Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 19 (1.10.1936)
- Date
- 1936-10-01
- Page
- Seite 420 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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420 Bayerische Israelitische Gemeindezedtung Nr. 19 Beilage herauskommt, um schließlich 1818 der rein deutschsprachigen jüdischen Zeitschrift „Jedidia" zu weichen. Im Jahre 1933 -erst wieder war es die „Jüdische Rundschau", die als deutschsprachige jüdische Zeitung eine hebräische Beilage brachte. — Auch die weiteren Kreisen wenig bekannte Tatsache, wie viele bedeutende hebräischschaffende Männer in Berlin gewirkt haben — Bialik, Tschernichowski, Agnon. Bin Gorion u. a. — wurde durch eine beschriftete Photomontage anschaulich vor Augen geführt. — Den Jüdischen Kulturbünden ist ein weiter Raum gegeben; durch Plakate, Szenenentwürfe, Figurinen, statistische Tabellen etc. wird die Entwicklung und das Wirken in Berlin und im Reich nachgewiesen. — Eine Zusammenstellung einiger Gemälde Berliner jüdischer Künstler geben Kunde davon, wie weit und in welcher Form der jüdische Stoff künstlerischen Ausdruck findet. — Das jüdische Schulwerk in seinen verschiedenen Erscheinungsformen — Volksschule, höhere Schule, Landschulheim. Vorlehre etc. — und ein Überblick über den Stand; und die Mittel der Erwachsenenbildung bilden eine weitere besonders wichtige und daher reiche Abteilung der Ausstellung. Statistiken über Zahl der Schulen, Lehrer, Frequenz der Schüler, Schülerarbeiten der verschiedensten Altersstufen und Lehrfächer, Pläne und Arbeitsbereiche der Lehrhäuser, eine Sonderschau aus den Beständen der Berliner Gemeindebibliothek verlebendigen die unermüdliche Arbeit, mit der man hier überall am Werke ist. Dem „Kulturellen Leben in Palästina" werden zwei ganze Stockwerke des Logenhauses gewidmet. und es ist wohl das erste mal, daß uns Menschen hier ein so klares Bild vom kulturellen Leben Erez Israels gegeben windi Als Einführung in den palästinensischen Teil veranschaulicht in augenfälliger Weise ein Fries die Reihe der Herrschertypen von Palästina, unter denen für die israelitische Epoche eine Figur vom schwarzen Obelisken des Londoner Britischen Museums zur Illustration gewählt ist. — Ein Zug einer semitischen Karawane, der Darstellung einer modernen Alijah gegenübergestellt, zeigt das Wandern der Juden zu verschiedenen Zeiten. — Die Typen des Jischuw werden uns in ■ausgezeichneten Photos von Lerski nahegebracht. — Statistiken und1 graphische Darstellungen veranschaulichen die Zahl der Einwanderung, den Altersaufbau, die Berufsschichtung, die Herkunftsländer der Einwandernden und die Zusammensetzung des Jischuw. Das Leben des Alltags, Handel, Verkehr, Geldwesen, wenden durch Original-Tozereth haarez-, ausgesuchte Beispiele, Bilder vor Augen geführt; Radio, Film, Musik, Theater, Presse werden in ihrer großen Lebendigkeit in einzelnen Abteilungen durch markante Beispiele, Bilder, Texte etc. vergegenwärtigt. — Die Institution des kulturellen und geistigen Lebens, ihre Baulichkeiten, erscheinen in Photos und Modellen. Besonders interessiert den Besucher das Haus der Jewish Agency, das in modernen, großzügigen Formen gebaut ist. Einem Überblick über das palästinensische Erziehungswesen, das Verlagswesen, die Literatur ist das zweite Stockwerk gewidmet. Die verschiedensten Bildungsanstalten, vom Spielmilieu der Kleinsten im Kindergarten über Volkschule. Handwerker- und Landwirtschaftsschule, Gymnasium bis zur Universität und Technikum lernen wir kennen und erhalten Einblick darein, mit wie vielen besonderen Gegebenheiten oder speziellen Bedingungen die einzelnen Institutionen zu rechnen haben. Wie intensiv und erfolgreich hier gearbeitet wird, beweist beispielsweise die Tatsache: 1910 bestand Tel-Aviv aus 60 Häusern, 1936 besitzt diese Stadt allein 87 Schulhäuser! Ein Plan des Areals der Stadt aus beiden Jahren in gleichem Maßstab veranschaulicht diese erstaunliche Leistung. Eine besondere Abteilung in diesem Saale 'ist dem Gedienken Gh. N. Bialiks gewidmet, des Mannes, der wohl der wesentlichste Wegweiser und Wegbereiter für die geistige Haltung des heutigen Erez Israel ist. Eine Reihe von Photos, einige Federzeichnungen Nachum Guttmanns, eine Abbildung der Pasternak'schen Studie vergegenwärtigen uns Bialik und sein Wirken. Von all den vielen Beweisen, mit denen man Bialiks nach seinem Tode gedachte, ergreift uns am meisten ein kleiner Scherenschnitt von einem Kinde. Der Inhalt des berühmten Gedichtes „Zipporah" wird hier mit der vollen spontanen Innigkeit, die nur einem unbefangenen Kinde eigen ist, durch einen gelben Vogel auf braunem Blütenzweig dargestellt. Nur wenige Einzelheiten dieser Ausstellung konnten hier Erwähnung finden. Die geschickte künstlerische Anordnung sei besonders hervorgehoben; durch ihre Lebensnähe wirkt sie in anregendster Weise belehrend. Diese Arbeit wurde für den Gola-Teil von dem Bühnenbildner des Kulturbundes, Heinz Gonde 11, besorgt, für den Palästina-Teil arbeiteten Dr. Ernst Meditier und Otte Wallisch, von denen letzterer persönlich für diese Arbeit von Palästina nach Deutschland kam. Diese Kultur-Ausstellung, die auch in anderen Städten des Reiches gezeigt werden wird, erfüllt vollends ihre Aufgabe, das jüdische Kulturschafien von heute, sein Anknüpfen an die Werte unserer Tradition und sein Wegbahnen für die Zukunft, uns heutigen Juden zu veranschaulichen, zumal sie nicht nur mit trockenen Worten und Zahlen, sondern mit 4ebensnahen Anschauungsmitteln zu uns spricht. Dr. Lotte Pulvermac her, Berlin. Slaatszionistische Organisation Ortsgruppe München Dr. Justin Heidecker Nürnberg spricht nach seineirRückkehr ausPaläsiina Sonntag, den 4. Oktober 1936, abends 2030 Uhr im Sitzungszimmerd. Gemeinde,Herzog-Max-Str.7/0 über . „Die Unruhen in Palästina" „Rückblick und Ausblick" Unkostenbeitrag 30 Pfg. Staatszionistische Broschüren erhalten Sie in der Ewer-Buchhandlung t "W