Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 9 (1.5.1936)
- Date
- 1936-05-01
- Page
- Seite 211 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 "Öäy^risclie Israelitische Gemeindezeitung 211 Heymann Steinthal (1824—1899) und Moritz.Lazarus (1824 bis 1903) und dem ^Herausgeber der Deutschen Rundschau Julius Rodenberg (1831—1914) sind in dieser Periode nur zwei Kaufleute mit ihren Memoiren vertreten: der aus Straußberg gebürtige Berliner Aron Hirsch Heymann (1803—1880) und der in Preßburg geborene Wiener Fabrikant Sigmund Mayer (183.1 bis 1920). Im kleinen Detail der Schilderung des Alltags von über 200 Jahren jüdischen Lebens in deutschen Landen soll in dem Buch vor dem Leser die Zeit erkennbar werden, die auch viele andere so denken und handeln ließ, wie diejenigen, die ihre Erinnerungen hinterlassen haben. Es ist versucht worden, die Bereiche dieses Lebens mit einer gewissen inneren Vollständigkeit, aber mit strenger Beschränkung auf seinen eigentlich jüdischen Teil zu zeigen. Theoderich, König der Ostgoten, von Marcel Brion. 360 Textseiten und 16 Bildseiten in Kupfertiefdruck mit zwei. Karten. Preis Ganzleinen RM. 6.80. Societäts^Verlag; Frankfurt a. M. 1936. Die Geschichte der Juden unter Theoderich, dem großen Vorläufer des abendländisch-deutschen Kaisertums (vgl. Graetz Bd. V, 2. Kap. u. Dubnow Bd.TV, § 3), wird nur verständlich und lebendig, wenn es gelingt, uns ein allgemeines plastisches Bild der unendlich verworrenen Epoche zu machen. Nicht nur die politische Form des Imperium Romanum, sondern das ganze antike Lebensgefühl unterlag damals dem doppelten Ansturm des Christentums und der jungen germanischen Welt. Man muß Jordanes, Gregor von Tours, Cassiodor und die berühmten Darstellungen der Epoche in unseren neueren Weltgeschichten lesen, um Menschen und Zustände von damals kennen zu lernen. Marcel Brion bietet in seinem. Buch über Theoderich keine historische Belletristik, er schreibt Geschichte in einer anschaulicheren Art, als es sonst Gelehrte mit schwerem Rüstzeug zu tun pflegen. Unter den Führergestalten der Völkerwanderung nimmt Theoderich, der König der Ostgoten, eine m jeder Hinsieht-besondere und hervorragende Stellung ein. In der Verwirrung jener Mitte des ersten nachchristlichen Jahrtausends, die an der Grenze zwischen Antike und Mittelalter das Alte gestürzt und das Neue erst im schmerzvollen Werden sah, steht seine Persönlichkeit fest, groß und klar. Es-ist'das Verdienst des französischen Historikers Brion, daß er die Beschreibung dieses Lebens und seines äußerert Ablaufs mit Klarheit in die geistigen Bewegungen und Zusammenhänge seiner Zeit hineinstellt. Und es ergibt sich, daß die Probleme, die den glanzvollen und abenteuerlichen Aufstieg des kleinen gotischen Stammesfürsten zum Herrscher des Abendlandes begleiten, von einer erstaunlichen Aktualität sind. Es sind die gleichen Probleme von Nation und Rasse, von Macht.und Geist, von. Staat und Reich, von Ideal und Wirklichkeit, die dann durch eineinhalb Jahrtausende Glück und Tragik Europas bestimmen. Unter sorgfältiger Heranziehung aller Quellen, mit allen Mitteln psychologischer Einfühlung und gründlicher Kenntnisse hat Brion hier ein modernes Lebensbild geschaffen, das aus dem buntbewegten Hintergrund der Völkerwanderung in plastischer Anschaulichkeit und Frische hervortritt. Der Umschwung gegen Theoderich und die Goten im Verlauf ihrer glänzenden Laufbahn wurde erst sichtbar anläßlich einer Revolte gegen die Juden in Ravenna. Dort verbreitete sich das Gerücht, die in der Stadt ziemlich zahlreichen Juden hätten die christlichen Sakramente verspottet (Brion S. 318 f.). Die jüdischen Kaufläden in Ravenna wurden geplündert, die Banken beraubt, die Synagogen angezündet. Die Ordnungsmaßregeln Theoderichs entfachten den ganzen schwälenden Unmut der Römer gegen ihn. Uber Italien ging das Gerücht: Theoderich verkaufte Italien an die Juden! Er habe das Getreide aufgekauft, um das Volk auszuhungern. Die unwahrscheinlichsten Levinger Zigarren '■ haben ihre Stammkunden! 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