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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1936-08-01 · 15 (1.8.1936) · p. Seite 331

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
12 (1936)
Issue
15 (1.8.1936)
Date
1936-08-01
Page
Seite 331 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 15 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 331 tigsten Ergebnisse der Tagung aus dem Kreis der deutschen Delegation stammen. Bevor hierüber berichtet wird, wollen wir gemeinsam dem äußeren Ablauf der Veranstaltung folgen, die, umrahmt von schon traditionellen gesellschaftlichen Veranstaltungen, mit großer Liebe von den englischen Führern des religiös-liberalen Judentums, vor allem Lily Montagu, Claude Montefiore und Rabbi Mattuck vorbereitet war. Am Freitagnachmittag wurden informierende Arbeitsberichte aus den verschiedenen Bezirken entgegengenommen. Die Schwierigkeiten der Anfangsarbeiten entnahm man den Berichten aus' Bombay und Melbourne. Hier knüpfen sich Hoffnungen an die Berufung des bisher in Berlin amtierenden Rabbiners Hermann Sänger. Sehr hoffnungsfreudig sind die Mitteilungen aus Amsterdam und Johannisburg, wo zum Teil unter Mitwirkung deutscher Einwanderer eine Intensivierung des liberalen Gemeindelebens erfolgt; es wird von dem religiösen Bedürfnis der Jugend und der Schwierigkeit der Heranziehung Erwachsener berichtet. In Johannisburg wird in diesem Jahr eine liberale Synagoge eröffnet, die für 1200 Besucher Platz bietet. Baur (Paris) hebt das stärkere Andachtsbedürfnis der dortigen Jugend hervor, vielleicht wirkt sein Vorbild — er bezeichnet sich selbst (oder sagte dies der chairman Mattuck?) als den jüngsten Parneß. Interessant, aber widerspruchsvoll waren die Berichte aus Amerika. Dieses dem deutschen religiösen Liberalismus so - entfernte Reformjudentum berichtet durch einige Rabbiner über eine zuvor von dem Leiter der Berliner Jüdischen. Reformgemeinde für seinen Kreis abgelehnte .„Rückwärtsrevision": In einzelnen Gemeinden wird die Freitagabendfeier wieder eingeführt, zum erstenmal wurde in diesem Jahr Schofar geblasen, jüdische Melodien verdrängen moderne Kompositionen, allerdings wird auch die Hatikwah in den Gottesdienst eingeführt. „Mehr Herz" wird, wie ein Redner sagte, in diesen Gottesdienst gebracht. Für die deutschen Vertreter spricht Heinrich Stern (Berlin), er überreicht der Ehrensekretärin der World Union eine Dankadresse, Lily Montagu dankt mit Worten selbstloser Ergebenheit in ihre Arbeit für die jüdische Religion. Paula Ollendorff (Breslau) spricht besonders warme mahnende Worte an die Frauen und Mädchen für die religiöse Eheschließung. Gebete umrahmen diese Einführungsveranstaltung der World Union. Am Schabbat ist Festgottesdienst in der West-London Synagoge. Ohne Vorbeter wird der Gottesdienst nur durch die Rabbiner und den ausgezeichneten Chor durchgeführt. Die Festpredigt hält mit fast südländischem Temperament Rabbi Gordon (St. Louis, U.S.A.). Er. ermahnt zu würdigem selbstbewußten Leben des jüdischen Menschen. Am Schabbat Nachmittag leitet Rabbiner Dr. Seligmann (Frankfurt a. M.) den ersten Oneg-Schabbat auf englischem Boden. Er erklärt die von Bialik für Palästina geschaffene nach Deutschland übernommene Feier der „Sabbat-Wonne" in der hierzulande üblichen Form und Ausgestaltung. Er bezeichnet den Oneg-Schabbat als eine Neuschöpfung des liberalen Judentums. Der äußere Rahmen der 10. Tagung der World Union gibt diesem Oneg eine besondere Note. Nach dem gemeinsamen Gesang des Schir-haamalaus gibt Dr. Seligmann eine Erklärung aus den Pirke-Owaus. es" folgt der ein wenig konzertmäßige Vortrag hebräischer und jüdischer Gesänge (Schirchassidim, Elijahu-naawi), dann spricht Rabbiner Dr. Dienemann (Offenbach) über die Ergebnisse und Erlebnisse auf seiner Palästinareise, die er für die Worldunion unternommen hat Nach einer plastischen Darstellung der religiösen Situation in Erez berichtet er von den Ansätzen und Möglichkeiten für religiös-liberales Judentum im heiligen Lande. Haifa, Tel- Aviv und Jerusalem sind Ausgangspunkte, in denen in Palästina, teilweise unter tätiger Förderung eingewanderter Rabbiner aus Deutschland, notwendige aussichtsreiche Arbeit zu leisten ist. Dr. Dienemanns Bericht, der zu großen Hoffnungen für die religiös-liberale Bewegung berechtigt, rief spontanen Beifall hervor. Er führte zu der Zusage einer materiellen Unterstützung fortschrittlich-religiöser Arbeit in Palästina. Der Sonntag der Tagung war einer Round-Table-Konferenz gewidmet, welche der Aussprache über das Thema „Autorität und Freiheit im fortschrittlichen Judentum" galt. Die einleitenden Referate hielten die Rabbinen Dr. Dienemanh (Offenbach) und Dr. Gordon (St. Louis). Der Fragestellung ging eine Anregung der jüdischen Jugend in Deutschland voraus, für den BAMBERGEN HERTZ Die zuverlässigen Kleiderfachleute religiösen Liberalismus die Frage der Bindung an gewisse Richtlinien oder Minimalforderungen einer Erörterung vor diesem Gremium zu unterziehen. Gordon versuchte in seinem Referat aufzuzeigen, daß eine Gegensätzlichkeit zwischen traditionellem und fortschrittlichem Judentum nicht zu bestehen brauche, da beide in der Vergangenheit fußen. Abraham Geiger habe für den religiösen Liberalismus bereits darauf hingewiesen, daß dieser einem Baum gleiche, der wachsen könne bis in den grenzenlosen Himmel, Wurzel schlagend in die Tradition. „Die Vergangenheit gehört zu uns, aber wir gehören nicht zur Vergangenheit." „Israel muß sich erstrecken von der Vergangenheit über die Gegenwart in die weit entfernte Zu¬ Zukunft." Dienemann versuchte gewisse Anhaltspunkte für eine Autorität auch im religiösen Liberalismus herauszuarbeiten. Der Offenbarungsglauben, der Glauben an die göttliche Autorität bilde die Grundlage der jüdischen Gemeinschaft. Ein religiöses Gemeinschaftsleben ist ohne Autorität nicht denkbar. Durch den Individualismus habe sich in der vergangenen Zeit ein unkontrollierbarer Subjektivismus auf religiösem Gebiet ergeben, gegen den eine Schranke errichtet werden müsse. Auf sittlichem Gebiet würde die Grenze der Willkür vom einzelnen anerkannt. Um aber auch auf kultischem Gebiet zu Verbindlichkeiten zu gelangen, schlug Dr. Dienemann einen Katalog von Forderungen vor, deren allmähliche Innehaltung zu verlangen sei. Wir erwähnen hier nur das tägliche Gebet als Ausdruck des geschichtsbewußten Juden, Feier des Sabbat, des Pessach- und des Chanukkahfestes, Teilnahme am Gemeindegottesdienst, nicht nur „Frömmigkeit in den vier Wänden", Lernen als Maßstab für das eigene Urteil, Sozialarbeit als Ausdruck gottergebner Frömmigkeit. Die Aussprache über die beiden Referate wurden überwiegend von den Teilnehmern aus Deutschland bestritten. Es zeigte sich hierbei, daß Dienemann zwar eine Diskussionsgrundlage gegeben hatte, daß aber der Durchsetzung seiner Vorschläge, die sich teilweise auf die Richtlinien des Liberalen Rabbinerverbandes in Deutschland aus dem Jahre 1912 stützten, der Boden erst bereitet werden muß. Insbesondere scheint die Zeit für die Vorbereitung eines von ihm angeregten modernen Synhedrions noch nicht reif zu sein. Einige deutsche Redner sprachen von einem „Miniatur-Schulchan Aruch", den der Referent vorgeschlagen habe, diese Bemerkung machte sich auch ein ameri- Maiersche Papierhandlung Rudolf Stern Karlstraße 8, Ecke Barerstraße - Telephon 57624 Spielkarten Füllhalter Fachgeschäft für Papier- und Bürobedarf

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