Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 24 (15.12.1935)
- Date
- 1935-12-15
- Page
- Seite 539 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 2.4 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 539 Textilwaren aller Art preiswert miil gut! -tf""«!«»! I Silberhornstr. Ecke Tegernseer Landstr. Knotenpunkt der Linien 12,15, 25 tlllT lltlll» mitll I lit>lll>l Auswahlsendungen werden bereitwilligst zugesandt und abgeholt. Ortsgruppe München des Isr. Frauenbundes. Der nächste Bibelkurs ist der Ferien wegen vorverlegt und findet Montag, den 16. Dezember 1935, 5 Uhr-nachmittags statt. Palästina-Amt. Das Palästina-Amt teilt mit, daß ab 16. Dezember die Sprechstunden jeweils Montag mit Donnerstag von 4—5.30 Uhr wieder bei Herrn Grünbaum, Theatinerstraße 30, stattfinden. Es wird dringend gebeten, die Sprechstunden genau einzuhalten. Sachliche Auskünfte können telephonisch nicht erteilt werden. Frau Recha Freier in München. Auf Einladung der Frauemarbeitsgemeinschaft für Palästina- Arbeit („Wizo"), Ortsgruppe München, sprach am 4. Dezember im Gemeindesitzungssaal in München die Schöpferin des deutschen Jugendalijah-Werkes Frau Rabbiner Dr. Recha Freier aus Berlin. In dem überfüllten Vortragssaal, in welchem außer den Mitgliedern der Wizo noch eingeladene Gäste erschienen waren, wurde die Referentin herzlich begrüßt. Dem Dank der Wizo für das hervorragende Wirken der Referentin gab Frau Dr. Weil vom Lehrlingsheim Ausdruck. Mit Aufmerksamkeit lauschte die Versammlung den Ausführungen der Vortragenden, welche zuerst die Entstehung der deutschen Jugendalijah schilderte und dann auf die aus der Mitte der Versammlung gestellten Fragen Einzelheiten über Wesen und Wirken dieser segensreichen Institution gab, die es ermöglicht, die jüdische Jugend aus Deutschland im Alter von 15—17 Jahren nach Palästina und dort in geeignete Ausbildungsplätze zu überführen. In ihrer großen Bescheidenheit verschwieg Frau Recha Freier, daß es nur ihrer Initiative zu danken war, wenn die amerikanische Wohltäterin Miß Henriette Szold für die Idee begeistert und zur Verwirklichung derselben gewonnen wurde. Was den Mitgliedern der „Wizo" und darüber hinaus einer größeren jüdischen Öffentlichkeit bekannt war, daß das Wesen der Referentin eine seltene Verbindung von Schlichtheit und Tatkraft darstellt, zeigte sich auch bei dieser Gelegenheit und war im hohen Maße geeignet, der von Frau Freier verkörperten Idee auch hier viele neue Freunde zu erwerben. Großer Erfolg des Münchener Jüdischen Marionetten-Theaters in Nürnberg. Aus Nürnberg wird uns geschrieben: Zu einem glänzenden Erfolg gestaltete sich das Gastspiel des künstlerischen Marionetten-Theaters München, das am 30. November und 1. Dezember hier stattfand. Da die beiden vorgesehenen Vorstellungen sehr rasch ausverkauft waren, mußte noch eine dritte angesetzt werden,, die ebenfalls regsten Besuch aufwies. Die zwei* vur Aufführung gelangenden Singspiele „Das Mädchen von Elizondo" von Offenbach und Haydn's „Ochsenmenuett" errangen . dank ihres Melodienreichtums und vorzüglichen Darstellung durch das Münchener Ensemble den reichsten Beifall des zahlreich erschienenen Publikums, das die Künstler immer und immer wieder vor den Vorhang rief. Das ausgezeichnete Gesangsquartett: Sonja Ziegler, Dr. Reta Loeb, Kammersänger Dr. Paul Kuhn und Opernsänger Walter Rieß, in feinsinniger Weise von Dr. Josef Waldner am Flügel begleitet, wurde dem musikalischen Teil in jeder Weise gerecht; die Figurinnen, wahre kleine Kunstwerke, wurden durch Bildhauer Ernst und Frau, sowie Frl. Marie-Luise Cohn so-lebenswahr und anmutig geleitet, daß man tatsächlich glaubte, Miniaturmenschlein vor sich zu 'haben. Besondere Anerkennung gebührt dem Leiter des Unternehmens, Herrn Bertold Wolff, der mit sicherem Verständnis und selbstloser Hingabe diese reizende. Theatertruppe schuf. Die Mitglieder des Nürnberger Kulturbundes werden noch lange an diese beschwingten und liebenswürdigen Darbietungen denken. . E. D. Eduard Strauß (Frankfurt) über „Religion und Vernunft". Auf Einladung der Münchener Israelitischen Kultusgemeinde und des Ortsringes der Jugendverbände sprach Dr. Eduard Strauß (Frankfurt) vor den Führern und Älteren der Münchener Bünde über „Religion und V e r n u n f t". Trotz der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit konnte der Vortragende die mit diesem Thema verbundenen Fragen in ihrer ganzen Schwere andeuten. Eduard Strauß umriß die religiöse' Vorstellungswelt als den Inbegriff von menschlichen Gedanken über das, was vor und nach unserem Leben in geheimnisvollem Dunkeln liegt. Die Vernunft, deren Vorherrschaft über alle Mysterien schon die jonische Philosophie vor vierundzwanzig Jahrhunderten forderte, hat ihre sehr eng gezogenen Grenzen, die wir heute, trotz der großen und bewundernswerten Ideen Kants und Schleiermachers besonders fühlen. An nichts werden die Grenzen der Vernunft so klar, als an der Szene, die Franz Rosenzweig von Hermann Cohen berichtet: Cohen brach in Tränen aus, als ihn nach einer langen und aufmerksam angehörten Darlegung seines Systems ein kleiner Landjude fragte: „Sehr schön, Herr Professor, und wo bleibt der Baure Aulom?" (der Schöpfer der Welt). Auch die Gefühlsreligion Schleiermachers bleibt nur eine Meinung; sie ist kein praktischer Rat für Suchende,' wenn die Frage nach dem Schöpfer und dem Erlöser gestellt wird. In der Aussprache konnte Eduard Strauß seine Ausführungen, insbesondere über, unsere eigene jüdische Stellung inmitten dieser Probleme, noch näher erklären. Die jugendlichen Hörer, deren Gruß und Dank Hans Lamm zum Ausdruck gebracht hatte, waren mit angespannter Aufmerksamkeit gefolgt. Es ist zu wünschen, daß Herr Dr. Eduard Strauß bald vor einem größeren — nicht nur jugendlichen — Kreis in München wieder zu hören sein wird. Ein neuer Palästinafilm: „Palästina 1935" von Dr. Gidal. Dr. Nachum Gidal, unseren Lesern aus dem Palästina- Kalender, den er illustrierte, und aus vielen Beiträgen bekannt, hat von seiner jüngsten Palästinareise mit der deutschen „Makkabiah" einen Schmalfilm „Palästina 1935" mitgebracht, den er auf der Kundgebung der Münchener ZOG „Palästina im Aufbau" zur Uraufführung brachte. Was man schon immer an Gidals Photos bewundert hat, den Blick fürs Wesentliche und Kennzeichnende, hat sich auch an diesem abwechslungsreichen Filmstreifen aufs Neue bewährt. Angefangen von der Überfahrt mit dem munteren Leben und Training an Bord bis zum Tagwerk im Kibbuz und dem Treiben am Schabbat am Strand von Tel-Aviv oder dem exotisch-bunten Getümmel beim arabischen Osterfest oder dem stillen Gang durch die Gassen Jerusalems zur Klagemauer, immer hat Dr. Gidal das festzuhalten gewußt, was dem Durchschnittsreisenden entgeht. So gibt dieser zwar nicht sehr lange, aber um so instruktivere Streifen einen sehr guten Einblick in den All- und Festtag des jungen Landes. Der Bildbericht wird überall, wo er erscheint Aufsehen erregen. „Palästina im Aufbau". In einer sehr gut besuchten Kundgebung berichtete auf Einladung der Zionistischen Ortsgruppe München im Rhea=Glus- Saal Dr. Hans Capell (Nürnberg), der neue Leiter des Gruppenyerbandes Bayern der Zionisten, über seine Palästinareise 1935. Eindringlich legte er dar, wie in den letzten Jahren Palästina, seit 1935 insbesondere für uns deutsche Juden, ins Zentrum unserer Aufmerksamkeit und unserer Hoffnungen gerückt sei. Der Redner verhehlte keineswegs die bedenklichen Nebenerscheinungen des im Ganzen so großartigen Werkes des Jischuw und forderte aus ideelen -wie praktischen Gründen die tatkräftige Unterstützung der Zionistischen Organisation (ohne deren Arbeit die Transfer-Frage nicht gefördert worden wäre und ohne deren jahrzehntelanges Bemühen das Land nicht heute Zuflucht für Zehntausende von uns hätte sein können).