Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 21 (1.11.1935)
- Date
- 1935-11-01
- Page
- Seite 455 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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iftnycufdjc Jfcoditifdic (BcmcmÖcscrtung Bacfjud)ten6lattöet^ imfl tf e$ Ütecfamätd ^ayctifrffßc Zfftachtifcfjet <$*meinden Erscheint am l.u. 15. jeden Monats.—Verlag: B.Heller, München, Pllnganserstr. 64, Tel. 73664 u. 73665. Postscheck München 3987, Heraasseber: Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Bezugspreis für nicht eingewiesene Bezieher: RM. 4.80 für das Jahr. Anzeigenpreis: Geschäftsanzeigen nach anfliegendem Tarif. Kleine Anzeigen and Stellenmarkt ermäßigter Sondertarif. XI. Jahrgang München, 1. November 1935 Nummer 21 Inhalt: Aus -der Beruf sgeschichte der Juden — Jüdische Winterhilfe: Aufruf der Israelitischen Kultusgemeinide München — Ein Wort an die bündische Jugend — Bezirksrabbiner Dr. M. Weinberg 40 Jahre im Amt — Aus der Gemeinde München — Aus der Gemeinde Augsburg — Aus dem Verbände —Aus der Pfalz — Aus dem Reiche — Jüdischer Turn- und Sportverein — Jüdischer Kulturbund in Bayern Ortsgruppe München — Schulungskurse der zionistischen Ortsgruppe München — Bücherschau — Personalia Aus der Berufsgeschichte der Juden Von Prof. Dr. Heinrich Loewe, Tel-Awiw Die Hebräer waren ein Volk von Gärtnern, Landwirten und Viehzüchtern. Durch Land und Sprache standen sie mit den Phönikern in innigster Verbindung. Aber während der Israelit durchaus Urproduzent war, waren die Bewohner von Sidon, Tyrus und ihren Schwesterstädten Industrielle und vor allem Händler. Das hebräische Wort Kena'ani bedeutet in der biblischen Literatur nicht bloß zufällig zugleich Phöniker und Kaufmann. Aber sicher waren israelitische und jüdische Männer an den Seefahrten ihrer Landsleute beteiligt, und allmählich lernten sie von ihren kana'anäischen Nachbarn deren Berufe. Mit ihnen gehen sie auf das Meer hinaus. Und hier beginnt schon die Zerstreuung des jüdischen Volkes über die Küsten des Mittelmeeres, die nach den politischen Katastrophen der beiden israelitischen Staatswesen für die Juden schicksalhaft geworden ist. Die Diaspora war durch einen Berufswandel im jüdischen Volke mit hervorgerufen. Aber sie verstärkte und verschärfte ihn ihrerseits noch ungemein. Der Übergang von Juden zu den vermittelnden Berufen wurde dadurch in jeder Weise gefördert. Da sie zugleich einen erheblichen Teil zu den Berufssoldaten des orientalischen Altertums stellten, so wurden sie auch auf diese Weise neuen Berufen zugeführt. Die jüdische Militärgrenze, die Ägyptens Süden gegen den Einbruch afrikanischer Barbaren schützte, bot zugleich eine starke Verführung zum Sklavenhandel. Dazu kamen der Handel mit Elfenbein und der Goldhandel, die frühzeitig Juden in das Innerste Afrikas führten. Es wäre aber ein Irrtum zu glauben, daß damals etwa auch nur der größere Teil der Juden zum Handel übergegangen wäre. Von den wenigen Juden, über deren Lebensberuf wir etwas erfahren, hören wir zumeist, daß sie handwerkliche Berufe oder Landwirtschaft ausübten. So war der Apostel Paulus, der doch ein Jude der Diaspora aus einer lebhaften Handelsstadt war, Teppichweber. Asinaj und Anilaj, die durch die herrschenden Gewalten gezwungen, an der Spitze gleichgesinnter Stammesgenossen, eine Art Mittelding zwischen Räuberbande und aufständischem Staatswesen leiteten, waren ursprünglich Webergesellen in Neharde'a gewesen. Von einer ganzen Reihe talmudischer Geistesgrößen wissen wir, daß sie sich zwar mit dem Thorastudium intensiv beschäftigten, aber ihren Lebensunterhalt aus Ackerbau und Handwerk, als Schuhmacher und Schmiede usw. fanden. In der talmudischen Zeit gab es in Palästina und Babylonien eine sehr große Zahl jüdischer Ackerbauer. Rabbi El'asar erklärte mit Berufung auf die Bibel (Jecheskel 27, 29) den Ackerbau für den wichtigsten Beruf der Zukunft. Aber er fügte hinzu, daß kein Beruf und kein Handwerk so wenig einträglich wie der Ackerbau sei. Bei der Besichtigung eines Kohlfeldes, das auf den Beeten der Breite nach bepflanzt war, sagte er: „Selbst wenn man Kohl in ununterbrochenen Längsstreifen pflanzen würde, bliebe doch jeder Geschäftsverkehr noch einträglicher als der Kohlbau." Als Rab einmal zwischen den wogenden Getreidefeldern einherging, sagte er resigniert: „Magst dich noch so sehr vor Fruchtbarkeit wiegen und wogen, der Geschäftsverkehr bringt doch mehr ein!" Er sprach seine Meinung dahin aus: „Wer hundert Sus in ein Geschäft steckt, kann sich alle Tage Fleisch und Wein leisten, wer gber die gleiche Summe im Ackerbau arbeiten läßt, der muß sich mit getrockneten Kräutern und Salz begnügen. Und mehr noch als das: Er muß auf der bloßen Erde schlafen und hat immer Streitigkeiten zu gewärtigen." Trotz dieser klaren Erkenntnis stand man auf dem Standpunkte, daß man beim Ackerbau bleiben solle, und Rab Papa sagte es klar und unzweideutig: „Säe, aber treibe keinen Handel! Und wenn du auch dabei Jüdische Arbeitgeber! Beachtet die in dieser Nummer abgedruckten Richtlinien für die Jüdische Winterhilfe. ■i 3