Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 21 (1.11.1935)
- Date
- 1935-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2727810-2728025-2728046--10319-2743653- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Jiiil. Kulturbund in Bavcni mm. — -A.________ '.__ Ii ■ Orfs<jrii|»|ftc Arthur Eloesser Zu seinen Vorträgen am 10. und 11. November über Disraeii. Arthur Eloesser ist in München einem breiteren Publikum vor allem durch se<ine Theaterkritiken bekannt, die er viele Jahre (meist -unter A.E.) für >die „Münchener Neuesten Nachrichten" schrieb. Als Germanist und Literaturhistoriker nimmt er einen hohen, unbestrittenen Rang ein. Sein vor Kurzem verfaßtes zweibändiges Hauptwerk „Die Deutsche Literatur" (1930 u. 31 bei Bruno Gassürer, Berlin) gehört zu 'den großen Leistungen der modernen Literaturwissenschaft; die „Münch. N. Nachrichten" schrieben darüber noch vor wenigen Jahren: „Drei besondere Vorzüge dieser neuen deutschen Literaturgeschichte sind anzuführen. Endlich einmal eine objektive, sachliche, bescheidene' und gleichwohl von der ersten zur letzten Zeile in einer vortrefflichen, anregenden Sprache verfaßte literarische Leistung, die eine währe Erholung -bildet gegenüber dem grauenvollen Phrasenschwall der üblichen Publizistik. Endlich einmal ein Handbuch ohne irgendwelche versteckte demagogische Absichtlichkeit, ohne 'den verlockenden Singsang vom guten Europäer, und daher eine vornehme, aus starker kritischer Eigenart und literarischer Zucht entstandene wissenschaftliche Arbeit, die trotzdem die Forderungen der Gegenwart gerecht, und sicher prüfend in die Waagschale wirft, um zu entscheiden, was noch heute 'Geltung haben darf, was nicht. Endlich (hierauf wurde bereits gewiesen) eine glückliche Vereinigung lebendiger Anschauung und historischer Kenntnisse, deren Reichtum die Zugehörigkeit Eloessers zur alten Berliner Germanistenschule dokumentiert, eine erstaunliche Beherrschung des ungeheuren Stoffes, der scheinbar .ganz mühelos bewältigt wurde." A. E.stellt uns zur Einführung in seine Münchener Vorträge folgende Autobiographie zur Verfügung: Arthur Eloesser wunde am 20. März 1870 'geboren, also wenige Monate vor Ausbruch des deutsch-fränzösichen Krieges, worauf er in. seiner Kindheit nicht wenig stolz war. Dieses Geburtsdatum erklärt vielleicht sein besonderes Interesse für Kriegsgeschichte; er kann den Verlauf der Schlachten von Cannä, Äusterlitz, Tanneriberg genau wiedergeben und hat noch jüngst die Schlachtfelder besichtigt, auf denen Josua, Gideon, David so ruhmreich befehligten. Bei dieser Veranlagung ist es nicht merkwürdig, daß er nach Absolvierung des Gymnasiums Geschichte zu studieren beschloß; ohne ihr je ganz untreu zu Werden, ging er aber, hauptsächlich durch das große Lehrtalent von Erich Schmidt angezogen, zur Germanistik über, die er durch französiches Sprachstudium in Genf ergänzte. Als Habilitationsschrift war eine 1898 erschienene Abhandlung „Das bürgerliche Drama" gedacht. Erich Schmidt ging mit ihm alle Möglichkeiten der Habilitierung an den deutschen Universitäten durch, um schließlich zu sagen: Lieber Freund, ich will alles tun, um Sfe anzubringen, aber Sie wissen, daß es für Sie leider besondere Schwierigkeiten gibt. Wenn Sie sich aber, Sie verstehen mich, entschließen könnten, im. Interesse Ihrer akademischen Laufbahn... Eloesser sagte: Nein! dazu kann ich mich nicht entschließen, und ging zunächst nach Paris, wo er aus Neigung wissenschaftlich, aus Bedürfnis auch journalistischarbeitete. Im Jahre 1899 wurde er nach Berlin geholt von der Vossischen Zeitung, der er bis 1913, dann noch einmal von 1928 bis 1933 als Theaterkritiker angehörte. Inzwischen, war er Dramaturg des Lessing-Theaterss Lektor des Schutzverbamdes Deutscher Schriftsteller, dann erster Vorsitzender des Verbandes, schließlich auch von der Notgemeinschaft des deut-' sehen Schrifttums. Diese sozialen Betätigungen (die er bis 1933 ausüben durfte) haben ihn sehr befriedigt, weil er den .notleidenden Kollegen, also der Mehrheit der Schriftsteller gern half, und weil er, außer für sich selbst, sehr-praktisch sein kann. ' .. \ ,:. Arthur Eloesser schrieb einige tausend Theaterkritiken, die zu sammelh ihm schon seine Bequemlichkeit verbot, hunderte von Essays über die europäischen Literaturen machte Ausgaben, mit Biographien von Shakespeare, Heinrich von Kleist, Otto Ludwig und schrieb Bücher von verschiedener Dicke und - Schwere oder Leichtigkeit, von denen einige genannt werden sollen. Sein dickstes Buch war die zweibändige „Deutsche Literatur vom Barock bis zur Gegenwart", -sein leichtestes nach Gewicht die Liebeserklärung „Elisabeth Bergner", die damals noch jünger war als heute. Zu seiner großen Freude fand er-als Nachlaßverwalter.in einem alten Koffer die Briefe seines großen Freundes Josef an die Eltern, die er unter, dem Titel ..Der junge Kainz" herausgeben konnte. Dem fünfzigjährigen Thomas Mann hat Eloesser > einet Biographie gewidmet. Als Frucht der Pariser Studienjahre erschienen „Literarische Porträts aus dem modernen Frank-, reich". Seiner Vaterstadt hat er mit den Berliner Skizzen „Die Straße meiner Jugend" gehuldigt; besonders wohl auf . Grund dieser Plaudereien hat man ihm einen kleinen Anteil aus dem literarischen Erbe von Theodor Fontane nachgesagt:- Mit humanistischen Studien seit seiner Gymnasialzeit genährt, stellte sich Eloesser eine Reise nach Hellas als das größte Erlebnis seines Daseins vor; er verbrachte aber in Athen nur je einen Tag auf der Hinreise nach und auf der Rückreise von Palästina. Seit 1933 dient Eloesser der Jüdischen Rundschau als Theaterkritiker. Die Tätigkeit des Kritikers hat er einmal mit dem etwas freien Gebrauch des Schiller'schen Verses bezeichnet: Speere werfen und die Götter ehren! Tjtäätk Sit dii üidi B(uk-HUidukä iwmrmwmwmfww mv wir wwwwr mTmwwir mwwwwww ffWWrlffVV fftSkäm Uudtit$9to §hü$t