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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1936-03-15 · 3 (15.3.1936) · p. Seite 7

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1936
Issue
3 (15.3.1936)
Date
1936-03-15
Page
Seite 7 (sequence 1)
Language
German
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öerlüOtWjm lefjreroemns für flapern Schrif tleitung:.. Max :Adler, München 1936 München, 15. März Nr. 3 , Die Sehreibref drin und der hebräische Unterricht , Van Michael B e r Ii n.ge r, Aschaffenbupg';. ■ Mit dem Beginn--des Schuljahres 1933/34 trat nach den Richtlinien dies bayerischen MtestePioims neben ideT' Umgestaltung des Erstünterrichtes auch: eine 'Änderung.' im. Schreiben<;:und somit in 'der Schrift ein. Gegeini die alte Schreibweise wurden Bedenken^ physiologischer und hygienischer Art erhoben/ Vor allem1 war es der Gebrauch der Spitzfeder, der diese Einwände hervorrief. Das Schreiben mit der Spitzfeder erfordert tatsächlich eine erzwungene unnatürliche Hamdihaitung; bei der 'die beim Kinide noch.'unentwickelte 'Kleinmuskulatur (Muskel der Finger und- -gelenke) stank angestrengt wird. — Vom hygienischen Standpunktaus ist. folgendes einzuwenden. Die in dem; Normaldukdus. Vorgeschriebene'; Schrägrientung der Buchstaben erfordert eine schräge Heftlage. Da die Verbindungslinie der beiden Augen parallel zu den Heftzeilen laufen muß/wird das Kind gezwunigeni, den Kopf und den 'Gr>erkÖTper nach links zu drehen. Auch •will' das „neugierige" Kind den Lauf 'der Federspitze verfolgen urad kommt, da die ganze .Hand die Feder verdeckt, zum Seit-Vorwärts-Beugen des Kopfes: So entstanden Schädigungen der Wirbelsäule. Diese Fehler erkannten schon viele; in der Mitte und am Ende des vorigen Jahrhunderts.. Erst durch 'die fortschreitende Technik' der Federkohstruktion war es möglich, andere Federn herzustellen. . Welche Federn werden nun verwendet? Das ist verschie- ' den je nach Schuljahr und nach der subjektiven Scbreübhaltung des Kmdes. Im- 1. und 2. , Schuljahr werden Federn 'gebraucht, die einen einfachen Schnurzug (gleichmäßiger Schriftzug ohne Druck) ergeben.. Solche Federn sind die '■'piafiten-, .die Pfannen- und die iKugelsTritzfedem (Die Fe- ^derfäbriken haben ja ihre' Muster überall hingeschickt!) Mit den Platten- und Pfannenfedern werden die Sütterlin „Grumabuchstaben"- und später die Sütterlinschrift, die . nach dem seibstgewäMten Aufbau die deutsche oder die lateinische sein kann; geschrieben. Im 3. Schuljahr trittdie Breitfeder am, Aeren Spitze, fläch abgeschnitten ist. Davon gibt es zweierlei Arten, eine'rechtsgeschrägte To-Feder, d. i, wenn der Schnitt von links; oben nach rechts unten,, und eine linksgeschrägte " Ly-Feder,- d.' i. wenn -der' Schnitt von rechts oben nach linss unten verläuft. Beim Gebrauch der Breitfeder" ändert der Schrägschnitt der, Feder (die, Richtung des Federhalters. Kinder, die eine halboffene (dien Handrücken teils nach rechts unld nach oben) oder 'eine, offene Handhabung (den Handrücken .ganz vom Schreiben .abgewandt)- haben, gebrauchen die rechts- -schräge Breitfeden Dagegen' bekommen Kinder mit. geschlossener Handhaltung (Handrücken nach oben), eine. linksschräge .Breitfeder. Kann ein : Kind mit der. neuen -Feder noch nicht brecht umgehen, .so behält es die alte Feder bei. Der Lehrer ■.muß äedes Kind beim Schreiben. beobachten und nachder Handhaltung ...des Kindes...die Feder ,dann anschaffen. lassen. Doch bei den meisten .(Kindern wird die rechtsschräge Feder verwendet werden.. Die Stricbspur dieser. Breitfeder ist der •Band-r .oder Wechselzug, das ist ein einem gewundenen Band gleichender Schriftzug, mit dünnen Aufstrichen und diicken Abstrichen. Jedoch , ist der Druck; nicht absichtlich erzeugt, er entsteht durch die normale Handhabung der Breitfeder. Dadurch, daß beim Schreiben mit der Spitzfeder ein Druck auö- -geübt wurde, traten oft Verkrampfungen der kindlichen Hand ein und die .so berüchtigte .„schwere Hand" war die Folge davon.. Bei all diesen Federn "muß kein Druck ausgeübt werden. Schreibt man. aber bei halboffener und offener Handhaltung mit ..einer linksschrägen Breitfeder, .so. entstehen dicke Waagrechte und Verbindungsstriche und dünne Abstriche. Dasselbe tritt ein. wenn bei geschlossener Handhaltung eine rechtsschräge Feder verwendet -i wird. Damit zur. starke Druckausübung, der kindlichen Hand vermieden wird, (dürfen die Schreibmittel.nicht zu hart sein.: Im 1. Schuljahr kommt daher der weichste Bleistift in Frage, und der Milchgriffel in den .Schulen; die das Schreiben auf der Schiefertafel, noch beibehalten. Auch auf weiche Kreidestitte ist zu achten. Diese allgemeinen Erkenntnisse für den . jüdischen Schreibunlterricht. zu verwerten, das soll hier versucht .werden. Die folgende» Darlegungen beruhen zum Teil auf schulische Erfahrungen, zum anderen Teil sind es Schlußfolgerungen. und „Icühne Behauptungen" für deren? Bestätigung oder auch Wtnder- , tegung auf Grunid ebenso gemachter Erfahrungen ich dankbar wäre. . : In den Religionsscbulen, welche -nach der neuen Methode, wie sie in .diesen Blättern öfters dargestellt wurde, unterrichten, ist einte Angleichung in der Auswahl der Schreibwerkzeuge an dien nichtjüdiseben Schreibunterricht sehr gut möglich. Für die jüdische Volksschule ist das gar keine Frage. Man wird also anfangs, wenn die Schiefertafel noch im Gebrauch ist, mit Milchgriffel, mit weichen Farbenstiften und mit weichem Bleistift schreiben und malen lassen. Als Schritt kommt die Quadrat-Schreibschrift in Frage. Sie entspricht der Gnoß-Antiqua und hat die Vorteile, daß die Buchstabenformen verhältnismäßig einfach sind, da sie sich, wie de r Name schoft sagt, auf ein Quadrat als äußeren Rahmen zurückführen lassen . Auch enthält sie die wesentlichen Elemente der Schreibbewegungen, die Senkrechte, Waagrechte, Schräge, Links¬ und Rechtsrunde. Ein wichtiges Merkmal besteht darin, daß diese 'Schrift zugleich Lese- und Schreibschrift ist. Somit fällt ein häufiger Schriftenwechsel weg. Jedoch als Schreibschrift hat sie den Nachteil, daß sie {kleine Verbindungsstriche zwischen den einzelnen Buchstaben ermöglicht. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß sie nur Konsonantenschrift ist denn die Vokale müssen auch darunter gesetzt werden und so wird der Schreiber 'doppelt aufgehalten. Dennoch ist diese Quadiratschreibsehrift der eigentlichen Schreibschrift in deiro unteren Jahrgängen vorzuziehen. Es wäre aber falsch, zu glauben, daß die Druckschrift, wie sie uns in den Gebets- und anderen Büchern entgegentritt, für das Kind dieselbe Schrift bedeute, wie eben diese Quadrat-Schreibschrift. Selbstverständlich sind die Formen einander ähnlich, einige sogar ganz gleich, aber die dicken Waagrechte unld Rundungen, sowie die Verzierungen, hinterlassen beim Kinde ein anderes Schriftbild. Es wäre - daher zuunterscheiden die Quadrat-Schreibschrift und; die Quadrat-Druckschrift oder kurz Quadtatschrift. Durch Anmalen an die Tafel und durch Aufschablonieren, wie Kollege Berlinger, München, es zeigte, sowie durch immanente Wiederholungen und Übungen am Setzkasten, im Lese-, oder Gebetbuch wird das Druck-Schriftbild sehr bald eingeprägt und die Ähnlichkeit-zwischen den beiden Sohriiten immer, deutlicher'. Nach ..kurzer Zeit ist diese Schwierigkeit behoben. Beim Schreiben'mit Tinte kommt dieselbe Feder in Frajge, :. die im anderen' Sebreibunterricht in "diesem"Schuljahr auch verwendet wird, nämlich die Plätten- oder Pfarmenfeder. Wie oben ^dargestellt, ergibt sie einen' Schnurzug.. Beim . Schreiben der Quadratschreibsebrift könnte - man' leicht 'in Versuchung kommen, die Waagreebte, entsprechend der Druckschrift,;-zu - verdicken und darum aufzudrücken. Dagegen ist anzukäapp- ' fen. denn eine Verkrampfung ider Hand, durch Druckausübung ist zu verhindern». Diese Federn kann man in den erster* 2 oder 3 Schuljahren beibehalten. Sie eignet sich für diese Qüa- . drat-Schreibschrift sehr gut. '{ Mehr Schwierigkeiten bereitet die Heft- und Tafellineatur. . Die Sütterlin-Lineatur scheint mir nicht .vollkommen zu s£in. In den mittleren Linienabstand zu schreiben, ist (für die Anfän- "• ger zu schwer, da die Schrift zu klein wird. Es bleibt daher : . nichts anderes übrig, als die zwei oberen Abstände zu . beschreiben und< so ergibt sich, besonders beim Anbringemi iier Vokale, daß diese Lineatur' sich, nicht gut eignet Dasselbe -gilt für die durchquadrierten Hefte. Beim Schreiben auf unliniertem Block oder auf .der Rückseite der Tafel ist es insoferne '•. bequemer, - als.; die Schüler - selbst eine Ober-. '••ünKl- :Ubfeiäirrie

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