durch ihr stilles, friedvolles Dasein, durch ihre immanente Spannung zu wirken bestimmt sind. Sie sollen nicht einen außerhalb des Kunstwerks liegenden Gedanken zum Ausdruck bringen ioder von der inneren Problematik des Künstlers vergewaltigt werden. Alles Laute, Gewaltsame, aber auch alles Gequälte, Problematische liegt seiner Wesensart ferne. Daß eine solche Kunst ohne Einbuße an seelischer Tiefe und ohne Konzession an bloß geschmacklichen, sinnlichen Reiz wohl möglich ist, zeigt das große Beispiel Cezannes. Es ist kein Zufall, daß innerhalb seiner Gemälde die Still- 1 e b e n zu den ausgeglichensten und reifsten Werken des Künstlers gehören. Hier verwirklicht sich am reinsten seine Eigenart. Wie graziös spielen etwa in seinem hier abgebildeten Stillleben, einer seiner letzten Schöpfungen, die Formen in ihren zarten Kurven ineinander, wie rein und heiter klingen die lichten Farben zusammen, wie frei und glücklich ausgewogen sind die Gegenstände im Raum! Gewiß ist ein solches Werk dekorativ, aber es hat seinen moralischen Sinn m dem heiteren und innigen Lebensgefühl, das aus ihm strahlt. Emsts Landschaften werden ebenfalls von ganz wenigen Farben in lichten Tönen und großen Flächen beherrscht. Gewöhnlich enthalten sie den Blick auf weite, hügelige Wiesen und Felder; Bäume und Häuser gehen in dieser Weite auf und bilden keine wesentlichen Akzente. Man hat das Gefühl, als ob seine Vorliebe für das still Ruhende den Künstler veranlaßt hätte, der Auseinandersetzung mit dem Problem der landschaftlichen Formen überhaupt aus dem Wege zu gehen. Statt das? * •"'** * 4. ~ V * * * "* V "^J- •> - ,. j>V * *- ,5* . n- , v* % « TfT . y Photo: Curt Pfeiffer, Breslau Otto Bernstein zum Reizilationsabend am 34. und 25. Novemöer