Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 5 (1.3.1936)
- Date
- 1936-03-01
- Page
- Seite 97 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Kuiltusgemeindie München: Bekanntmachung über Mazzoth-Versorgung — Bekanntmachung über Zuteilung einer AussteuerbeihiMe aus der Regina und Wilhelm Bluragart'schen Aussteuerstiftung — Bekanntmachung über Verteilung von Aussteuer- bzw. Mitgiitbeihilfen ans der Joseph Kronheimer'sohen Ausstattunigsstiftung — Bekanntmachumg über Verteilung von Präbenden aus der Jakob und Klara Frommschen Familienstiftung — Personialia. ri Keren Hajessod" Ein Bericht von Michael Traub Auf Einladung der Gemeinde München, des Ortsausschusses München der Jewish-Agency und des „Keren Hajessod", haben sich in diesen Tagen zahlreiche Gemeinde-Mitglieder in der Hauptsynaigoge eingefunden, um in Erinnerung dies löjährigen Bestehens der heute in dien Mittelpunkt unserer Auifoenksaimlkeit gerückten Institution des Keren Hajessod einen Bericht von Dr. Michael Traub über das Aufbauwerk in Palästina anzuhören. Der Gemeindevorsitzende Dr. Alfred Neumeyer bezeichnete in seinen einleitenden Worten die altehrwürdige jüdische Gemeinde und das jung erwachte Palästina als die beiden Kraftquellen unseres heutigen Lebens. Wir alle haben die Pflicht, führte er aus, dem „Keren Hajessod", dem zentralen Finanzfonds für das Aufbauwerk im heiligen Land, unsere tatkräftige Hilfe zu leihen und damit den Fortgang der dortigen landwirtschaftlichen Kolonisation zu fördern. Nur das Leben auf und mit der Scholle kann die Erneuerung unserer Gemeinschaft verbürgen, die einst durch die Naturverbundenheit der Urväter zum klassischen Volk der Religion wurde. Auch in München soll das jüdische Aufbauwerk des Keren Hajessod immer mehr unter uns Wurzel schlagen. Herr Rabbiner Dr. Leo B a e r w a l d wies darauf hin, daß sich vor eineinhalb Jahrzehnten Juidten aller Richtungen zu dem Gemeinschaftswerk des. Keren Hajessod zusammengefunden hätten, als die Notwendigkeit dieser Arbeit noch nicht so augenfällig war wie heute. Schon durch den täglichen Gottesdienst ist der Jude untrennbar mit Zion verknüpft. Die dortige Aufbauarbeit besitzt religiösen Charakter. Die Tora legt uns die Arbeit als heilige Pflicht auf und die Palästinaarbeit ist von besonderer Heiligkeit. Keiner von uns darf sich ihr und dem Keren Hajessod, der die Möglichkeiten zur Kulturarbeit schafft, entziehen. Hoffen wir, daß der Geist religiöser Gesinnung allenthalben das Werk begleite, dessen gutes Ende dann nicht ausbleiben kann. Namens der Zionistischen Ortsgruppe München gab ihr Vor-, sitzender Manfred S t u r m a n n seiner Freude über die Kundgebung und ihren guten Besuch Ausdruck! Auf dem überparteilichen 'Boden des Keren Ba-jessod' if ariden sich bereite vor fünfzehn Jahren Juden aller Richtungen zur brüderlichen Aufbauarbeit zusammen. Gerade weil Erez Israel auf die freiwilligen Opfer jedes Juden angewiesen bleibt und jedes Machtmittels entbehrt, muß sich jeder einzelne, unabhängig von aktuellen Schwankungen im Land, in den Dienst der großen Idee zum Gedeihen des Gemeinschaftswerks stellen. Du und ich, jeder Jude wo immer er lebt, trägt die Verantwortung für binjan haarez — den Aufbau des Landes! Der nun folgende großzügige und überaus eindrucksvolle Bericht von Dr. Michael Traub (Berlin), des Leiters des Keren Hajessod in Deutschland, gab einen gegliederten Uberblick über die Fülle der Probleme und über das bisher Erreichte. Traub ist ein suggestiver, mit jedem Wort fesselnder Redner, eine ungewöhnliche Organisationsgabe und Fähigkeit der Menschenbehandlung verbindet sich bei ihm mit der tieferen, soziologischen Einsicht des echten Gelehrten der Gesellschaftswissenschaft und Statistik. Der Verfasser des auch wissenschaftlich über den Tag hinaus bedeutungsvollen Werkes „Jüdische Wanderbewegungen vor und nach dem Weltkriege" wußte einen schwer zu meisternden Stoff einer größeren Öffentlichkeit klar und interessant zu machen. An die Spitze stellte er die drei großen neuen Realitäten: Die Juden sind mit 30% der palästinensischen Gesamtbevölkerung (vor 15 Jahren erst 11%) ein wirtschaftlicher und geistiger Machtfaktor des Landes geworden; sozialen .und philanthropischen Gesichtspunkten gegenüber muß der immer weiter wachsende Menschenzustrom streng nach dem Wert 'für den organischen Aufbau des Landes gesiebt werden. Die zweite große Realität ist das Interesse Englands an der Länderbrücke Palästina: Der Landweg nach Indien und die Sicherung gerade dieses Wegs über Palästina machen das jüdische Land zum Brennpunkt politischer Interessen Englands im nahen Orient. Dazu kommt als Drittes: Die A r /a b e it f r a g e! Durch die jüdischiei Einwanderung wunde der arabische Wohlstand und allgemeine Standard in ungeahnter Weise gehoben: Kein Araber wurde verdrängt, Löhne und Verdienstmöglichkeiten sind ohne Unterbrechung für den Araber gestiegen; Dr. Traub gab beredte Zahlen. Die neuen Realitäten Palästinas erfordern eine klare Realpolitik und scharfe Zielsetzung. Die Bedeutung des Traub'schen Berichts bestand darin, daß er die aus dien unumstößlichen Tatsachen hervorgehenden ungeheuren Schwierigkeiten eines