Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 21 (1.11.1936)
- Date
- 1936-11-01
- Page
- Seite 463 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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JiifL Kulturlniiul in Bayern Ortsgruppe iUiiiiclien Mitteilung an die Mitglieder! Die nächsten Veranstaltungen sind: Liederabend Hermann Schey am 7. und 8. November; Rezitationsabend Otto Bernstein am 24. und 25. November. Die Eintrittskarten für diese Veranstaltungen sind an der Kulturbundkasse erhältlich. Hermann Schey zum Konzert am 7. und 8. November des Kulturbundes »aisonoeginn aes rvuirurouni Konzeft des Mendelssohn-Trios Mit einem Konzert des Leipziger Mendelssohn-Trios begann die neue Spielzeit des Kulturbundes. Die Künstler, die sich schon im vergangenen Winter hier aufs vorteilhafteste eingeführt hatten, erwiesen sich abermals als ein Kammermusik- Ensemble von hohen Graden. Dem beseelten Spiel des Geigers Leo Schwarz und des Cellisten Paul Blumenfeld gesellt sich als spiritus rector die leidenschaftliche Gestaltungskraft der Pianistin Hella Chitrik zu; die prächtigen Leistungen der drei Solisten verschmolzen zu einem Zusammenspiel von erlesener Musikalität und treuer Hingabe an das Werk, so daß das anspruchsvolle Programm eine ausgezeichnete Wiedergabe erfuhr. Schuberts melodienfrohes B-dur-Trio, bei aller Schlichtheit und Eingängigkeit voller technischer Probleme, gelangte zu einer Aufführung von bemerkenswerter Schönheit. Auch der Vortrag des Dumky-Trios von Dvorak ließ keinen Wunsch unerfüllt Die rhapsodische Gestaltung der vielen tschechisch-volkstümlichen Themen geht auf Kosten der formalen Geschlossenheit; die Künstler wußten diesen Mangel geschickt zu überbrücken. Bei dem H-dur-Trio von Brahms, einem Jugendwerk des Meisters, war nicht die ursprüngliche Fassung, sondern die viele Jahre später vom Komponisten überarbeitete Ausgabe gewählt worden; der Vorzug der Überarbeitung liegt in ihrer präziseren, einheitlicheren Form, jedoch fällt der etwas akademisch angehauchte, hinzugefügte Schlußsatz gegen den fortgelassenen, ursprünglicheren und einfallsreicheren Fugensatz merklich ab. Auch diesem, echt romantischer Gefühlswelt entsprungenen Werk waren die Künstler ausgezeichnete Deuter. Die Mitglieder des Kulturbundes, die an beiden Abenden dieser Aufführung den Museumssaal füllten, zeigten ihre helle Freude über das schöne Musizieren der Gäste, und bewiesen der angeblich so „schweren" Kammermusik gegenüber eine Aufnahmebereitschaft und eine Dankbarkeit, die dem Münchner Kulturbund zur Ehre gereicht. Innerhalb des Kulturbundpublikums scheint eine gewisse Konsolidierung vor sich gegangen zu sein; man darf sagen, daß es heute alle jene Kreise aus allen unseren Bevölkerungsschichten umfaßt, die maiuvon jeher als das gute, verständnisvolle jüdische Publikum bezeichnete. Es ist selbstverständlich, daß damit das Tätigkeitsfeld des Kulturbundes nicht abgeschlossen sein darf; seine Aufgabe ist es, auch jene etwas schwierig zu behandelnden Menschen heranzuziehen, die sich der Sorgen des Alltags wegen und vielleicht auch aus einer gewissen Trägheit vor geistiger Anregung scheuen. Man wird diesen Menschen klar machen müssen, daß sie ohne diese Anregung" einer geistigen Verarmung zusteuern, die für unser ganzes jüdisches Leben die schwersten Gefahren mit sich bringen muß. Bewußtes Judentum ohne Anteilnahme am jüdischen Kulturleben ist unmöglich; schon aus diesem Grunde ist es Ehrenpflicht jedes Juden, dem Kulturbund anzugehören — von der sozialen Verpflichtung jüdischen Künstlern und Geistesarbeitern gegenüber ganz abgesehen. Es kann nicht oft und nicht eindringlich genug gesagt werden: Tretet dem Kulturbund bei — wahrt das Judentum! a. Das jüdische Museum in Livorno Am 28. und 29. Oktober hat Max Osborn einem dankbaren . und aufmerksamen Publikum über „Alte und neue Kunst in Palästina" vorgetragen. Wir brachten im vorigen Heft dieser Zeitung seine Schilderung des alten jüdischen Livorno; die angekündigte Ergänzung über das jüdische Museum folgt heute. Die Italiener der Renaissance verstanden zu bauen! Der Architekt der altberühmten Synagoge zu Livorno wußte, daß es feierlicher wirkt, wenn man zum Betsaal die breiten Stufen einer Treppe emporsteigt. So verlegte er die weiträumige Halle mit den auf drei Seiten des Rechtecks herumgezogenen Arkaden der Doppelempore ins Obergeschoß, das auf den massiven Wölbungen eines Unterbaus ruht. Hier, unter dem eigentlichen Synagogenraum, tagte bis zum Jahre 1808 das rabbinische Tribunal der „Nazione ebrea" von Livorno, die das Privileg besaß, in Zivil- und Kriminalfällen ihre eigene Gerichtsbarkeit auszuüben. Das Richterkollegium setzte sich zusammen aus den fünf „Massari", den Häuptern der Gemeinde, und drei Rabbinern, die ihnen zur Seite standen. Noch jetzt liest man an den Türen des Erdgeschosses die Inschriften ..Audientia" und „Archivio". Die also bezeichneten Räume beherbergen heute das Jüdische Museum, das die unermüdliche Energie des Oberrabbiners Prof. Alfredo To äff vor einigen Jahren ins Leben gerufen hat. Verwunderlich, daß es das erste und einzige in ganz Italien ist! Die großen Gemeinden des Landes hätten sicherlich übergenug Material, um ähnliche Sammlungen herzurichten: sie würden dadurch dem Studium der jüdischen Kunst unschätzbare Dienste erweisen.