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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1936-09-15 · 8 (15.9.1936) · p. Seite 22

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1936
Issue
8 (15.9.1936)
Date
1936-09-15
Page
Seite 22 (sequence 2)
Language
German
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22 Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern Nr. 8 fragte mich: „Kann ein Verein überhaupt sitzen? und wenn ja. warum muß der Lehrenverein gerade in Würzburg sitzen?" Die beiden Herreu der Vereinsleitung sitzen doch nur wenige Tage im Jahre im Würziburg; meistens „sitzen" sie doch in München. Also, was soll das heißen? Vielleicht ist es Euch gegangen wie mir, daß Euch erst der letzte Fortbildungskurs Aufschluß über diese sechs Worte gab. Denn: der Verein „saß" in Würzburg. Es war auch der ganze Verein; aus allen Gegenden waren die Kollegen erschienen; nur wenig mochten gefehlt haben. Ja, wenn) man vom Eingang her einen Blick in die geräumige Turnhalle unserer Lehrerbildungsanstalt tat, wenn man die Tische und Stühle sah — oder wenn man während der „Sitzungen" sich umschaute und die 100 Menschen erblickte, die brüderlich und schwesterlich vereint zusammen waren: vielen kam wohl das so häufig gehörte und soselten verstandene Psalimwort ins Gedächtnis: Hine mah tow umah naim1... Nur eins: man saß zwar, aber es dauerte ein wenig, bis man saß. In der Ankündigung hieß es: Beginn pünktlich 8 Uhr u. 15 Uhr. Sehr pünktliche waren schon eine Viertelstunde vorher da, pünktliche kamen rechtzeitig, und die Klugen verließen sich auf die akademische Viertelstunde. Die Glocke des Vorsitzenden tönte also „pünktlichst" 8% und 15/4 Uhr, alber dann so eindringlich, daß niemand mehr anders konnte und in die Turnhalle eilte. Und auf allgemeinen Wunsch hat er sich sodann auch meistens hingesetzt, weil ja der „Sitz" des Vereines für einige Tage die T u r n h a 1I e des Seminars in Würziburg waT. Aber der „Sitz" des Vereins ist doch Würzburg! Das erfuhr jeder, der in diesen Tagen in Würzburger Familien verkehrte. Da hörte man nichts anderes als „Lehrerverein", „Fortbildungskurs". Der Lehrerverein, dessen ganze Geschichte — Gründung, Tagungen etc. — so sehr am. Würzburg gekettet ist, hat auch Eingang in die Herzen der Würzburger Juden gefunden. Mir kam es so recht zu Bewußtsein: Der Verein hat seine Heimat, also auch seinen Sitz in Würzburg. Minimum und Maximum Es gibt eine pädagogische Richtung, die mit einem Minimum an Stoff ein Maximum an Fertigkeiten erreichen will. Man ist sich noch im Zweifel, ob sie es kann. Tatsache aber ist, daß es einen Verein gibt, der in einem Minimum von Zeit ein Maximum an Arbeit geleistet hat. Jeder einzelne Teilnehmer .— soweit er wirklich „teilgenommen" hat — konnte seinen „Teil" mit nach Hause „nehmen;", seien es nun vollgeschriebene Blätter oder vollgepfropfte Köpfe. Ohne Eigenlob: es ist viel gearbeitet worden. Denkt nur an die nichtendienwollenden Aussprachen, wo mancher, um einen Satz des Referenten zu interpretieren, einen eigenen Vortrag halten mußte. Und nach der schwierigen, ermüdenden Geistestätigkeit, die einen' bis zur Grenze des Schlafes — doch hoffentlich in keinem Falle weiter? — bringen konnte, mußte am späten Nachmittag noch Alt und Jung und Mittel zu praktischen Leibesübungen antreten, nacheinander der Größe nach aufgestellt. Ich sage: zu praktischen Leibesübungen; denn es gibt auch theoretische. Theoretische Leibesübungen stehen in einem blauen Notizbuch. Sie sind auch im Druck erschienen. Um mir die schwierige Definition zu ersparen, verweise ich auf diese Literatur. Denn ich wollte doch von den praktischen Leibesübungen sprechen. Eigentlich hätte man bei Leibes Übungen nicht nach der Größe, sondern nach dem Leibe antreten müssen. Aber sonst hat's wirklich sehr gut geklappt. Nur wenn mit Musik geturnt wurde, ging's manchmal ein wenig ohne Takt, aber immer taktvoll zu. Was gab's sonst noch an Maximis und Minimis? In der „Bibrastraße", im alten Seminargebäude, konnte bei einem Maximum von Insassen nur ein Minimum Ruhe finden. Bei den gemeinsamen Mahlzeiten, wo im Seminar die Verköstigung von über 100 Lehrern erfolgte, wurde bei einem Maximum von zerbrechlichem Geschirr und Glas nur ein Minimum entzwei geschlagen. Ein Minimum von Teilnehmern zwar hat sich ein Maximum Freizeit gemacht; das Maximum der Teilnehmer hat aber nur ein Minimum Freizeit gehabt. (Schluß folgt.) Vereins-MitteiluDgen 1. Todesfälle: Im Juli wurden uns durch den Tod drei langjährige treue Vereinsmitglieder entrissen: Hautplenrer a. D. Jonas Löbenstern in Würzburg, Seminaroberlehrer a. D. Leopold Anfänger in Köln und Hauptlehrer a. D. Hermann Rose in Altenstadt. An anderer Stelle unserer „Mitteilungen" haben wir von Freundeshand geschriebene Nachrufe für 'die Verstorbenen eingesetzt. Hier sei namens der Vereinsleitung aufrichtiger Dank für all die Treue, die die Heimgegangenen unserem Vereine in langjähriger Zugehörigkeit erwiesen haben, zum Ausdruck gebracht. Wir werden den Dahingeschiedenen ein ehrendes Andenken bewähren. 2. Ernennungen: Hilfslehrer Julius Roberg in Würzburg wurde mit Wirkung vom 1. August 1936 zum Lehrer in ständiger Diensteseigenschaft im bayerischen Landesdienste ernannt. Schulamtstbewerber und Religionslehrer Justin Bernheimer in Scheinfeld wurde als Religionslehrer nach Königshofen in Grabfeld berufen. Lehrer Josef Gallinger in Hörstein erhielt eine Lehrerstelle am Philantropin in Frankfurt a. M. Schulamtsbewerber Leopold Rose in Oettingen übernimmt die Stelle an der privaten Volksschule in Hörstein. Schulamtsbewerber Weiß in Augsiburg hat, wie wir hören, eine Lehrerstelle in Mannheim übernommen. Schulamtsbewerber Justin Heinemann in Giebelstadt wurde nach Scheinfeld berufen. 3. Mitgliederbewegung: Durch Auswanderung sind aus dem Vereine ausgeschieden: Joseph Liberias in Ludwigshafen a. Rh., Frida Steinhof in Kitzingen und Hirsch Oppenheimer in Würzburg. Dem Verein beigetreten ist Sebald Müller in Nürnberg. 4. Fortbildungskurs: Der diesjährige Fortbildungskurs, der von über 100 Lehrern aus Bayern, Württemberg, Badem, Hessen, Sachsen, Hamburg und Preußen besucht war, nahm einen vorbildlichen Verlauf. Es ist uns angenehme Pflicht, allen denen zu danken, die zutm Gelingen beigetragen haben. Unser besonderer Dank gilt der Reichsvertretunig der Juden in Deutschland, dem Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden, der Lehrerbildungsanstalt Würzburg, den Referenten und allen Teilnehmern. Wir glauben, daß durch diesen 'Kurs das jüdische Schulwesen eine wesentliche Förderung erfahren hat. Eine eingehende Berichterstattung über den Verlauf unseres Fortbildungskurses brachte neben der „Ita" die „Bayerische Israelitische Gemeindezeitung", das „Israelitische Familienblatt", die „C.V.-Zeitung", die „Jüd. Rundschau", der „Israelit", die „Jüd. Schulz ei tung" und das „Badische Gemeindeblatt". 5. Allen unseren Kollegen ein herzliches naita nanm tutd l zum Jahreswechsel. München, den 10. September 1936. M. R o s e n f e 1 d M. A d 1 e r. Neujahrwunsch-Enthebung 5697. Adler, Fürth; Adler, München; Adler, Schweinfurt; Dr. Bamberger, Nürnberg; . Berlinger, München; Blatt, Würzburg; M. Blumenthal, Würziburg; S. Blumenthal I, Würzburg; S. Blumenthal II, Würzburg; Edelstein, Sugenheim; Eisfeld, München; Erlebacher, Würziburg; Fleischmann, Demmalsdiorf; Frank, Straubing; Frank, Trenchtlingen; Frankel, Erlangen; Fuchs, Würzburg; Glaser, München; Gündersheimer, Brückenau; Dr. Gutmann, Würzburg; Gutmann, Schnaittach; Dr. Hammelburger, Würzburg; Hamimeiburger, Ichenhausen; Heippert, Kitzingen; Hellmann, Würzburg; Hellmann, München; Hirnheimer, Würzburg; Hohenemser, München; Dr. Keßler, München; Kirschner, München; F. Kissinger, München; J. Kissinger, München; S. Kissinger, Würzburg; Dr. Klugmann, München; Krämer, München; Lachmann, München; Levi, Burgpreppach; Levite, Günzenhausen; Lev- •kowitz, Butten wiesen; Mandelbaum, Würzfaurg; Müller, München; Opperaheimer, Würzburg; Roberg, Würzburg; Rose, Oettingen; Rosenbaum, Unsleben; Rosenberger, Hammelurg; Rosenfeld, München; Sonn, Würzburg; Sonn, Regensburg; Steinhäuser, Würzburg; Stolberg, Würzburg; Stoll, Würzburg; Stein, Berolzheim; Stein, München; Stern, München; Strauß, Nördlingen; Trepp, München; Wechsler. Würzburg; Zeilberger, Landau; Ziegsler, München. Für den Inhalt der „Mitteilungen" verantwortlich: Max Adler, München

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