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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1936-06-15 · 12 (15.6.1936) · p. Seite 263

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
12 (1936)
Issue
12 (15.6.1936)
Date
1936-06-15
Page
Seite 263 (sequence 1)
Language
German
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Ifroyccifdjc Jfcnditifdjc 6cmemÖc5citung Ho^tirfjtenfrlottöec^^ unö fle$ ÜtetöanÖetf ^nyccifrfjec 3(tadMfrf)et (BsmemÖen Erscheint am 1. u. 15. Jeden Monats.—Verlag: B.Heller, München, Bezugspreis RM. —.60 pro Vierteljahr, RM. 2.40 für das Jahr. Plinganserstr. 64. Fernruf 73 6 65. Postscheck München 39 87, Anzeigenpreis: Geschäftsanzeigen nach aufliegendem Tarif. Herausgeber: Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Kleine Anzeigen und Stellenmarkt ermäßigter Sondertarif. XII. Jahrgang München, 15. Juni 1936 Nummer 12 Inhalt: Die wirtschaftlichen Grundlagen des Araberproblems — Vom Untergang der Kunst des Lesens und über die Philosophie der Halbgebildeten — Jüdische Erlebnisbücher und Lebensbeschreibungen — Aus der Gemeinde München — Aus bayerischen Gemeinden — Aus dem Reiche — Jüd. Kulturbund in Bayern Ortsgruppe München — Jüdischer Turnu. Sportverein — Makkabi München (Jüd. Turnu. Sportverein) — Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen des Verbandes Bayer. Israel. Gemeinden: Bekanntmachung über Wahlen zum Rat; hier Wahl der Vertreter der Gemeinden — Personalia Die wirtschaftlichen Grundlagen des Araberproblems Aus „Chaim Arlosoroff Leben und Werk". Der auf so tragische Weise vor drei Jahren ums Leben gekommene Verfasser Chaim Arlosoroff, war der Typus der neuen jüdischen Generation, aus Deutschland kommend, erfüllt mit den Vorstellungen der modernen Zeit, von innerer Leidenschaft beseelt, tatkräftig und für die besonderen jüdischen Aufgaben vorgeschult und erhärtet. Die soeben im Hechaluz-Verlag, Berlin-(1936), erschienene Auswahl seiner Schriften. Reden, Tagebücher und Briefe (Auswahl aus der sechsbändigen hebräischen Ausgabe) gibt ein gutes Bild seines Wirkens und seiner Ideen. Wir drucken daraus einen Abschnitt über das Araberproblem (unter Weglassung statistischer Daten des Jahres 1930) im Auszug ab. Eine ausführliche Besprechung des bedeutenden Werkes, das wir angelegentlich empfehlen, folgt. Es ist wichtig, daß wir uns einen richtigen Begriff vom Wesen jener antizionistischen Kräfte machen, die wir als „arabisches Volk" oder als „arabischer Jischuw" zu bezeichnen pflegen. Zu diesem Zweck ist eine klare Analyse der verschiedenen Gruppierungen, ihrer gegenseitigen Beziehungen und von ihrem Verhältnis zur feudalen Gesellschaft, in der sie leben, notwendig. Folgende Gruppen sind zu unterscheiden: Großgrundbesitzer, Dorfscheichs, Priester der verschiedenen Religionen, Vertreter der freien Berufe( Rechtsanwälte, Ärzte, Beamte), Beduinen, Stadt- und Landarbeiter, Kleinpächter und Herdenbesitzer. Die größte Gruppe unter den Arabern stellen die Fellachen, Landarbeiter und Pächter dar. Nach der Zählung vom Jahre 1922 bilden sie annähernd 55 Prozent des arabischen Jischuw. Ihnen müssen auch viele Bewohner der kleinen Städtchen zugerechnet werden, die sich von der Bewirtschaftung der in der Umgegend liegenden Parzellen ernähren. Man kann ruhig behaupten, daß die ökonomische Lage und das Lebensniveau der Mehrzahl der Fellachen, die eigene oder gepachtete Parzellen bewirtschaften, zwischen Armut und völliger Besitzlosigkeit schwanken. Die beiden wesentlichsten Faktoren, die diesen Zustand verursachen, sind der Effendi und der Geldverleiher (Wucherer). Der Effendi verpachtet seinen Boden an Fellachen — meist durch einen Vermittler, mitunter aber auch ohne ihn. Entsprechend der Qualität des Bodens beträgt der Pachtzins 20—30 Prozent des Ertrages. Wenn der Fellache kein Saatgut besitzt und auf das des Effendi angewiesen ist, muß er manchmal bis zu 50 Prozent seines Einkommens für die Pacht abgeben. Hätte der Fellache eigene Bodenparzellen und wäre er nicht gezwungen, Schulden aufzunehmen, könnte er knapp sein Auskommen finden. Da er aber 20 Prozent seines Ertrages dem Bodenbesitzer und dem Wucherer abtreten muß, ist es sehr fraglich, ob dem Großteil der Felllachen dann noch das zum Lebensunterhalt Notwendige bleibt. Eine zweite Gruppe im arabischen Jischuw stellen die Lohnarbeiter dar. Diese Schicht setzt sich hauptsächlich aus ungelernten Arbeitern, wie Lastträgern, Hafenarbeitern — besonders in den Hafenstädten — und auch aus ungelernten Arbeitern in verschiedenen Werkstätten, wie in Druckereien, beim Bau, in Schneidereien usw. zusammen. Der größte Teil der Lohnarbeiter in der Landwirtschaft sind Saisonarbeiter, hauptsächlich Arbeiter in der Pflanzungszone, Fellachen, die ihre Familie verlassen und sich in jüdischen Plantagen verdingen, um ihre Einkünfte zu verbessern. Die Beduinen, die die dritte Gruppe im arabischen Jischuw bilden, sind wandernde oder halbnomadische Hirtenstämme. Ihre Böden liegen im Süden, Osten und Nordosten des Landes. Die Lebensweise des Beduinen ist die eines Schaf- und Kamelzüchters. Er wohnt im Zelt, wandert durch die Wüste, und manchmal, besonders im Frühling, wenn das Wasser spärlicher wird, läßt er sich an den Grenzen des besiedelten Landes nieder und tauscht den Ertrag seiner Viehzucht (Kamele, Schafe, Ziegen, Pferde), Wolle und Felle gegen Getreide, Zucker, öl, Tabak, Eßwaren, Waffen, Wollwaren usw. Abgesehen von dem romantischen Anblick, den sie bieten, sind die Beduinen sehr arm. Außer Milch und Fleisch, die ihnen ihre Schafe und Kamele liefern, und Schaffellen, die sie als Kleidung tragen, haben sie noch verschiedene Arten getrockneter Früchte, die sie aus der Wüste mitbringen, und einige wenige andere Waren, die sie auf den Märkten an den Landesgrenzen kaufen. In einer völlig anderen Situation als die Fellachen, Arbeiter und Beduinen befinden sich die Gruppen, welche die Oberschicht des arabischen Jischuw im Lande bilden: die Großgrundbesitzer, der Klerus und die freien Berufe und Beamten. An der Spitze dieser kleinen Minderheit, die im arabischen Jischuw herrscht, stehen heute die Effendis, die Großgrundbesitzer. Viele dieser Effendis und Latifundienbesitzer wohnen in den Städten des Landes oder im Auslande (Paris, Kairo, Beirut) und leben von der Pacht. Ihr Einkommen ermöglicht

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