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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1936-02-15 · 4 (15.2.1936) · p. Seite 74

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
12 (1936)
Issue
4 (15.2.1936)
Date
1936-02-15
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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74 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 4 Gymnasium und auf Universitäten, er wurde< nicht Rabbiner, sondern Doktor der Philosophie. Im Jahre 1875 wurde er Pravatdozent der semitischen Sprachen an der Universität in Strasburg, später Bibliothekar der dortigen Universitätsbibliothek und Titularprofessor. Er wirkte in diesen Ämtern als einer der vielen hervorragenden Vertreter der deutschen Wissenschaft im Elsaß. So wände er auch im Jahre 1918 als Deutscher aus Haus und -Amt in Straßburg vertrieben, mußte sogar seine Bibliothek zurücklassen undnach Deutschland zurückkehren. Er ließ sich damals mit der Gattin!, die er dann nach wenigen Jahren verlor, in Augsburg nieder. " Die wissenschaftlichen Arbeiten Professor Landauers erstrecken sich auf weite Gebiete der orientalischen Sprachein und sind ihrer Natur nach dmem allgemeinen Publikum kaum zuigängKch. Es sei hier nur das Wichtigste erwähnt: die für die Kenntnis der jüdischein' Philosophie so bedeutsame Ausgabe dfes arabischen Originaltextes von Saadjas „Glauben und Wissen", die «Kataloge der. hebräischen, arabischen', persischen und türkischen- Hand®diir§ften dbr kaiserlichen' Landesbibliothek zu Straßburg und der orientalischen Handschriften der Kanlsruhier Bibliothek, die Mitarbeit an der noch unvollendeten Ausgabe von Firdusi's persischem Heldengedicht „Schähnäme", die Targumstodien, die ihre Bekrönung fanden in einer durch die Not der Zeit leider nooh nicht zum Druck gelangten fertig vorlegenden Ausgabe dfes Prophetentargums und die wichtigen Beiträge, zur Aristotelesforsühung. Diese außerordentlichen wissenschaftlichen Leistungen ließen das Jüdisch-theologische Seminar in Amerika in1 New-York, das ihn am 10. Januar 1935 zum Ehrendoktor der hebräischen Literatur erhob, im der Ehrenurkunde hierüber schreiben): „Sein Leben ist dem Studium und der Vermittlung der jüdischen und orientalischen Beiträge zum Denken der Menschheit gewidmet gewesen. Er ist eine der hervorragendsten Autoritäten der Grammatik der aramäischen ■ Sprache geworden." Ebenso bezeichnete ihn erst vor wenigen Wochen ein deutscher Gelehrter als den Altmeister der Itfaintoulnldle. Es sei auch nichit unerwähnt gelassen!, was das Jüdisch-theologische Seminar für Amerika in folgenden Worten andeutet: „Er ist beständig trotz seines hohen Alters durch seine Korrespondenz eine Quelle der Anregung und Förderung." Denn' Professor Landauer war sein Leiben lang nicht nur «in Büchergelehrter, sondern ein Mann des lebeinldligsten wissensohaftMotoeini Gedankenaustausches. Er wiar Schüler und Freund Nöldekes, der erst vor wenigen Jahren weit über 90 Jahne alt gestorben ist. Er war der Lehrer zahlloser Orientalisten, .die heute über die ganze Welt zerstreut sind utad einst bei ihm studiert haben oder noch jetzt brieflich von 'ihm Rat und Belehrung 'erbitten und empfangen. Die Israelitische Kultusgemeinde Augsburg, das gesamte bayerische und1 deutsche Judentum sindstolz auf Professor Samuel Landauer. Sie vereinigen sich in diesen Tagen mit seinen Kindern und seinen vielen Freunden und Verehrern, die er sich durch sein herzgewinnendes und stets hilfsbereites Wesen geschaffen hat und die 'heute aus ganz Deutschland, wie aus Erez Israel, aus Holland und aus Amerika hierher denken, in dem Wunsche, daß ihm die 120 Jahre unseres Lehrer Mose vergönnt seien, daß aber, auch, weiter von ihm. wie. von jenem gelte; „seine Augen sind nicht erloschen und seine Kraft ist nicht verfallen". Der XXV. zionistische Delegiertentag in Berlin und die Probleme der Judenheit in Deutschland Die Verhandlungen» des 25. Delegiertentages der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, die vom 2. bis in die frühen Morgenstunden des 5. Februar in Berlin tagte, sind nicht nur Angelegenheit einer jüdischen Partei oder Gruppe, worüber ein der Gesamtheit der Judenheit in Deutschland in einem regionalen Abschnitt dienendes Blatt nur eine kurz und kühl registrierende Mitteilung zu bringen hätte. Auf diesem Delegierten^- tag wurden auch die Hauptprobleme des' Judentums in Deutschland in abgemessenen Berichten und Aussprachen behandelt. Der Zionismus mußte aus verschiedenen, oft formulierten Gründen zu einer zentralen jüdischen Sache bei uns werden. Die bekannten weltanschaulichen und politischen jüdischen Richtungen sind historisch geworden und im besten Sinn „wohl erworben". Aber wie es wohl erworbenen Rechten in unseren Zeitläuften so ergeht, ihr Urgrund selbst würde, wie immer in Zeiten schockartiger Erschütterungen, fragwürdig. Bei der Generalrevision stellte sich heraus, daß die Gründe der weltanschaulichen und politischen Gegensätze zwar noch weiter bestehen, daß indes die heute so dringende praktische Arbeit für die äußere und innere Stützung des Judentums, vor allem für seine nötig gewordene Umpflanzung, die Kräfte aller Willigen und Fähigen ohne Rücksicht auf ersessene Führerpositionen erfordert. Die praktische Arbeit der reinen Organisation, der Wohlfahrt, vor allem der religiösen, schulmäßigen und kulturellen Betreuung (weit über die altgewohnten Aufgaben einer Religionsgemeinde hinaus) ist nur zu leisten, wenn die Persönlichkeiten dazu aus dem Gesamtjudentum nach dem Leistungsprinzip, unter Anlegung hoher Maßstäbe, gewählt werden. DanachaHein kann sich Führer- und SteUenanspruch entscheiden. Formeln hiefür, also besonders für die Legitknationsfraige (aus der englischen Sprache, aus dem Kirchen- oder Beamtenibesoldungsreoht) sind von Übel. Positiv und selbstbewußt — für die Mehrung und das Ansehen des jüdischen Naimens — ist in allen Lagern des Judentums in Deutschland auch vor dem Jahr 1933 gearbeitet worden; im übrigen1 haben drei Jahre in vielen Fällen' bei zielbewußten Zionisten und Niieht-Zionisfcen genügt, ihr mehr oder minder schlummerndes Bewußtsein um das Jüdische zu einem hellen Wissensbeginn und' einem starken, auch selbstlosen, nachhaltigen Willen 'zum Judentum zu erwecken, von den Kräften nicht zu sprechen, die, sich schon viel viel früher, ohne Lippenbekenntnis und ohne Parteizugehörigkeit, wissend, forschend und teilnehmend, ohne Amt und allen Anziehungskräften von außen zum Trotz, der jüdischen Sache aktiv verschrieben haben. Die größeren jüdischen Blätter (Rundschau, C.-V.-Zeitang, Familienblatt) haben auf mehrere Nummern verteilte ausführliche Berichte über die bedeutungsvolle Berliner Tagung gebracht; auf diese Berichte, über die Entwicklung in Palästina und die besonderen Aufgaben bei. uns, muß verwiesen werden. Wir veröffentlichen hier lediglich das Resultat, den Aufruf an die Judenheit in Deutschland,womit der 25. Delegiertentag abschloß; der Appell ist ein historisches Dokument, wobei ausdrücklich der dokumentarische Charakter der Kundgebung unterstrichen sei: An die Judenheit in Deutschland Der XXV. Detegiertehtag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland wendet sich mit einem brüderlichen Appell! an die Judenheit dn Deutschland.- Das jüdische Schicksal in einer Zeit historischer Wände und' Wandlung der gesamten jüdischen

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