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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1936-07-15 · 14 (15.7.1936) · p. Seite 308

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
12 (1936)
Issue
14 (15.7.1936)
Date
1936-07-15
Page
Seite 308 (sequence 2)
Language
German
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308 Bayerische Israelitische Gemeiridezcitung Nr. 14 Gott sagte: Die Tora selber wird kommen und wider Israel zeugen. Sogleich kam die Tora herbei, um wider Israel zu zeugen. Awraham sprach zu ihr: Meine Tochter, kommst du wider sie zu zeugen, wider Israel, daß sie deine Gebote übertreten haben und hast keine Scham vor mir? Gedenke doch des Tags, als Gott mit dir herumging zu jedem Volk und jeder Sprache und keines dich annehmen wollte, bis meine Kinder an den Berg Sinai kamen, dich annahmen und dich ehrten! Und jetzt kommst du am Tag ihrer Bedrängnis wider sie zu zeugen? Als die Tora diese Worte hörte, trat sie zur Seite und zeugte nicht wider sie. Nun sprach der Heilige gelobt sei er zu Awraham: Die zweiundzwanzig Buchstaben werden kommen und wider Israel zeugen. Alsbald kamen die zweiundzwanzig Buchstaben. Es kam das Aleph, um wider Israel zu zeugen, daß es die Weisung übertreten habe. Awraham sprach zu ihm: Aleph! Du bist das erste aller Zeichen und bist gekommen, wider Israel am Tage seiner Bedrängnis zu zeugen! Gedenke des Tags, als der Heilige gelobt sei er sich auf dem Berg Sinai offenbarte und mit dir begann (II M.20,2): Anochi ICH bin dein Gott! Kein Volk und keine Sprache hat dich angenommen, nur meine Kinder. Und du bist gekommen, gegen meine Kinder zu zeugen? Alsbald stellte das Aleph sich zur Seite und zeugte nicht wider sie. Kam das Bet, wider sie, wider Israel zu zeugen. Awraham sprach zu ihm: Bist du, meine Tochter, gekommen, wider meine Kinder zu zeugen, die so sorgsam sind um die fünf Bücher der Weisung? Du, die du zu Häupten der Weisung stehst? Denn so hebt sie an (I M. 1,1): Bereschit, Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Alsbald stellte das Bet sich zur Seite und wollte für nichts Zeuge sein. Kam das Gimmel wider Israel zu zeugen. Awraham sprach zu ihm: Gimmel, bist du gekommen, wider meine Kinder zu zeugen, daß sie die Weisung übertreten haben? Gibt es außer meinen Kindern sonst ein Volk, das das Gebot der Schaufäden hält, dem du zu Häupten stehst (V M. 22, 12): Gedilim, Schnüre mache dir an die vier Zipfel deiner Umhüllung in die du dich hüllst. Alsbald stellte das Gimmel sich zur Seite und wollte für nichts Zeuge sein. Als nun all die Buchstaben sahen, wie Awraham diese zum Schweigen gebracht hatte, schämten sie sich, sie standen von selbst still und zeugten nicht wider Israel. Und nun begann Awraham vor dem Heiligen gelobt sei er und sprach: Herr der Welt: Als ich hundert Jahre alt war, schenktest Du mir einen Sohn und als er zum Denken herangereift war und siebenunddreißig Jahre alt wurde, da sprachst Du zu mir: Bring ihn mir zum Opfer! Und ich machte mich hart und grausam gegen ihn, hatte kein Erbarmen mit ihm, sondern ich selbst band ihn; und Du, Du willst mir dessen nicht gedenken und Dich meiner Kinder nicht erbarmen? Jetzt hob Jizchak an und sprach: Herr der Welt! Als der Vater zu mir sagte (I M. 22,8): Gott ersieht sich das Lamm zum Opfer, mein Sohn da widerstrebte ich deinem Geheiß nicht, ließ mich freudigen Herzens auf den Altar binden und streckte meinen Hals dem Messer hin. Und Du willst mir dessen jetzt nicht gedenken und Dich meiner Kinder nicht erbarmen? Darauf begann Jaakob! Herr der Welt hielt ich nicht zwanzig Jahre im Hause Labans stand? Und als ich aus seinem Hause fortging, da stieß Essaw, der Ruchlose, auf mich und gedachte meine Kinder zu töten, ich aber setzte mich selbst dem Tode aus um ihretwillen. Nun sind sie in die Hand ihrer Redaktionsschluß und Schlug der Anzeigenannahme. Da die nächste Nummer bereits am Z7./28. Juli erscheint, wird die Einsendung aller für die Gern eindezeitung vom 1 .August bestimmten Ankündigungen, Mitteilungen und Anzeigen aller Art bis spätestens Mittwoch, den 22. Juli erbeten. Schriftleitung und Verlag. Feinde gegeben gleich Schafen, die man zum Schlachten führt, nachdem ich sie wie Küken großgezogen und um sie alle Kümmernisse der Erziehung geduldet habe; denn die Mehrzahl meiner Tage war ich in großem Kummer um sie. Und jetzt willst Du mir dessen nicht gedenken und Dich meiner Kinder nicht erbarmen? Danach begann Mosche und sprach: Herr der Welt! War ich nicht ein treuer Hirte für Israel, vierzig Jahre lang, und lief ich nicht vor ihm in der Wüste her gleich einem Roß? Als aber die Zeit kam, daß sie in das Land einziehen durften, da verhängtest Du über mich, daß meine Gebeine in der Wüste fallen sollten. Und nun, da sie in die Verbannung gehen sollen, schickst Du um mich, daß ich über sie klage und weine, gemäß dem Sprichwort, das die Menschen haben: Am Guten meines Herrn habe in kein Anteil, an seinem Argen aber habe ich mein Teil. In dieser Stunde sprach Mosche zu Jirmejahu: Geh du vor mir her, daß ich gehe und zu ihnen gelange und sehe, wer seine Hand auf sie legt. Jirmejahu sagte zu ihm: Man kann den Weg nicht begehen, denn er ist voll von Erschlagenen, Mosche sagte aber: Trotzdem! So ging denn Mosche und Jirmejahu ging vor ihm her, bis sie an die Stromarme Babylons kamen. Da sahen die Verbannten ihn und sprachen zueinander: Amrams Sohn ist aus seinem Grabe heraufgekommen, um uns aus der Hand unserer Feinde zu befreien. Eine Stimme von oben erscholl da aber und sprach: Unabänderliches Urteil ists, das von mir ergangen ist. Sogleich redete Mosche zu ihnen: Meine Kinder! Es ist nicht möglich, euch jetzt zurückzuführen, denn schon ist das Urteil verhängt; aber bald kommt die Zeit, da euch Gott heimführt. Dann verließ er sie; sie aber weinten mit lauter Stimme, und ihr Weinen stieg zu des Himmels Höhen auf, das ists, was geschrieben steht (Ps. 137, 1): An den Stromarmen Babylons dort saßen wir, und wir weinten. Als Mosche nun zu den Vätern der Welt kam, da fragten sie ihn: Was haben die Feinde unseren Kindern getan? Er antwortete: Die einen haben sie erschlagen, anderen haben sie die- Hände auf den Rücken gebunden, manche sind mit eisernen Ketten gefesselt, andere sind nackt ausgezogen worden, manche sind auf dem Wege gestorben, und ihre Leichname liegen da zum Fraß für die Vögel des Himmels und die Tiere des Feldes, wieder andere liegen in der Sonnenglut hingestreckt, von Hunger und Durst gequält. Da hüben sie alle zu weinen und zu klagen an: Wehe! Was ist über unsere Kinder gekommen! Wie Waisen seid ihr geworden, die keinen Vater mehr haben. In der Mittagsglut des Sommers müßt ihr liegen ohne Gewand und ohne Decke! Ach, über Berge und Spitze Kiesel müßt ihr gehen ohne Schuh, ohne Sandale. Beladen ward ihr mit schweren Lasten von Sand die Hände hat man euch auf den Rücken gebunden, nicht einmal den Speichel in eurem Munde konntet ihr hinunterwürgen! Kein Gemeindemitglied ohne die blaue Karte für Hilfe und Aufbau

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