Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 13 (1.7.1936)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- Seite 300 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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300 Bayerische Israelitische Gemeindeaedtung Nr. 13 Und nun dieMutterHeines! Sie ist lebhaft fürdie Ihren besorgt, geistvoll, hochgebildet, liebenswürdig, rationalistisch, beeindruckt gleichwohl weniger als der Sohn, der im Verschweigen seines Leidens der Mutter gegenüber seine große Liebe zu ihr erweist und durch die Gedichte, welche im Buche wiedergegeben sind, ihr als Mutter ein herrliches Denkmal gesetzt hat. Von Jüdischkeit kann freilich hier keine Rede sein, wo Rousseau offenbar die Thora verdrängt hat. Amalie Beer, die Mutter Meyerbeers, hingegen lernen wir als die Nur-Mutter, die richtig-jüdische Mutter kennen, deren Judentum sich auch besonders stark in ihrer ausgedehnten und anonymen Wohltätigkeit offenbart. Und nun — man beachte, wie abwechslungsreich die Beispiele gewählt sind — zu Jeanette H e r z 1, der Mutter Theodor Herzls, die ihren Sohn mit Wissen und Bildung überreich ausrüstete. Die Wirkung der Mütterlichkeit von Jeanette Herzl spiegelt sich am besten in der Zärtlichkeit des Sohnes, der ihre dichterische Veranlagung, ihren satirischen Geist, ihre Sensibilität dankbar in sich aufnahm. Und nun noch zur MutterWältherRathenaus, zu Mathilde Rathenau, dieser ganz eigenartigen, aristokratischen Mutter, die durch ihren Geist, ihre Willenskraft, ihre Leidenschaftlichkeit auf ihren Sohn von Einfluß war. Seine Zerrissenheit stammte wohl zum Teil auch von der Mutter her, mehr aber sicher vom Vater, vom ganzen Milieu, das erfüllt war von glühendem deutschem Patriotismus, in dem aber das Judentum keinen Raum mehr fand. Zu hehrster Verklärung aber aller Mütterlichkeit und zur Bekundung wahrhaft jüdischethischer Kraft schwang sich Mathilde Rathenau auf, als sie über sich brachte, dem Mörder ihres Sohnes zu verzeihen. All dies läßt sich dem Buche ..Jüdische Mütter" entnehmen nebst einer Menge anziehender Details* Das reizvolle erste Kapitel ist „die jüdische Mutter" betitelt. Es ist wie auch das Schlußkapitel „Die Mutter der Zwölftausend" und die Lebensbilder von Mathilde Rathenau und der Glückel von Hameln von LeoHirsch verfaßt, während sämtiche übrigenLebensbilder von Egon Jacobsohn stammen. Ergreifend wirkt „Die Mutter der Zwölftausend", wie sie vor dem Kolnidregebet die Sabbatkerzen entzündet, den Segen spendend, dann das große Jahrzeitlicht mit einer goldnen Flamme krönt, wie sie die Hände hebt. „Sie legte sie wie auf die Stirnen von Unsichtbaren und segnete ihre Gefallenen, 'segnete und segnete, als wüchsen immer mehr Söhne, die unsichtbaren toten Stirnen aller gefallenen Söhne der Erde ihr zu. Hier mündet die durch Massenleid mitleidverklärte Mütterlichkeit in die höchste und reinste Region zu Gott erhobenen Menschentums ein. M. Kr. Geschäftliches Herr Dipl.-Ing. M. E. Fulda, Heizungsanlagen, Nibelungenstr. 14, empfiehlt sich für die Ausführung von Heizungsanlagen aller Systeme, sowie für Reparaturarbeiten. S. Inserat! Reguläre Expreß u. 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