Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 11 (1.6.1936)
- Date
- 1936-06-01
- Page
- Seite 254 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2727810-2728050-2728061--10671-2744037- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
254 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 11 Levinger Zigarren haben ihre Stammkunden! S. LEVINGER, Bayerstr. 21 im Hoiel Rheinischer Hof Gegr. 1886 Fernsprecher 54897 Nächste Abfahrten nach Palästina. Die hiesige Vertretung der PALESTINE EXPRESS CO. im Reisebüro Carl Bierschenk Nach!., Karlsplatz 3, gibt folgende Abfahrten nach Palästina für die nächsten vier Wochen ab Triest und Genua bekannt: ab Triest ab Genua Dampfer GALILEA 3.6. — TEL AVIV 5.6. — MARCO POLO 6.6. — GERUSALEMME 10.6. — PALESTINA 12.6. — ESPERIA — 13.6. GALILEA 17.6. — TEL AVIV 19.6. — MARCO POLO 20.6. — GERUSALEMME 24.6. — PALESTINA 26.6. — ESPERIA — 27.6. Aus bayerischen Gemeinden Israelitische Kultusgemeinde Augsburg. Die Bibliotheksleitung teilt mit: Von Mittwoch, den 6. Mai, an findet der Austausch der Bücher unserer Gemeindebibliothek nur noch nachmittags zwischen 4 und 6 Uhr statt. Die Zeitungen und Zeitschriften liegen von nun an in den Morgenstunden im Jugendzimmer (Erdgeschoß), in den Nachmittagsstunden aber wie bisher im Bibliothekszimmer zur Einsicht auf. Abschied von einem Gotteshaus. In der Synagoge zu Harburg fand am Erev Rosch Chodescli „Siwan" die Abschiedsfeier in Verbindung mit einem Jörn Kippur Koton-Gottesdienst statt. Die Gemeinde Harburg, ehedem eine der bedeutendsten in Schwaben, ist bis auf fünf Mitglieder zusammengeschrumpft. Schon lange hat in der altehrwürdigen Synagoge ein Minj'an nicht mehr stattgefunden. Die Gemeinde wird demnächst, entsprechend den Bestimmungen der Verbandssatzungen, förmlich aufgelöst werden. Die Kultusgemeinde Nördlingen wird ihr Gebiet auf das Gebiet von Harburg erstrecken. Zur Abschiedsfeier hatten sich zu den wenigen in Harburg noch ansässigen Juden zahlreiche ehemalige Mitglieder und Freunde der Kultusgemeinde Harburg von auswärts gesellt. Lehrer Strauß (Nördlingen) legte seinen zu Herzen gehenden Ausführungen Worte des Psalm 102 zugrunde. Die im Jahre 1754 erbaute Synagoge ist eine Sehenswürdigkeit. Die Besichtigung wird bei jedem Besucher Harburgs einen unvergeßlichen Eindruck hinterlassen. M. SILBEttTHAC & CO. KAUFINGERSTBASSE lO Das Haus für hübsche Geschenke in Uhren Schmuck Silberwaren Kultusgeräte Bamberg. Die Konzession für den gesamten Wirtschaftsbetrieb der neueröffneten Gaststätte „W e i ß e Taube" hat der Jüdische Turn- und Sportverein Bamberg erworben. Für die Wirtschaftsführung in dem der Israelitischen Gemeindeverwaltung zu Eigentum gehörigen sehr geräumigen Gebäudekomplex stehen verschiedene, geschmackvoll hergerichtete Räumlichkeiten und außerdem ein besonders großer schattiger Wirtschaftsgarten zur Verfügung. Die Geschäftsführung des getrennt gehaltenen rituellen Speise-Restaurants ist an Frau Laura Mondschein, die der Cafe-Wirtschaft Herrn Albert Schloßheimer übertragen. Der Besuch der mit großen Mühen und geldlichen Opfern errichteten Gaststätten wird bestens empfohlen. Ansbach. Herr Kommerzienrat Ludwig Dietenhöfer siedelte am 20. Mai 1936 von seiner Heimatgemeinde Ansbach nach Nürnberg über und legte sein Amt als erster Vorsitzender der Gemeinde Ansbach nieder. Sein Ausscheiden aus der Gemeinde bedeutet einen großen Verlust für uns. Verstand es doch Herr Kommerzienrat Dietenhöfer sein verantwortungsvolles Amt nahezu 25 Jahre zur vollsten Zufriedenheit seiner Gemeinde in geradezu vorbildlicher Weise zu versehen. Aus Anlaß seines Ausscheidens fand am Samstag, 16. Mai 1936, vormittags feierlicher Schlußgottesdienst statt. Herr Rabbiner Dr. Münk hielt eine Predigt, in deren Verlauf er vom Wochendoppelabschnitt ausging und auf Vers 2 Kap. 27 4. Buch Moses zurückgriff. Er schilderte in tiefgründigen Worten das Schaffen und Wirken des Herrn Kommerzienrat Dietenhöfer für seine Gemeinde und gestaltete dadurch den Gottesdienst zu einer weihevollen Stunde. Sonntag, 17. Mai, fand dann noch im gemeindlichen Sitzungssaal eine besondere Abschiedsfeier statt. Der stellvertretende Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Justizrat Frankenburger, schilderte in markigen und treffenden Worten, was Herr Dietenhöfer in seiner mehr als 33jährigen Tätigkeit für seine Gemeinde geleistet hat und welche Erfolge seiner aufopfernden Arbeitskraft, seiner Entschlossenheit und Tatkraft zu danken waren. Nach ihm wies Herr Leo Steiner auf seine wirtschaftlichen Verdienste, namentlich auch den Einbau des Gemeindezimmers in den Hauptbau der Synagoge, die Instandsetzung der Synagoge, Erweiterung der Friedhofanlage und Ankauf von Gründstücken hin. Herr Dr. Loevy sprach als Vertreter des R.J.F. und Herr Lehrer Neuberger für die Schuljugend. Herr Rabbiner Dr. Münk rühmte namens der von ihm vertretenen Bezirksgemeinden in treffenden Worten, welch segensreiche Tätigkeit Herr Kommerzienrat Dietenhöfer für die Gemeinden des Bezirks im bayerischen Gemeindeverband und im Rat entfaltete, und was für die vielen Gemeinden auf die Initiative des Herrn Dietenhöfer hin erreicht wurde. In seinem Schlußwort stattete der Versammlungsleiter den herzlichsten Dank der Gemeindeangehörigen ab und überreichte ein s;nnvolles Geschenk der Gemeinde. Kaiserslautern. Am Sonntag, 17. Mai, nachm. 6 Uhr, fand in der Synagoge eine religiöse Weihestunde statt. Nach einleitenden Orgelspiel (Herr Dr. Walter Rheinheimer) und Chorgesang" (Laadonoj hoorez) mit Solo des Herrn Kantor Kornfeld ergriff Herr Synagogenvorstand Strauß aus Bad-Dürkheim das Wort zu seinem Vortrag: „Die Stellung des Judentums im Laufe der Zeiten zur körperlichen Arbeit, insbesondere zu Handwerk und Ackerbau." Unter Angabe zahlreicher Belegstellen wies er nach, daß bei den Propheten, in der nachbiblischen Zeit, nach den Bestimmungen des Talmuds und auch im neueren hebräischen Schrifttum die Wertschätzung der körperlichen Arbeit immer wieder zutage tritt und daß Handwerk -.und Ackerbau den Juden, die ursprünglich ein reines Bauernvolk waren, als die Grundlage der menschlichen Betätigung erschien. Er ging darauf ein, daß das Mittelalter durch Ghetto und Gesetzgebung den Juden den Zugang zu Berufen mit körperlicher Arbeit verschloß, daß aber trotzdem der Sinn für solche Betätigung nicht völlig schwand. Denn sofort nach dem Fallen der Ghettomauern wandten sich zahlreiche Juden dem Ackerbau und dem Handwerk zu. Er erwähnte hier besonders den Zentralverband der jüdischen Handwerker in Deutschland. Zum Schluß richtete der Redner einen warmen Appell an die zahlreich Erschienenen, der ausklang in der Mahnung zur Pflichterfüllung und zum Gottvertrauen. Mit Chorgesang (Halleluja) und Orgelspiel schloß die erhebende Feier, die bei allen Beteiligten nachhaltige Wirkung hinterließ. Dr. Blüthe.