Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 23 (1.12.1935)
- Date
- 1935-12-01
- Page
- Seite 511 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jfcnditifdjc (BcmcmÖcjcitung Hot§tU§tenfrto^^ imö öz$ fitetftonöes Ütayerifdjec ^wtlitfjtyec (Semeinden Erscheint am l.u. 15. jeden Monats.—Verlag: B.Heller, München, PÜnganserstr. 64, Tel. 73664 u. 73665. Postscheck München 3987, Herausgeber :. Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Bezugspreis lür nicht eingewiesene Bezieher: RM. 4.80 für das Jahr. Anzeigenpreis: Geschäftsanzeigen nach anfliegendem Tarif. Kleine Anzeigen und Stellenmarkt ermäßigter Sondertarif. XI. Jahrgang München, 1, Dezember 1935 Nummer 23 Inhalt: 300 Jahre „Hochdeutsche Gemeinde" in Amsterdam — Prägen an die jüdische Winterhilfe — Zum 100. Geburtstag von Joseph Perles — Aus der Gemeinde München — Aus der Gemeinde Augsburg — Alis der Gemeinde Bamberg — Jüdischer Kulturbund in Bayern, Ortsgruppe München — Jüdischer Turn- und Sportverein — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachung der Israel. Kultusgemeinde München, die Erhebung eines Kirchgeldes für das Rechnungsjahr 1935/35 betr. Bekanntmachung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden: Umbenennung — Personalia. 300 Jahre „Hochdeutsche Gemeinde" in Amsterdam FF Anläßlach des 300jährigen Bestehens der aschkenasischen „Hochdeutschen Gemeinde" von Amsterdam fand im Gemeindehaus am 17. November ein Festkat statt, dem als Vertreter der'holländischem Regierung der Minister für Kultus und Unterricht und der Minister für öffentliche Arbeiten beiwohnten. Ferner nahmen an dem Festakt der Gouverneur der Provinz Nordholland, der Bürgermeister und die Ratsherren der Stadt Amsterdam, zahlreiche Persönlichkeiten aus den Kreisen der Zivil- und Militärverwaltung, sowie Mitglieder des Diplomatischen Korps teil. Jüdische Gemeinden und Korporationen des In- und Auslandes hatten zu der denkwürdigen Feier Abordnungen entsandt. Als Vertreter der Jüdischen Gemeinde zu Berlin war das Mitglied ihres Vorstandes und Vizepräsident des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, R.- A. Dr. Alfred Klee, erschienen. Die Eröffnungsansprache hielt der Präsident der jubilierenden Gemeinde und des aschkemasischen Gemeindeverbandes Hollands, A. Asscher. Kultusminister Slotemaker de Bruine erklärte im Namen der holländischen Regierung, dieser Tag sei denkwürdig für die gesamte Bevölkerung Hollands. Die holländische Judenheit sei stolz auf ihre Zugehörigkeit zur holländischen Nation und leiste ihr Möglichstes, um zum Gedeihen und zur Blüte Hollands beizutragen. Der Bürgermeister von Amsterdam de Vlugt sagte u. a.: Wenn man sieht, was die Juden in Amsterdam auf wissenschaftlichem, wirtschaftlichem, kulturellem und künstlerischem Gebiet geleistet haben, dann kann man es kaum glauben, daß sie bloß 10 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Die Juden haben mitgeholfen, und helfen weiter mit, daß die Hauptstadt Hollands gedeiht und sie leben in voller Harmonie mit dem nichtjüdischen Teil der Bevölkerung. Nach dem Festakt fand in der 250jährigen Großen Synagoge ein feierlicher Gedenkgottesdienst statt. Die Synagoge war überfüllt, sämtliche eingeladenen Festgäste aus den offiziellen Kreisen waren erschienen. Rabbiner L. H, Sarlouis, der provisorisch das Amt des Oberrabbiners versieht, hielt die Gedenkrede. Er hob besonders hervor, daß die Amsterdamer Gemeinde eine Einheitsgemeinde ist, und daß es in Amsterdam weder Reformnoch Trennungsorthodoxie gibt. Er richtete an die G.emeinde den eindringlichen Appell zu Einigkeit und Solidarität. Königin Wilhelmine von Holland hat anläßlich des 300jährigen Jubiläums der Amsterdamer askenasischen Gemeinde den Gemeindevorsitzenden A. Asscher zum Ritter des Ordens des Holländischen Löwen und den Vorsitzenden der Gemeindeexecutive A. S. Veder zum Ritter des Ordens Oranien Nassau ernannt. Es gibt in Europa keine zweite Stadt mit starkem jüdischen Einschlag, in der die beiden in mancher Hinsicht so stark unterschiedlichen Elemente jüdischen Volkstums, der asch'kenasische und der sephardische Zweig, so miteinander verflochten und doch noch deutlich erkennbar sind wie Amsterdam, einst „Klein-Jerusalem" genannt. Symbolisch empfindet man es an Sabbat- und Festtag-Abenden an dem in seiner Eigenart jüdischsten Platze West-Europas, dem Jonas Daniel Meyerplein. Dort stehen sich, in festlicher Beleuchtung aus dem Dunkel ragend, die wuchtige kubische Masse der portugiesischen Synagoge auf der einen Seite, den beiden nebeneinander stehenden hochdeutschen Synagogen, der 265 Jahre alten „Groote Synagoge"" und der im edelsten Renaissance-Stil erbauten, nur 20 Jahre jüngeren „Nieuwe Synagoge", gegenüber. Zwei Welten schauen einander an. Und es ist für den Verlauf der Zeiten symbolisch, daß die aus zahllosen alten Kupfern dem Freund jüdischer Geschichte vertraute Gracht mit dem hoben Brückenbogen, die von ihrer Entstehung an wie ein Grenzfluß zwischen den Synagogen der beiden Gemeinden dahinfloß, im vorigen Jahrhundert gerade ungefähr zu der Zeit durch Zuschüttung zum Verschwinden gebracht worden ist, als auch die historische Kluft zwischen den beiden Gemeinden langsam zu schwinden begann, um dem Zustand von heute entgegenzustreben, der zu Jüdischer Kulturbund in Bayern Ortsgruppe München Symphoniekonzert des Kalturbundorehester» München am 12. Dezember in der Synagoge Herzog 91 ax-Strasse Dela Iiipinskaja am Ml., 22. und 33. Dezember im Museum