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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1936-08-01 · 15 (1.8.1936) · p. Seite 327

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
12 (1936)
Issue
15 (1.8.1936)
Date
1936-08-01
Page
Seite 327 (sequence 1)
Language
German
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iftoycnfdjc JIfcDclüifdjc (Bemcmucjcihing SadpfegfenM^^ unö 6t$ Ütetfamtiel ^oyettfrfjcc Iftaelftijtf)et (BemrinÖen Erscheint am 1. u. 15. ieden Monats.—Verlag: B.Heller, München, Plinganserstr. 64. Fernruf 73 6 65. Postscheck München 39 87, Herausgeber: Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Bezugspreis RM. —.60 pro Vierteljahr, RM. 2.40 für das Jahr. Anzeigenpreis: Geschäftsanzeigen nach aufliegendem Tarif. Kleine Anzeigen und Stellenmarkt ermäßigter Sondertarif. XII. Jahrgang München, 1. August 1936 Nummer 15 Inhalt: Segen an das Volk — Verheißung des Volksreichtums und der Erhöhung nach Schmach und Schande — Richard Beer-Hofmann — Religiös-Liberales Judentum in der Welt — Aus der Gemeinde München — Aus bayerischen Gemeinden — Aus dem Reiche — Jüdischer Kulturbund in Bayern, Ortsgruppe München — Jüdischer Turn- und Sportverein München e. V. „Jtus" — Makkabi München (Jüdischer Turn- und Sportverein) — Bücherschau — Personalia. Seg en an das Volk Von Ch. N. B i a l i k. Übersetzt und erläutert von Dr. M o r d e ch a j Ehrenkranz. Das berühmte Gedicht, das im Folgenden im Urtext und in wortgetreuer Übersetzung mit Erläuterungen wiedergegeben ist, bedeutet den Gruß, den Bialik im Jahre 1894 an die unter schwersten Verhältnissen arbeitenden Pioniere des Aufbaues in Erez Israel richtete. Eine schwere Krise war über die wenigen vor kurzem entstandenen Kolonien hereingebrochen. Bialik erblickte aber die größere Gefahr in der seelischen als in der wirtschaftlichen Krise. Die Gefahr einer Verzweifelung durch die sich auf tuende Kluft zwischen dem Erstrebtem und Erreichtem auf der einen Seite, der Unterschätzung der Kleinarbeit sowie des Verkennens der Größe des Momentes und der Zersplitterung der Kräfte auf der andern Seite. Da greift der Dichter das Wort des Propheten Zecharjah (8, 9) auf, welches in einer ähnlichen Situation, beim Beginn des Aufbaues in der Zeit Esras gesprochen wurde. „Stark sein mögen euere Hände" wird zum Leitmotiv dieses Gedichtes, welches vor Verzagen und Versagen warnt, welches Trost und Mahnung, Segen und Ruf zugleich ist. Fast keine der so oft gehörten, gegen die Betätigung am Aufbau Palästinas erhobenen Einwände bleiben hier unbeantwortet. Man könne doch kein seit Jahrtausenden verwahrlostes Land in so kurzer Zeit aufbauen, wie es nötig wäre, um wirkliche Abhilfe der Judennot zu schaffen; oder, die Kräfte dieses kleinen Volkes seien viel zu gering, um an ein solches Kolo-. nisationswerk erfolgreich heranzutreten, zumal es über solche Machtmittel nicht verfügt, mittels welcher Völker zu kolonisieren pflegten; oder, wenn noch so viele Kolonien in Palästina entständen, die endgültige Lösung des Problems, die vollkommene Erlösung, könnte doch nicht durch kleines Menschenwerk erstehen. Die Antworten auf diese Fragen sind seit jeher sehr verschieden ausgefallen, angefangen von einer radikalen Verneinung dieses Werkes bis zur Forderung nach Eroberung durch eine jüdische Legion. Auch die Antwort Bialiks finden wir in diesem Gedichte. Er gibt zwar zu,, daß die wahre Erlösung Israels erst durch „göttliche Stimmen" erfolgen werde, wie es die Propheten geschaut hatten, jedoch verneint er ein rein passives, abwartendes Verhalten. Die Propheten sprachen vom messianischen Zion, wohin die Juden allen andern in Frieden vbranziehen, wo alle Völker ihre Schwerter zu Spaten umschmieden werden. Aber der Weg zwischen uns und Zion ist lang und wir Juden müssen ihn als erste beschreiten, müssen als erste „Spaten machen", um durch friedliche Arbeit den Weg nach jenem Zion zu bahnen. Darum nennt Bialik diesen Weg den „Weg Gottes", der erst den Sinn der Ghaluziut ausmacht, wie er sich darüber an anderer Stelle geäußert hat: der Weg der Ghaluziut ist der der Rückkehr, welcher vor der Erlösung beschritten werden muß. Darum erhält jede Anstrengung bei diesem Werke den WTert eines heiligen Opfers und darum die Gewißheit, daß „das Antlitz des Herrn Jakobs im Kampfe voranzieht". Bei dieser Betrachtungsweise müssen alle Einwände verblassen. Es ist nicht mehr Sache Einzelner, dieses Werk zu vollbringen, ebensowenig wie es mit Machtmitteln zu erkämpfen ist, wohl aber ist es Pflicht jedes Juden, in Erkenntnis dieser Aufgabe nach seinen Kräften mitzuwirken, um so dem Ziele der Erlösung vom Volk durch das Land näher zu kommen. Freilich ist es keine Antwort eines Realpolitikers, vielmehr eines Gläubigen, der jüdische Gegenwart noch biblisch erlebt. Und so ist auch seine Sprache, Wort und Gleichnis stammen aus jener Sphäre. Darum sind die Dichtungen Bialiks so urhebräisch und bedürfen eines Kommentars wie die Bibel selbst.

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