Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 21 (1.11.1935)
- Date
- 1935-11-01
- Page
- Seite 462 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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462 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 21 Alle Artikel des i - '. . . täglichen Bedarfs gut und billig Wßljelder dmbfy Ifl'ündjen, hn9lorcnta1 Bezirksrabbiner Dr. M.Weinberg 40 Jahre im Amf •In diesen Tagen rüstet sich der Rabbinatsbezirk Regensburg-Neumarkt (Sulzbürg) für die Feier des 40jährigen Dienstjubiläums seines geistlichen Oberhauptes, des Bezirksrabbiners Dr. Magnus Weinberg. Nach dem Wunsch des Jubilars und im Einvernehmen mit den Vertreterin des Räbbinatsbezirks soll dieser denkwürdige Tag ohne jede äußere Festlichkeit begangen werden. Durch Mmisterialentschließung vom 5. November 1895 wurde Dr. Weinberg in sein Amt als Rabbiner von Sulzbürg i. d. Oberpfalz eingesetzt. Es war dies, wie die Würdigung der vier Jahrzehnte deutlich erkennen läßt, ein glücklicher Tag für den Rabbinatsbezirk. Dr. Weinberg ist bewährt sowohl in der Führung der praktischen Seelsorge-Arbeit, wie als Mann der wissenschaftlichen Tätigkeit, die geeignet ist. dein Beruf seinen idealen Charakter zu gewährleisten. Mit seltener Hingabe und Treue waltete Dr. Weinberg von Anfang an seines Amtes in diesem verhältnismäßig weit auseinandergerissenen, sich in.den bayerischen Wald hineinerstreckenden Bezirk. Dr. Weinberg, der aus einem konservativen, frommen Hause hervorging, besuchte das Gymnasium in Fulda, wo er unter der Obhut seines Lehrers Rabbiner Dr. M. Cahn in seinen Grundsätzen bestärkt wurde. Sein talmudisches Wissen mehrte er in Halberstadt, wo er zu Füßen der Vertreter der talmudischen Wissenschaft Dr. Selig Auerbach, Rabbiner J. Nobel und S. Cahn eifrigst auf seine Fortbildung bedacht war, bis er das Hüdesheimer'sche Rabbinerseminar in Berlin bezog, das er 1695 mit dem Rabbhiatsdiplom verließ. In diesem Jahre wurde Weinberg als Distriktsrabbiner nach Sulzbürg berufen. Seine Universitätsstudieh in Berlin schloß er mit einer wissenschaftlichen Arbeit auf dem Gebiete der syrischen Literatur ab. Dr. Weinberg benutzte seine Muse ununterbrochen zum •wissenschaftlichen Weiterarbeiten, und zwar auf dem Gebiet der talmudischen Archäologie, der Geschichtswissenschaft und der Archivforschung. Seihen Ruf in Gelehrtenkreisen begründete er durch seine sehr wohlgefällig aufgenommene Abhandhing „Die Organisation der jüdischen Ortsgemeinden in der tamTUdis<Äe.n .Zeit". Was die neuere; jüdische Geschichte anlangt, so muß die Erforschung der' Memorbücher an erster Stelle genannt werden, ein Gebiet, auf dem der Jubilar als Autorität angesprochen werden darf. Der Geschichte der Juden in der Oberpfalz wandte er sein besonderes Interesse zu; drei Bände darüber sind bereits erschienen. Die geographische Lage seines Rabbinatsbezirkes brachte ' es mit sich, daß er sich auch mit der Geschichte der jüdischen Drucke in dieser Gegend' intensiv befaßte: Sein Werk „Die hebräischen Drucke in S u 1 z b a c h", von dem wir noch Fortsetzungen erwarten dürfen, die Herausgabe des Sulzbacher Wandkalenders vom Jahre 1722, sind die Früchte dieses Interesses. Auf dem zweiten Forschungsgebiet des Jubilars, — das ist auf dem der talmudischen Archäologie — verdanken wir ihm eine Reihe namhafter, aufschlußreicher Aufsätze.und Abhandlungen, so die Schrift „Das Verhältnis des Rabbenu Tarn zu Raschi", ferner die Bedeutung der Partikel 'ki im Talmud, seine Auseinandersetzung über den Begriff „Gheber ir" und viele andere. Noch in letzter Zeit hat Dr. Weinberg eine schwierige Stelle aus dem Buch des „Predigers" sehr ansprechend erklärt und damit eine crux interpretum hinweggeräumt. Seine Archiv-Studien blieben nicht etwa nur auf die jüdische Geschichte beschränkt. Als Archivar des historischen Vereins in Neumarkt hat er eine Reihe sehr, geschätzter allgemeiner Abhandlungen herausgegeben. Auch möge hier das Inventarium der in Amberg befindlichen, auf die Juden bezüglichen Akten erwähnt werden, das von den bayerischen Archivbehörden besonders gewürdigt wird. Auf allen Gebieten, auf denen der Jubilar arbeitet, hat er sich erfolgreich bewährt.. Dabei wissen wir, daß unsere Aufzählung keineswegs erschöpfend ist, daß wir zu unserer Freude noch gar manche bis jetzt nur handschriftlich niedergelegten Arbeit im Druck von. ihm erwarten dürfen. Was die praktische Seelsorge-Arbeit betrifft, so sei hier festgestellt, daß er von 1914—1918 die jüdischen Krieger im Gefangenen-Lager Grafenwöhr nebst sämtlichen Nebenlagern seelsorgerisch betreut hat. Rabbiner Dr. Weinberg, selten schaffenfreudig und von einem jugendlichen Arbeitstrieb erfüllt, hat sich noch vor wenigen Jahren entschlossen, trotz der dadurch sehr ne>nnenswert vermehrten Arbeit, dem Rufe Folge zu leisten, seinen Wohnsitz zusammen mit dem Amtssitz des Rabbinats nach Regensburg zu verlegen. Die dadurch für ihn vermehrte Arbeit hinderte ihn nicht, nach wie vor im Dienste der Wissenschaft wacker tätig zu sein. Wir wollen nicht unterlassen, anläßlich seines i40jährtgen Dienst]ubiläums festzustellen, daß Dr. Weinberg in seinem Amtsbezirk höchst geschätzt ist und daß er uneingeschränkte Beliebtheit bei Jung und' Alt genießt, daß er vor allem auch von seinen Amtsbrüdern wegen seiner Gradsinnigkeit und kollegialen Treue sich hoher Anerkennung und Freundschaft erfreut. Wir wünschen dem verdienten Kollegen einen frohen, glücklichen Lebensabend. St *■ Das verdienstvolle Wirken des Herrn. Rabbiner Dr. Weinberg während einer vier Jahrzehnte umfassenden Tätigkeit ist vorstehend von berufenster rabbinischer Seite gewürdigt worden. Die Leitung des Verbandes Bayerisoher Israelitischer Gemeinden schließt sich alldem, was zum Preise des Jubilars gesagt wurde, in herzlicher Verehrung und aufrichtiger Dankbarkeit'an. Große Arbeit obliegt Herrn Dr. Weinberg in seinem rabbinischen Wirkungskreise. Dazu hat er die stetige Mühe emsiger Forschertätigkeit auf sich genommen. Um so mehr dankt der Verband Herrn Bezirksrabbiner Dr. Weinberg, daß er auch als Mitglied des Rats des Verbandes seine wertvolle Kraft der bayerischen Judenheit zur Verfügung stellt. Mögen dem verehrten Jubilar noch viele Jahre eines gesegneten Lebens beschieden sein!