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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1936-06-15 · 6 (15.6.1936) · p. Seite 18

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1936
Issue
6 (15.6.1936)
Date
1936-06-15
Page
Seite 18 (sequence 3)
Language
German
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18 Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern Nr. 6 Wir nehmen an, daß dieser Sonderdruck im der nächstem Zeit in die Bände aller Lehrer kommt und fügen hier dahier nur einige •wesentliche Änderungen! gegenüber dein bisherigen Lehrziel «der Volksschule ani 1. Der eigentliche Geschichtsunterricht beginnt im 5. Schuljahre. Vom zweiten Sctoiijahre an sind als Edinlftihrung in die Vergangenheit deutsche Märchen, vom 'dritten am unter Anknüpfung am diie Heimat deutsche Sagen zu behandeln. Die 'Heldensagen, dnsbesondere die Siegfriedsage und d'de Gudrunsage, werden vorwiegend d'em Deutschunterricht zugewiesen. ,2. Gleichzeitig mit denn Beginln des Geschichtsimterrichts ist am Erdfcundeunterrdcht ein einfacher Überblick über dfie Ranmgestalt des deutschen Volksbodens iund des Deutschen Reiches zu geben. Die Schüler sollen' -die wichtigsten Gebirgszüge, Flüsse und Meere im Bereiche des deutschen Volksbodens sehien lernen und sich allmählich einprägen. Im 6. Schiulüaihre tritt 'die Kenntnis dler heutigen Grelnlzen des Reiches und der abgetrennten Gebiete hinzu. Bis zum Ende des 7. Schuljahres müssen die Schüler durch den erdkundlichen und geschichtlichen Unterricht soweit gefördert sein, daß sie folgende Räume und! Grenzen klar unterscheiden können: a) Mitteleuropa als den Raum, der unter starkem deutschen Kultureinfluß geschaffen wurde, mit seinen Grenzen, b) den deutschen Volksbodtenl als den Siedlungsberedch dies deutschen Volkes, •c) die deutsche Reichs- und Wehrgrenze, wobei jene Grenzen, die bis zum Versailler Diktat Freundgrenszen waren', besonders zu 'betonen sind. Von der Reform im höheren Schulwesen Anläßlich der FrühdahrsschulUnlg der Erzieher in München führte Staatsrat Dr. Boeppie bei der Entwicklung seines Planes zur Schulreform' naoh Zeitungsberichten ,u. a. folgendes aus: Die starke, zwingen d e Erzdeherpersö n I dchke.it sei der Kernpunkt des ganzen Erziehungswesens Deshalb werde es-Aufgabe des Staates sein, in allererster Linde eine vorzügliche Lehrerschaft heranzubilden. Diese Aufgabe stehe im V o rde r g rar nid., der Erfolg werde nicht ausbleiben; trotzdem oder geraidie deshalb könne aber auch mit dem alten Schulsystem .nlicht mehr weitergearbeitet werden. Was das V oi 1 k s s c h ,u 1 w e s e n anlange, so könne ruhig ausgesprochen werden, daß es sich in einem v er.hiältnismäßig erträglichen Zustande befinde; was hier noch zu geschehen habe, beziehe sich auf sachliche Erfordernisse. Dagegen sei es höchste Zeit im höheren Schulwesen Wandel zu schaffen. Die Reform stehe hier u>n mi 11 e 1 b a r b e v o r. Es sei ja auch Unmöglich, daß Deutschland noch ungefähr 2 5 verschiedene Typen des höheren Schulwesens halbe und daß auch heute noch nicht 'die mittelalterliche Klosterschule, die reine Lernschule, überwunden sei. Er habe folgende Ziele iür die Reform aufgestellt: Die Schule sei kein Ding an sich, kein Selbstzweck, sondern halbe den jungen Menschen so zu formen, daß er zu einem Höchstmaß an Leistung für die Volksgemeinschaft befähigt werde. Der Schüler müsse neben der wissenschaftlichen Unterrichtung körperlich gestählt und charakterlich erzogen werden. Es sei auf Turnen', Spiel, Sport und Wandern erheblich mehr Zeit zuverwenden als bisher. Öde erzieherische, Charakter bildend e Seite, die bisher wenig beachtet und gegen die geradezu offen gesündigt worden sei, sei ein wesentlicher Bestandteil der Erziehung. Die Schule halbe ihr ihr Hauptaugenmerk zui schenken^ Das letzte Ziel sei, den Schüler, der 'im allgemeinen mit sechs Jahren als univerbogener, natürlicher Mensch in die Schule komme, am Schluß täs&r Schulzeit ebenso frisch, natürlich und in seinen Grundanlageni unverkümmert und instinktsicher in den Lebenskampf zu entlassen. Das wesentliche Erfordernis jeder Erziehung die Vermittlung von Kenntnissen und Fähigkeiten, dürfe niieht stiefmütterlich behandelt werden. Gründliche Keninitnisse seien heute mehr als je von höchster Bedeutung im Kaimpf ums 'Dasein. Hier gelte es, Altes, Ü to e r 1 e b t e s und Erstarrtes über B'OTid zui werfen, um Lebensnaihem, Jugendfrischemi Platz zu> machen. Das Ziel der höheren Schule 9eL der gut beobachtende, klar vergleichende und damit zum Urteilen befähigte Schüler. Der Lehrstoff müsse der Erkenntnisifähigkeit des Schülers angepaßt sein. Es dürfe nicht zn früh mit abstraktem Unterrichtsstoff eingesetzt werden. Unverstandenes Wortwissen sei; eine unnötige Energdeausgabe. Unsere Jugend habe aber keine Kräfte zu vergeuden. Das mechanische Anlernen unverstandenen Stoffes züchte Scheinwissen und damit Unwahrhaftigkeit, Oberflächlichkeit dm Denken und Arbedteni Scheinwissen hindere eigenes Urteilen und lege die Dnlergde lahm. Das seien die Forderungen, die in dler zur Einführung kommenden zwölf'j ährigen Schulzeit Beachtung finden müssen. Es sei eine Frage, ob der Fremdsprachenunterricht wie bisher weite rge trieben werde. Als erste F r e in d - spräche eigne sich das E n g läse h e am besten. Auif Latein könne nicht verzichtet werden', es solle aber auf die Oberstufe beschränkt bleiben. Empfehlenswert sei dfie freie Wahl von Griechisch oder einer zweiten lebenden Sprache. Der neue Plan werde ermöglichen, daß dler Schüler von jedem Ort des Reiches ohne Zeitiund Geldivenlust umgeschult und auch jeder begabte Schüler des flachem Landes über diie Aufbauschule ohne weiteres auch in die normale höhere Schute übergehen könne.!'„.!' Eine restlose Beseitigung des humanistischen Gymnasiums sei vorerst nicht beabsichtigt. Der neue Schultyp, den man „Deutsche Oberschule" nennen könne, soll mit dem humanistischen Gymnasium in Wettbewerb treten. Wenn es sich herausstelle, daß der neue Schultyp in allen Fällen das gewünschte Erziehungs- und Unterrichtsziel erreiche, dann könne man daran denken, das Wunschziel einer einzigen Art von höherer Schule zu verwirklichen. Vereinsmitteilungen 1. Vor einigen Wochen verstarb in Hamburg, wo er seit 1886 tätig war, unser Vereinsmitglied Lehrer Jakob Liehtenstädter im Alter voini 75 Jahren. Unseren älteren Kollegen wird der Verstorbene als Lehrer der Präparandenschule Burgpreppach, wo er von 1883 'bis 1886 wirkte, im guter Erinnerung sein. Unserem Vereine hielt er auch in Halmburg die Treue. Stets war er ein vonbildlicher, eifriger Mitarbeiter und lieber Kollege. Wir werden Ihm ein treues Gedenken bewahren. Leider haben wir auch den Heimgang von Frau Eisemann, Würzburg, der Witwe unseres Kollegen, des Volksschullehrers Salomon Eisemann s. A., zuletzt aktiv in Westheim bei Hammelburg, zu beklagen. Ehre ihrem Andenken! •21. Neuaufnahmen: Adolf Gu'tmanni, Aschaffenburg; Dr. Emmi Hausdorff, Nürnberg; Jakob Hohenemser, München; Dr. Marianne Schmidt, Nürnberg; Wilhelm Stern, München; Gustav Trepp, München; 3. Aus dem Vereine ausgeschieden: Michael BerMnger, Aschaffenburg; Alexander Gutmann, Würzburg; Heinz Heller-Adler, Königshofen. 4. Vereinsbeitrag: Wir machen unsere Kolliegen erneut und eindringlich darauf aufmerksam, daß der Vereinsbeitrag schon am 1. Januar fällig war, daß aber, wenn er ratenweise gezahlt wird, die i2l Rate aim 1. Juli zu entrichten ist. Wir bitten die Kollegen ihrer Beitragspflicht pünktlich nachzukommen, damit auch der Verein lin der Lage ist, seine Aufgaben zui erfüllen. München,, den 10. Juni .1936. M. Rosenfeld. M. Adler. Für den Inhalt der „Mitteilungen" verantwortlich: Max Adler, München

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