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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1936-08-15 · 16 (15.8.1936) · p. Seite 347

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
12 (1936)
Issue
16 (15.8.1936)
Date
1936-08-15
Page
Seite 347 (sequence 1)
Language
German
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Jfcnclitifrfjc (Scmcinöcjcitung Barfpfe^tenM^ imfl dt$ Btzban&tä ^aycciftfjet?ftadtöj$ec (Btmeinfcn Erscheint am 1. u. 15. jeden Monats.—Verlag: B.Heller, München, Plinganserstr. 64. Fernruf 73 6 65. Postscheck München 39 87, Herausgeber: Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Bezugspreis RM. —.60 pro Vierteljahr, RM. 2.40 für das Jahr. Anzeigenpreis: Geschäftsanzeigen nach aufliegendem Tarif. Kleine Anzeigen und Stellenmarkt ermäßigter Sondertarif. XII. Jahrgang München, 15. August 1936 Nummer 16 Inhalt: Ein demographisches Werk über die Juden in Holland — Jüdische Künstler in München — „Vor der groGen Stille" — Verband der israelitischen Kultusgemeinden der Pfalz — Aus dem Reiche — Aus der Gemeinde München — Aus bayerischen Gemeinden — Jüdischer Turn- und Sportverein München e. V. „Jtus" — Makkabi München (Jüd. Turnu. Sportverein) — Bücherschau — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen des Verbandes Bayer. Isr. Gemeinden: Bekanntmachung über Ersatzwahl. Bekanntmachungen der Isr. Kultnsgemeinde München: Bekanntmachung über Glückwunschablösung 1936; Bekanntmachung über Vermietung von Synagogenbetstühlen in der Hauptsynagoge — Personalia Ein demographisches Werk über die Juden in Holland i. Aus der Reihe der wissenschaftlichen Veröffentlichungen holländischer Autoren in den letzten Monaten, verdient ein Werk die volle Aufmerksamkeit auch außerhalb der Grenzen Hollands, vor alletm die Aufmerksamkeit in jüdischen Kreisen. Das Werk, das hiermit gemeint ist, betitelt sich „Demographie van de Jo den) in Nederland" (erschienen im Verlage M. Hertzbenger & Co., Amsterdam 1936) und hat zum Verfasser E. Bookman, Mitglied des Magistrats der Amsterdamer Gemeinde, dem daselbst das Ressort Unterricht und Kunst untersteht. Der Autor, dem wir schon seit Jahren eine Reihe damagraphischer Einzeluntersuchungen verdanken, faßt nämlich all dasjenige zusammen, was sich überhaupt in statistischer Hinsicht über dais Leben und Wirkern der holländischen Judenheit seit Jahrzehnten sagen läßt. Wir lernen ihre Bevölkerungsziffer für 'die verschiedenen Epochen kennen, ihre Verteilung über die einzelnen Provinzen sowie über Stadt und Land, wir lesen die Zahlen über die Verteilung der Judenheit nach Geschlechtern und Altersstufen, für die Ehe- und Gaburtsverhältniss>e, schließlich die Ziffern» für die Sterblichkeit, die bei der Judenheit in Holland herrscht. Und a'll dies wird in anschaulicher Weise dargestellt, gewöhnlich an Hand übersichtlicher Tabellen, die die Entwicklung kennzeichnen und unter Vergleichung mit den in Frage kommenden Verhältnissen der übrigen Bevölkerungskreise. Und die holländische Judenheit ist für eine solche Betrachtungsweise ganz besonders geeignet. Sie ist seit Generationen mit dem Lande verwurzelt und weist einerseits nicht eine so kleine Anzahl von Mitgliedern auf wie etwa die skandinavischen Länder, wo mit Zufallserscheinungen zu rechnen ist, andererseits auch nicht eine zu große, wie etwa Polen, wo genaue statistische Beobachtungen mit allen Feinheiten kaum möglich sein dürften. Das Material, auf das sich der Verfasser stützen konnte, bildeten in erster Linie die Veröffentlichunigen des holländischen Zentralbüros für Statistik, die allerdings nur einmal in 10 Jahren, anläßlich der dann erfolgenden Volkszählung, das religiöse Bekenntnis der Volksgenossen kundbar machen). Aber der Verfasser konnte auch publiziertes und unpiibläziertes Material der Stadtgemeinde Amsterdam und solches der beiden jüdischen Gemeinden daselbst, der niederländisch-israelitischen Hauptsynagoge und der portugiesisch-israelitischen Gemeinde benützen. Und die betreffenden Angaben besitzen deshalb, einen ganz besonderen Wert, weil seit 1880, also seit fast zwei Generationen, mehr als die Hälfte der holländischen Judenheit in Amsterdam wohnt, und weil sich auch die übrige Hälfte zum größten Teil auf Großstädte verteilt, so daß die Verhältnisse in Amsterdam gewöhnlich auf die gesamte Jmdlenhedt Hollands übertragen werden können. Jedoch nicht nur in der BeredtsteHung vielfach unirjeiteannten Materials liegt der Wert dieser statistischen Untersuchungen. Der Verfasser versucht auch häufig, die Ergebnisse, die bei seinen Aufstellungen zu Tage treten, in Verbindung zu bringen mit wirtschaftlichen, sozialen und religiösen Verhältnissen, die sie rechtfertigen können. Und dies muß naturgemäß vielfach in bevölkerungspolitischer und damit in gemeindepolitischer Hinsicht von Bedeutung sein. II. Gehen wir nunmehr zu einiigen Einzelheiten über, die wir der Fülle des Materials entnehmen. Was die BevölkerusngsizaM der Juden Hollands anlangt — hiermit befaßt sich der erste Abschnitt — so betrug diese im Jahre 1830, wo uns zum ersten Male verläßiliche Angaben begegnen, 46 397. Seitdem stieg diese Zahl, wenigstens in absolutem Sinne, durchgängig bis zum Jahre 1920, wo die Statistik 115 233 Juden aufwies. Im Jahre 1930 war allerdings ein Rückgang um etwa 3300 Seelen wahrzunehmen. Ganz anders erscheinen aber diese Zahlen, wenn wir den jüdischen Zuwachs neben den der Gesamtbevölkerung stellen. Da finden wir, daß seit dem Jahre 1889 die Zunahme unter den Juden weit geringer ist als 'die der Gesamtbevölkerung, und zwar in so starkem Maße, daß auch dtie stärkere Zunahme in den früheren Jahren, von 1830 ab, keinen Ausgleich schaffen kann. Während die gesamte Bevölkerung Hollands in der Periode von 1830 bis 1930 mit etwa 200 Prozent zumia'hm, wuchs die Zahl dler Juden lediglich um etwa 140 Prozent. Besonders interessant ist der zweite Abschnitt, der von der Verbreitung der Juden in den einzelnen Provinzen und Ortschaften handelt. Wie in allen Ländern, fällt auch hier der Zug nach der Großstadt auf. Schon im Jahre 1830 wohnte über die Hälfte der holländischen Judenheit in der Provinz Nordholland, also vornehmlich in Amsterdam, während diese Provinz im übrigen nur 16 Prozent dler Gesamtbevölkerung umfaßte. Und auch die übrigen Großstädte, vor allem Den Haag und Rotterdam, damit dtie Provinz Südholland, sind seit jeher bevorzugt, während die übrigen Provinzen seit 1830 in absolutem Sinne - vielfach, in relativem Sinne, d. h. gemessen in Prozenten der jüdischen Gesamtbevölkerung, durchgängig ■

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