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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1936-01-01 · 1 (1.1.1936) · p. Seite 16

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
12 (1936)
Issue
1 (1.1.1936)
Date
1936-01-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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16 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 1 MÖBEL-BALLIN k jetzt Theatlnerstraße 7, Eingang Maffeistr. Billige Preise bei gediegener Qualität JH nach Grundsätzen -der europäischen Sprachen wie sie ■dem Absolventen einer Volksschule geläufig sind. Es ist nur schade, daß dieser Rahmen mitunter durch Definitionen aus der wissenschaftlichen Grammatik unterbrochen wird und dadurch an Deutlichkeit einbüßt. So z. B. die Formulierung des Dagesch Kai, an Stelle einer Erklärung der praktisch nur in Frage kommenden *pa Buchstaben. Auch die Erklärung der Binjanim muß beim Anfänger die irrige Meinung hervorrufen, daß man aus jeder Wurzel Binjanim nach Belieben bilden könne. Dazu gehört auch die Lehre vom Präsens und vom Infinitiv, der dauernd mit. der Wurzel verwechselt wird. Auch die Regel auf Seite 62 hätte ruhig weggelassen werden können. Denn jede Beimischung von historischer Grammatik muß hier störend wirken. Und dennoch sind es nur kleine Fehler, die bei einer zweiten Auflage vermieden werden könnten. Im allge-; meinen ist es für den Anfänger ein sehr nützlicher Behelf, einzig in seiner Art. Dr. M. Ehrenkranz. Gilionot, ... Lesestoff für Schulen, bearbeitet von N. Berggrün... Heft 1, 2, 3 bei R. Maas, Berlin 1935. Für den fortgeschrittenen Anfänger im Hebräischen bieten diese Hefte eine leichte und angenehme Lektüre. Der Lesestoff ist aus jüdischer Vergangenheit und Gegenwart zusammengetragen und in einem guten und verhältnismäßig leichten Stil abgefaßt. Die sorgfältige Ausführung sowie der billige Preis der Hefte machen sie zu einer guten Stütze des Heibräisch-Unterrichtes. Dr. M. Ehrenkranz. Adolf Böhm, Die zionistische Bewegung. Neuausgabe in zwei Bänden. Berlin (Jüd. Verlag) 1935. Dieses seit vielen Jahren vergriffene Standardwerk erscheint jetzt in einer vom Verfasser völlig umgearbeiteten und weitergeführten Neuausgabe im Jüdischen Verlag, B.e r 1 i n W 5 0. Es gelangen zwei Bände zur Ausgabe. Der erste Band, der soeben erschien, behandelt die präzionistische Zeit und die Geschichte des Zionismus bis zum Ende des Weltkrieges.. Auf fast 750 Seiten Lexikon-Format gibt der Verfasser ein umfassendes Bild nicht nur des politischen Zionismus, sondern auch der zionistischen Vorgeschichte, der zionistischen. Geistesgeschichte, der Kolonisationsarbeit in Palästina usw. Bereits die erste Auflage ist als die Geschichte des Zionismus gewürdigt worden. Lebendigkeit der Darstellung, klare-iind übersichtliche Gliederung des riesigen Stoffes und eine:bel aller Objektivität persönliche-Betrachtungsweise vermittelten schon in der ersten Auflage eineinzigartiges Bild der zionistischen Bewegung. Nunmehr ist der Umfang bereits des ersten Bandes auf das Doppelte gestiegen, so daß eigentlich ein vollkommen neues Werk entstanden ist. In seiner heutigen Gestalt ist das Werk nicht nur ein Lehr- und Informationsbuch für Kurse und Selbstunterricht, sondern auch eine Lektüre, die geradezu als spannend bezeichnet worden ist. Der Preis des ersten Bandes beträgt 6.50 RM. für die kartonierte und 9.50 RM. für die GanzleinenrAusgabe. Der zweite Band erscheint im Jahre 1936. Er führt die Darstellung bis zur Gegenwart fort. Jeder Band ist einzeln käuflich. Aron David Bernstein: Mendel Gibbor. Eine Novelle. (Bücherei des Schocken-Verlags Nr. 44. In Pappe gebunden 1.25 RM.) Berlin, Schocken-Verlag, 1935. Nach dem Widerhall, den die Neuausgabe der Novelle „Vögele der Maggid" beim Lesepublikum gefunden hat, wird vom Schocken-Verlag nunmehr auch die andere Bernstein'sche Erzählung aus dem Leben einer Posenschen jüdischen Gemeinde vor hundert Jahren neu herausgebracht. Die Bearbeitung des Textes hat'-.Hans Bach besorgt. Wenn diese Erzählung seit nunmehr drei Generationen immer wieder empfängliche Leser findet, so ist das nicht so sehr in hervorragenden literarischen Qualitäten des Buches begründet, als darin, daß auch sie wie „Vögele .der -Maggid". jene alte....liebenswer.te Welt erstehen. läßt, die wohl eng war, aber noch den seither verloren gegangenen, heute von vielen wieder angestrebten Reichtum innerer Erfülltheit besaß, der ihr aus einem selbstverständlich und innig gelebten Judentum kam. Im Mittelpunkt steht die. Figur eines dörfischen Naturburschen von typisch jüdischer Prägung, der durch mannigfaltige Schwierigkeiten und Hemmungen hindurch schließlich den Weg vom polizeilich verfolgten Hausierer zum Beruf eines Landwirts findet. In diesem Schluß der Geschichte drückt sich die durch Bernstein repräsentierte reformerische Zeitströmung aus. — Bernstein (1812—84) war eine der markanten Figuren der Berliner Reform und Mitbegründer der Berliner Reformgemeinde. 1849 begründete er die „Berliner Volkszeitung", für die er jahrelang die täglichen Leitartikel schrieb. Daneben betätigte er sich —mit dem Aufklärungsoptimismus, der auch in seinen Erzählungen immer wieder durchscheint — als Herausgeber der „Naturwissenschaftlichen Volksschriften", von denen 21 Bände erschienen und in mehrere Sprachen übersetzt worden sind. Die Erzählungen stehen also in Bernsteins Leben nur am Rand und sind vom Verfasser sichtlich nur im Hinblick auf das „happy end" niedergeschrieben worden, das genau den Tendenzen der Reformer entspricht. Zweifellos waren, sie also also Propagandaschriften gemeint. Aber die Tatsachen waren stärker als die Tendenz, und eben die Lebenssphäre, die wohl nur geschildert werden sollte, um so ihre Uberwindung zu lehren, •nimmt den Autor selber gefangen, und gerade ihre warme Darstellung macht uns die Erzählungen heute wieder lesens- und liebenswert. Wege nach Zioh. Reiseberichte und Briefe aus Erez Jißrael in drei Jahrhunderten. Übersetzt und herausgegeben von Kurt Wilhelm. (Bücherei des Schocken-Verlags Nr. 45. In Pappe .gebunden 1.25 RM.) Schocken-Verlag, Berlin 1935. Obschon Palästina im Mittelpunkt des jüdischen Interesses steht, sind die Schicksale seiner jüdischen Siedlung in den langen Jahrhunderten der Diaspora ein unbekanntes Gebiet geblieben. Palästina hat fast ohne Unterbrechung eine jüdische Bevölkerung besessen,- und zu allen Zeiten haben Juden den Weg in das Land gesucht und gefunden, das niemals aufgehört hat, ihnen die Heimat der Erinnerung und der Verheißung zu sein. Seit der Eroberung Palästinas durch die Türken (1517) verdichtete sich der Strom jüdischer Einwanderung, um bis in die Gegenwart nie mehr abzubrechen. Zuerst waren es vorwiegend fromme Einzelne, die den damals noch so schwierigen Weg ins Land gingen, später nahm die Einwanderung immer stärker Gruppencharakter an, bis dann im 19. Jahrhundert die von neuen Gesichtspunkten bestimmte Siedlungsbewegung einsetzte. Die von Kurt Wilhelm gesammelten Berichte gehören der Zeit der Türkenherrschaft an; sie beginnen mit dem Brief eines aus Italien eingewanderten Juden aus dem Jahre 1523, in dem über das Auftreten des Pseudornessias Dawid Reubeni berichtet wird, und reichen (mit einem 1766 verfaßten Schreiben Simon van Gelderns, des merkwürdigen Großoheims Heinrich Heines) bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die denkwürdige Alija der Chassidim und die für das 18. und 19. Jahrhundert typische Einwanderungswelle aschkenasischer Juden sind ihres Eigencharakters wegen einer besonderen Darstellung vorbehalten und daher hier nicht berücksichtigt worden. Wilhelms bunte Auswahl aus einer Fülle verborgener Reisebeschreibungen, aus Briefen und anderen Dokumenten dreier Jahrhunderte will den schlichten Juden Palästinas in seinem Alltag schildern. Zur Charakteristik mögen einige Sätze aus der „Vorbemerkung" des Herausgebers hier ihren Platz finden. „Von drückenden Alltagssorgen reden die Berichte, von trokkenem Brot und einem kärglichen Sabbatmahl, von Krankheiten, Erdbeben, gewaltätigen und geldgierigen Herrschern und von enttäuschten Hoffnungen, die — „wegen unserer großen Sünden" — resigniert hingenommen werden. Wir sehen den Juden von Erez Jißrael in einer ihm fremden Umgebung, wir sehen ihn aus aller Herren Länder kommen; ein vielsprachiges Judengemisch ist Zion, in dem einer den andern kaum versteht. Vor uns steht der gebildete jüdische Kaufmann aus Italien, der in seiner Tradition erstarrte Karäer aus der Krim, der einfältige Torarollenschreiber des polnischen Städtchens und der verzückte Anhänger des heiligen Chassid. Mit rührender Anhänglichkeit wahrt jeder die Erinnerung an die Galut, die seine Heimat war, schreibt an die fernen Lieben und schließt sie in seine innigsten Gebete ein. Die Beschwernisse der Reise vor

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