Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 7 (1.4.1936)
- Date
- 1936-04-01
- Page
- Seite 148 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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148 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 7 Zionistischer Gruppenverbandsfag für Bayern Im Turnsaal der Jüdischen Volksschule in Nürnberg versammelten sich vor Kurzem zum erstenmal seit der vor fast einem Jahr erfolgten Gründung des Zionistischen Gruppenverbandes für Bayern, die Vertreter der in Bayern bestehenden sieben zionistischen Ortsgruppen, zwei Arbeitsgemeinschaften und 31 Stützpunkte des KKL und der ZVfD zu einer Tagung unter der Leitung von Dr. J. Bamberger (Nürnberg). Die Referate und Beratungen behandelten vor allem Fragen der Galutharbeit, der Stellung des Zionismus in der Welt und im Reich, worüber Dr. Hans Friedenthal (Berlin) berichtete, ferner die Betätigungsmöglichkeiten in Bayern (Referent: Dr. Hans C a p e 11). Die bisherige Arbeit in Bayern hat nach Dr. Capell ihre besondere Schwierigkeit in der verhältnismäßig großen Zahl schwer erfaßbarer Kleingemeinden und in der geringen Zahl von Großgemeinden (nur 5 mit mehr als 1000 Seelen bei einer jüdischen Gesamtbevölkerung von 38 000). Für notwendig erklärte Dr. Capell verstärkten Kampfesgeist und entschieden-zionistische Haltung^ Der Gruppenverband will mehr als ein Unterbüro sein, er soll ein selbständig wirkender Organismus werden, der auf den verschiedenen Schulungs- und Arbeitsgebieten Eigenes zu schaffen weiß. An Einzelbeispielen erklärte Capell diese Forderung, die er in dem Weizmannwort zusammenfaßte, daß Zionismus keine zwischen Mincha und Maariw zu erledigende, sondern eine den ganzen Menschen beanspruchende Sache sein müsse. Dr. Friedenthal legte dar, daß die Lage der Judenheit in der Gola und vor allem in Erez- Israel zwar keinerlei Panikstimmung, wohl aber ernste Sorge rechtfertige. Nach einer Würdigung des eben seine Arbeit aufnehmenden, vom gesamten, auch dem zionistischen deutschen Judentum begrüßten Council for German Jewry und der Auswanderungsprojekte in Südamerika und -afrika, die leider keine Möglichkeit für Kapitallose darstelle, äußerte sich Friedenthal eingehend zur inneren Lage des Judentums in Deutschland und gab eine Begründung des zionistischen Führungsanspruchs. Die kompromißlose Eindeutigkeit dieser Teile von Friedenthals Referat schien vielen Hörern nicht ausreichend die besonderen Gegebenheiten des süddeutschen Judentums zu berücksichtigen, eine Ansicht, die ihre eingehende und scharfe Darlegung in der anschließenden Aussprache fand. — Vier Kommissionen für KKL-Arbeit, für Zionistische Arbeit, für Gemeindefragen und Tarbuth-Arbeit beschäftigten sich nachmittags mit der Ausarbeitung von Richtlinien für die zukünftige Tätigkeit der Zionisten Bayerns. Verschiedene Resolutionen, u. a. eine, die von den Ortsgruppen den Einsatz für die Schaffung von Makkabi- Vereinen in Bayern forderte, erfuhren dabei ihre Annahme. Hierauf wurde folgende neue Vorstandschaft einstimmig gewählt: Vorsitz und Gemeindefragen: Dr. Bamberger (Nürnberg), Organisation: Dr. Loewenthal (Nürnberg), Kultur: S t o 1 b e r g (Würzburg), Frauenarbeit: Weil (München) und Seiigsberger (Würzburg), Sport: Stein (München), Jugendarbeit: Selig mann, Perl mann (Nürnberg), Lucas (München). Zum Abschluß der Tagung erörterte Dr. Georg Josepht h a 1, der Leiter des deutschen Hechaluz (Berlin) die Frage „Palästina in der Krise?" Bei der Schilderung der gesetzlichen Lage befaßte er sich nicht allein mit dem Legislative Council, sondern auch mit den nicht minder gefährlichen Bodenverkaufsgesetzen, die die Bestrebungen des KKL nach geschlossenen Bodenflächen zu vereiteln drohten. Die wirtschaftliche Lage hat bei dem durch den Abessinienkonflikt beschleunigten Rückgang mancher Auswüchse der Prosperity zu einer häufig reinigenden Kapitalumschichtung geführt. Die Lage auf dem Zitrusmarkt ist nicht mehr so günstig wie vor wenigen Jahren. Trotz stellenweiser Arbeitslosigkeit sind die schlecht bezahlten Arbeitsplätze bei Regierungsarbeiten oft nicht zu besetzen. Durch ein einzigartiges Selbsthilfewerk der palästinensichen Arbeiterschaft konnte die Arbeitslosigkeit bereits wesentlich gemindert werden. Nach einer Schilderung der gegenwärtigen jüdischen Beziehungen zu den Arabern schilderte Dr. Josephthal, wie die nationale Kolonisation in jüngster Zeit in aller Stille Fortschritte macht und der Besitz des KKL um ein Drittel vergrößert werden konnte. Wesentliche Bodenkäufe wurden zwischen Chule und Tel-Chai und um Beth Scham gemacht. Bei allen Schwierigkeiten, die man an der augenblicklichen Lage des palästinensischen Aufbaus erkennen kann und nicht zu leugnen braucht, sind die Erfolge und die Aussichten dennoch so stark, daß eine Krisenstimmung umso weniger gerechtfertigt ist, als die Judenheit mit Nüchternheit und Treue ihre Hilfe und Mitarbeit fortsetzt. — Der Gesang der „Hatikwa" schloß nach dem Uberblick Josephthals die Tagung. H. L. Aus dem Palästina-Film „Land der Verheissung", der demnächst in München gezeigt wird.