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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1936-01-15 · 1 (15.1.1936) · p. Seite 25

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1936
Issue
1 (15.1.1936)
Date
1936-01-15
Page
Seite 25 (sequence 1)
Language
German
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IlllitteUtmgen Des Jüüifrtjett Seftremerema für ßapera Schriftleitung: Max Adler, München 1936 München, 15. Januar ■' . .» Nr. 1 Eine Chanukkahveranstaltung der jüdischen Volksschule München Die jüdische Volksschule in München ist dieses Jahr nicht mit einer Chanukikahfeier voll festlichen Gepräges an die Öffentlichkeit getreten; sie bat nur ein schlichtes Fest im engsten Rahmen der Schule selbst gefeiert. Dieses Fest stand ganz im Zeichen 'des jüdischen Gemeinschaf tsgedankens. Dach wurde dieser Gedanke nicht nur durch Wort und Lied verherrlicht, sondern es wurde versucht, durch tätige Arbeit zu seiner Verwirklichung beizutragen und so wurden im Zusammenhang mit unserer Feiier Ghanukkahpakete an jüdische Familien auf das Land geschickt. Diese Art des Feierns und Schenkens bat viel Anklang 'gefunden1; 'deshalb soll das Wesentlichste davon hier mitgeteilt werden. Der Rlan, die Kinder zu sozialer Mitarbeit heranzuziehen, wurde schon bei der Einrichtung der jüdischen; Winterhilfe gefaßt. Damals, im Oktober, versammelte der Leiter der Schule die Schüler undl Schülerinineri, die Großen und die Kleinem in zwei getrennten Gruppen und legte ihnen die Notwendigkeit dar, Armen, Krankein und Bedrückten, zu helfen, und zeigte dann, was Kinder dazu schon beitragen können. Er regte die Mädchen zur Anfertigung warmer Wintersachen an und rief die ganze Schule zu regelmäßigen Pfundsammlungen. auf. Seit diesem Tag herrschte ein reges Leben in der Schule. Bunte Wolle. Schnitt- und Strickmuster für Jacken, Mützen, Handschuhe, Tücher usw. wanderten von Hand zu Hand, und es war eine wahre Freude zu sehen, welche Fülle von brauchbaren, schönen, warmen Wintersachen da in kurzer Zeit entstand und auch die Pfundsamimlung brachte hervorragende Ergebnisse. Selbstverständlich wurde dafür Sorge getragen, daß die sozialen Unterschiede an der Schule selbst durch die Aktion mächt verschärft, sondern im Gegenteil ausgeglichen wurden. Und um nun die Kinder in den wahren Geist einer Arbeit für die Gemeinschaft einzuführen, wurde 'beschlossen, daß die Kinder selbst sich am Schenken beteiligen dürfen und zu diesem Zweck wählte die Schule einen eigenen Weg. Für jüdische Familien auf dem Lande, deren Verhältnisse, ■auch Zahl und Alter der Kinder man kannte, wurden Pakete gerüstet. Die Mädchen der oberen Klassen durften helfen, die Wollsachen der Größe nach au ordnen, die Lebensmittel aus der Dezemiber-Pfundsammlung zu sortieren,* Spielsachen und Bücher, idliie die Kinder mit großer Freude beisteuerten, für das Alter der kleinen Empfänger auszuwählen. Doch was vielleicht die größte Freude bereitete, das war nun, daß sie selbst Briefchen schrieben, die den Paketen beigepackt wurden. Es sollte dadurch eine Brücke geschlagen werden von der Stadt zum Land. Und die Antworten, die jetzt einlaufen, zeigen, daß der Samen auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Die Briefe sind so herzlich, daß man fühlt, daß wirklich Freude gestiftet worden ist und aus vielen spricht auch wirklich das Bedürfnis, mit größeren Gemeinschaften in Fühlung zu treten. Es würde uns freuen, wenn sich auf diese Weise ein Band schlingen ließe von der hiesigen Schule zu anderen. Schulen) und vielleicht zu einzelnen Kindern, die irgendwo einsam und ohne Spielgefährten sind. Wenn wir so dazu 'beitragen, die Kinder einander näher zu bringen und den Gemeinschaftssinn der Jugend zu fördern, so haben wir unseren Zweck erreicht. Zur Veranschaulicbung sollen noch einige Kinderbriefe folgien. 1. Von unserer Schule: Wieder einmal steht Chanukkah, das Fest der Freude, vor der Tür. Es ist. wirklich ein schöner Brauch, sich gegenseitig durch kleine Geschenke das Fest zu verschönern. * Die Piundsammlungen iim Oktober und November wurden der allgemeinen jüdischen Winterhilfe zugeführt. Wir leben hier in der Stadt in einer großen jüdischen Gemeinschaft, in der wir sin eine jüdische Schule gehen, die von über 300 Kindern besucht wird. Ihr lebt dagegen in einer kleinen Gemeinde und kennt die Gemeinschaft noch nicht. So wollen wir Buch durch dieses kleine Geschenk Freude bereiten. Es würde uns sehr freuen, wenn Ihr auch einmal etwas von Euch hören lassen würdet. Im Namen der ganzen 8. Klasse der jüdischen Volksschule München Euer Liebe Charlotte! Wir Kinder der Jüd. Volksschule München widtmen diese Woche ganz der Vorbereitung einer kleinen Chanukkah-Feiier. Ihr Kinder a>uf dem Land werdet Euch auch auf das kommende schöne Fest rüsten. Es wird aber ganz anders sein als bei uns Stadtkindern, weil Ihr so wenig jüdische Kinder seid. Darum-haben wir an Buch gedacht und wollen Euch an unserer Chanukkahifreude teülnehmem lassen. Hoffentlich bereiten Euch die beigelegten Kleinigkeiten viel Freude. Wir würden uns freuen, wenn Ihr uns auch einmal schreiben würdet. Mit dem Wunsche, ein fröhliches Ohanukkah zu feiern, grüßt Euch bestens die 7. Klasse, Jüdische Volksschule München, Herzog-Rüdolf-Straße 1. Liebe Ilse! Nachdem Du meine kleine Namensschwester bist, möchte ich Dir zu den Geschenken ein kleines Briefchen schreiben. Ich will Dir ein gutes Ghanukkabfiest wünschen. Wir hatten voriges Jahr eine Chanukkahfeier, dde zweimal aufgeführt werden mußte. So schön war sie. Heuer machen wir nur eine Schlußfeier. Es werden 'Gedichte aufgesagt und hebräische Lieder gesungen. Ich freue mich schon mächtig auf die Ferien, wie Du liebes Namensschwesterchen sicher auch. Liest Du auch so gerne wie ich? Dafür sende ich Dir zwei Bücher. Auf dem Land gefällt es Dir sicher gut. Manchmal, wenn ich aufs Land darf, will ich gar nicht mehr beim. Hast Du Geschwister? Wenn nicht, dann sieber viele Freundinnen. Ich bin allein und habe weder Bruder noch Schwester. Bitte schreibe mir auch. Hier liegt eine Karte mit Adresse und Namen. Du brauchst nur zu schreiben und die Karte in den Briefkasten stecken. Bitte schreibe auch Deine Adresse, wo Du wohnst und wie Du heißt. Ich weiß nur, daß Du auch eine Ilse bist. Das Paket ist ein Chamukkahgnuß von der jüdischen Volksschule. 2. Antworten: An die Kinder der Israelitischen Volksschule München, Herzog-Rudolf-Straße 5. Es war eine große freudige Überraschung für uns, von Euch zu Chanukkah ein Paket zu erhalten und besonders mit so reichlichen Inhalt. Ich sage Euch allen meinen undl meines Bruders herzlichsten Dank. Wir können alles sehr gut gebrauchen und die Eßwaren lassen wir uns sehr gut schmecken. Ihr habt ja recht, daß wir auf dem Lande, wo nur einige Familien Juden wohnen, von einer Ghanükkahfeier nichts wissen und dies schmerzlich vermissen. An Dich, liebe Ruth, extra herzlichste Grüße. Ebenso senden meine 1. Eltern an die ganze Schule viele Grüße und vielen Dank. An die Schüler der isr. Volksschule Münchenl Mit vielem Dank bestätige ich den Empfang des lb. Pakets. Das war eine Überraschung für mich und' ich freute mich herzlich. Der Dank gehört Euch, ]p. Schülern allen, insbesondere der verehrten Schulleitung. Besonderen Gruß an Thillde, weil sie mich mit ein paar Zeilen und einem Büchlein bedacht hat. Was mich selbst betrifft, geht es imiir gut, nur kann ich leider nicht so springen wie ihr, denn ich muß mit einem Apparat laufen. Ich freue mich, daß die Schule wieder 'beginnt, habe einen netten Lehrer und 63 Mitschüler; ich bin der einzige Jude. Mein großer Bruder hat diese Woche seine Auswanderung angetreten, vielleicht können wir einmal nachkommen. Lieber Manfred, vielleicht treffen wir uns einmal in Erez.

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