Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 10 (15.5.1936)
- Date
- 1936-05-15
- Page
- Seite 229 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Jiiil. Kulturbund in Bayern Ortsgruppe lUftuclien Miffeilung an unsere Mitglieder Die Mairate als letzte Rate des Jahresbeitrags ist fällig und wird bei denjenigen Mitgliedern, welche sie nicht bis 15. Mai an der Kulturbundkasse entrichtet haben, mit einem Unkostenaufschlag von 30 Pfg. durch den Kassier eingehoben. Wer nach dem Besuch des Kassiers die Rate an der Kulturbundkasse einzahlen will, hat dort den gleichen Aufschlag zu entrichten. Die letzten Veranstaltungen der Spielzeit 1935/36 siehe nächste Seite. Die Eintrittskarten für diese Veranstaltungen liegen bereits auf. Wer die Abholung zu lange aufschiebt, kann nicht erwarten, Plätze nach seinen Wünschen zu erhalten. Die beiden Juniveranstaltungen gelten als Ersatz für die im Februar ausgefallenen Darbietungen. Der Besuch der Juniveranstaltungen ist unentgeltlich für alle Mitglieder, welche die Mairate des Jahresbeitrags entrichtet haben. Für die Abwechsler sind Zusatzkarten zum Preise von RM. 1.— erhältlich. Abschied von den Stalten der allen Heimat Ich bin durchaus nicht rückwärts gewandt, ich gehöre, obwohl ich mich nicht mehr zu den Jungen zählen darf, nicht zu den Menschen, die immer auf das schauen, was gewesen ist, voll von Sentimentalitäten, die so leicht jede Entschlußkraft lähmen können. Gewiß, wir hoffen, daß eine Zukunft vor uns liegt, die für uns und unsere Kinder die einzig richtige ist, und darum gehen wir leicht und freudig diesen Weg, von dem wir wissen, daß er schwer sein wird. Aber vorher wollte ich noch einmal die Stätten sehen, die mir in den langen Jahren und Jahrzehnten meines Werdens die Prägung gegeben haben, ich wollte sie mit meinen Augen sehen, die nun in diesen Jahren andere geworden sind. So machte ich eine Frühlingsfahrt — die letzte durch Deutschland — wie ich sie als junger Student so oft unternahm, gewillt zu vergessen, daß sich so vieles seitdem verändert hat und daß „canities morosa", traurige Kahlheit, an Stelle der Pracht der Locken getreten ist. „Und drücken mich die Sorgen und wird mirs drauß' zu kahl, geb ich dem Roß die Sporen und reit ins Neckartal." Es gibt Orte, die, wenn man sie einige Jahre nicht gesehen hat, im Tempo der Zeit ihr Antlitz so verändert haben, daß nur der Name geblieben ist, und es gibt Orte, in denen die Zeit still steht. Mag sein, daß draußen die Vororte von Heidelberg sich mächtig entwickelt haben' — noch aber spannt die alte Brücke ihren Bogen über den Strom, noch ist der Blick von der Scheffelterrasse der gleiche über das Meer rotbrauner Dächer. Noch immer steht Scheffel da oben mit dem Mantel über dem Arm, als wollte er eben einen Marsch durch Odenwald und Neckarbergland antreten. Ich habe an jenem Tage des Wiedersehens mit keinem Menschen gesprochen, sicher sind die Menschen ändere geworden, •aber die Steine blieben dieselben, und mit ihnen wollte ich stumme Zwiesprache halten, sie waren die besten Gesprächspartner. Ich saß an der Stelle, wo der schon alternde Goethe mit Marianne' von Willemer so oft gewesen war, und ich dachte über die Stadt hinträumend darüber nach, was Goethe mir gewesen ist, wie ich immer und stets, auch in den kritischsten Augenblicken meines Lebens, in seinen Worten Aufrichtung, Mut und Vertrauen gefunden habe: „Die Welt ist nicht aus Brei und Mus geschaffen, drum haltet euch nicht wie Schlaraffen. Harte Bissen gibt es zu kauen. — Wir müssen erwürgen oder sie verdauen." Wie oft habe ich mir in den drei letzten Jahren, als ich manchmal müde werden wollte, dieses Wort gesagt', und es »hat mir immer geholfen. Die Bibel, Goethe, Dante — unvergleichliche Begleiter auf diesem gewiß oft nicht leichten Wege. Wegbegleiter auch in die neue Heimat. Und da stehe ich vor dem Bau, den einst der Pfalzgraf Ott- Heinrich aufführen ließ. War er es nicht, von dem hieß: „Ott-Heinrich, der Pfalzgraf am Rheine, der sagte ein's Tages hemhem, was soll'n mir die sauren Weine. Ich zieh nach Jerusalem. Nun, lieber Pfalzgraf, es sind nicht gerade die sauren Weine, die mich veranlassen, nach Jerusalem zu ziehen, sondern die alte tiefe Sehnsucht, die mir im Blute liegt, aber ich freue mich, daß mit diesem Wort auch ein Stückchen Alt-Heidelberg mitkommt. — Diese Pfalzgrafen in dem schönen heiteren Lande haben sich das Leben nicht allzu schwer gemacht. Man kann von ihnen lernen. Und als das alte Schloß in Trümmern ging, hat es verstanden, in Schönheit zu sterben und Tausenden noch als Ruine Hoffnung zu spenden. — Frühling ist es, im Blütenschnee liegt die Landschaft. „Und kommt aus lindem Süden Der Frühling übers Land so webt er dir aus Blüten ein schimmernd Brautgewand." Boris Schwarz spielt am 21. Mai im Symphoniekonzert des Kulturbundorchesters München das Violinkonzert von Beethoven