Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1936
- Issue
- 8 (15.9.1936)
- Date
- 1936-09-15
- Page
- Seite 21 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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imiffeilungen öe* JüDifflen Seljreniereins für ßapern ^__Schriftleitung: Max Adler, München 1936_ München, 15. September Nr. 8 Jonas Löwenstern s. H. In der vorletzten Juliwoche, gerade an den neun Trauertagen, „ wunden uns dTei liebe und geschätzte Kollegen durch den Tod entrissen. Am 19. Juli, am Tage unserer diesjährigen Mitgliederversammlung, verschied in Würzburg im 93. Lebensjahre der Senior unseres Vereins, Hauptlehrer a. D. Jonas Löbenstern. Der Heimgegangene war am' 23. Januar 1844 in dem ehemals bayerischen Rhöndorfe Wüstensachsen geboren. Nachdem er die erste Vorbereitung für seinen' künftigen Beruf bei sog. Vorbereitungslehrern in Hersfeld und) Unsleben erhalten hatte, besuchte er das Kgl. Schullehrerseminar in Bamberg, das er als Zwanizigjähriger im Juli 1864 absolvierte. Schon wenige Monate hernach erhielt er seine erste Anstellung als Lehrer der jüdischen Volksschule in Burgkunstadt, zunächst als Verweser, dann nach sechsjähriger Dienstzeit als definitiver Lehrer. Er wirkte in dieser einst sehr stattlichen Gemeinde über 48 Jahre bis zu seiner Ende 1912 erfolgten Versetzung in den Ruhestand, in selten vorbildlicher und segensreicher Weise als Erzieher und Lehrer, wie als Berater und Betreuer seiner Gemeindeglieder, wie über diesen Kreis hinaus als Freund und Helfer aller. Die hohe Verehrung, die ihm in dler Gesamtbürgerschaft der Stadt gezollt ward, fand ihren sichtbaren Ausdruck, als er anläßlich seines 25jährigen Dienstjubiiläums zum Ehrenbürger der Stadt ernannt wurde. Bei der Beerdigung, die unter überaus zahlreicher Beteiligung stattfand, schilderte Bezirksrabbiner Dr. Hanover in beredten Worten dias eine ganze historische Entwicklung umspannende Leben des Dahingeschiedenen, sein reiches Wirken wie seine kraftvolle und zugleich von hoher Liebenswürdigkeit getragene Persönlichkeit. Namens des Vereins sprach der aus Anlaß unseres Fortbildungskurses in Würzburg' weilende 1. Vorsitzende Worte des Dankes und herzlicher Verbundenheit. Leopold Rnfänger s. H. Am 24. Juli starb in Köln nach längerem Krankenlager Herr Seminaroberlehrer Leopold Anfänger. Just vor 50 Jahren verließ der Verblichene die Israelitische Lehrerbildungsanstalt Würziburg, wirkte dann als Religion«- und Voliksschullehrer in Schonungen, dann in Willmars in der Rhön, in Schlesien, in Memmelsdorf und seit 1905 annähernd 3 Jahrzehnte in hingebungsvoller Treue an der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg im Dienste der Lehrerbildung. Generationen von Lehrern, die nun in aller Welt wirken, hat Leopold Anfänger heranbilden helfen. Reich begabt mit jüdischem und! profanem Wissen, dabei unermüdlich weiterstrebend, verstand er es meisterhaft, seine Schüler zu bilden und zu formen und ihnen das Rüstzeug für die spätere Praxis zu vermitteln. Sein Unterricht in Deutsch und Geschichte erfüllte schon vor Jahrzehnten die Forderung: Durchdringung profanen Bildungsgutes mit jüdischem Geist; sein Bibelunterricht vermochte nicht nur Begeisterung zu erwecken für die erhabenen Ideen der Propheten und die klassische Schönheit ihrer Sprache, er führte seine Schüler auch in den Gebrauch alter und neuerer Kommentare ein und seine originelle, streng wissenschaftliche Art der Darbietung erzog sie zur selbständigen Erarbeitung der biblischen Quellen. Für seine Schüler war er nicht nur der Lehrer, zu dem sie mit Ehrfurcht emporblickten, er war ihnen auch ein väterlicher Freund und Berater, dessen goldenes Herz ihn jederzeit bereit sein Heß, sich auch für ihre persönlichen Belange tatkräftig einzusetzen. Seine tiefe Gerechtigkeitsliebe, seine unerbittliche Strenge, wenn es galt, ein Schülervergehen zu ahnden, waren stets gepaart mit der edlen mo des not P und dies sicherte ihm die Liebe und Wertschätzung all seiner Schüler. denen die ehrwürdige Gestalt mit dem gütigen, stets Wohlwollen ausstrahlenden Antlitz unvergeßlich bleiben wird. Mit Leopold Anfänger wurde eine edle Persönlichkeit und ein tüchtiger Schulmann, dessen Wirksamkeit auch stets die Anerkennung der staatlichen Behörden gefunden hatte, zu Grabe getragen und sein Andenken wird fortleben in den Herzen aller derer, die das Glück hatten, seine Schüler zu sein. Bei der am 26. Juli auf dem Friedhof der Adass Jeschurun in Köln stattgefundienen Beerdigung zeichnete Herr Rabbiner Dr. Siegmund Stein ein getreues Lebensbild des Verstorbenem und umriß in 'tiefempfundenen Worten die schmerzvolle Trauer der Familie und darüber hinaus eines großen Kreises von Freunden 'und Verehrern. Für die Familie und auch im Namen des Jüdischen Lehrervereins für Bayerun sprachen Lehrer Marx (Speyer) und Steinberger (Bad Kissingen) herzliche Worte des Abschieds, für die Israelitische Lehrerbildunigsanstailt und die früheren Schüler Seminarlehrer Stolberg. S. Hermann Rose m? Nach nahezu 45jähriger Tätigkeit als Volksschullehrer. Religionslehrer und Kantor verschied am 25. Juli unser lieber Kollege, Hauptlehrer Rose im 66. Lebensjahre. 36 Jahre hat er in der Gemeinde Altenstadt als Lehrer gewirkt und selbst, nachdem er schon in den Ruhestand getreten war. versah er in uneigennützigster Weise noch ehrenamtlich das Kantorat und den Religionsunterricht. Auch in der Gemeinde Kempten hat der Verstorbene längere Zeit den Religionsunterricht erteilt, und als er aus gesundheitlichen Rücksichten den Unterricht dort aufgeben mußte, wurde ihm durch die Schulbehörde der Stadtgemeinde Kempten Dank und Anerkennung für seine wertvollen Dienste gezollt. Neben der umfangreichen Schularbeit erwarb er sich noch durch seine mannigfachen Arbeiten auf dem Gebiete der Heimatgeschichte Namen und Ansehen!. Seine Arbeiten aui diesem Gebiete sind zusammengefaßt in dem 19.. erschienenen Buche „Geschichtliches der Israelitischen Kultusgemeinde in Altenstadt". Trotz ärztl.Verbotes hat der eifrige may den G'ttesdienst in seiner Gemeinde nach gewohnter Weise versehen, bis 'ihn am Freitag Abend beim G'ttesdienst ein starkes Unwohlsein überfiel, dem er leider am ptn erlag. Bei der am 27. Juli stattgeifnndenen Beerdigung rief Kollege Hammelburger (Ichenhausen) dem teuren Entschlafenen tiefempfundene Worte des Dankes, der Anerkennung und der Trauer nach. Er bezeichnete den Heimgegangenen als einen wahren 'n nay der nichts als seine Pflicht kannte, der ein treuer Diener seiner Gemeinde, ein Freund jedes einzelnen: stets gewesen, wie er Freud und Leid mit jedem geteilt, wie er allen,- die Rat und Hilfe bei ihm suchten, zur Seite stand, wie er, der stets liebende Gatte und Vater, ein leuchtendes Vorbild seiner Familie, seiner Gemeinde und seiner Gemeinschaft war. Auch den Dank des Lehrervereins für all die Treue, die der Verstorbene dem Vereine und allen Kollegen entgegengebrachte, brachte Kollege Hammelburger zum Ausdruck. Herr Heinrich Neuburger stattete den Dank der Gemeinde und aller Schüler dem heimgegangenen Lehrer ab. Momentaufnahmen vom Fortbildungskurs vom 19. bis 23. Juli in Würzburg Von W. Stern Sechs W o r te Wer von Euch, ihr lieben Kollegen, hat schon einmal die Satzungen des Vereins gelesen? Ist Euch da nicht der § 1 aufgefallen, der da lautet: „Der Sitz des Vereins ist Würzburg."? Ich kam nur schwer über diesen Paragraphen weg; denn ich