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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-08-15 · 16 (15.8.1935) · p. Seite 351

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
16 (15.8.1935)
Date
1935-08-15
Page
Seite 351 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 16 Bayerische Israelitische, Gemeindezeitung 351 Aber dieser Ton verstärkt und erhöht sich zu religiöser Begeisterung in den Romanzero-Gedichten „Prinzessin Sabbath" und „Jehüda ben Halevy", künstlerischen Gebilden höchsten Ranges. „Unter mancherlei körperlichen Hindernissen und Qualen", wie es im Nachwort heißt, sind sie empfangen und gereift und gehören zu den ergreifendsten Dokumenten der Rückkehr zu den im Drange des Lebens vergessenen Ursprüngen. Wie er es selbst gestanden, hat: „Das himmlische Heimweh überfiel mich und trieb mich fort durch Wälder und Schluchten, über die schwindlichsten Bergpfade der Dialektik." Ein weiteres lebendiges Zeugnis für diese Gesinnung sind die Kapitel aus Helgoland in der Schrift über Börne, wo er eine tiefsinnige, in gewissem Grade endgültige Deutung des jüdischen Nationälcharakters in gläubiger Hingabe unternimmt. Heine bekennt sich hier eindeutig zu dem Diaspora- Judentum, wenn er meint, daß die Juden sich leicht trösten könnten, daß sie Jerusalem und den Tempel und die Bundeslade eingebüßt hätten... solcher Verlust sei doch nur geringfügig in Vergleichung mit der Bibel, dem unzerstörbaren Schatz, den sie gerettet. Ein Buch sei ihr Vaterland. Hier seien sie stark und bewunderungswürdig. So hätten sie, gebeugt über ihrem Buche, nichts gemerkt von der wilden Jagd der Zeit, die über ihre Häupter dahinzog. In der Tat: Im Ghetto stand die Zeit still. Man lese selbst diese denkwürdigen Kapitel, vergleiche sie auch mit der Vorrede zur zweiten Ausgabe zur Geschichte und' Philosophie, wo diese Auffassung sich gleichfalls findet, um sich deutlich zu machen, wie der Dichter das Ewige und Unvergleichliche seines Volkes in der religiösen Kraft erwachsen aus dem „Buch" aufgefunden hat. Diese Versenkung in die Bibel, in die Geschichte des Heiligen Landes nimmt, je mehr sich sein Leben dem Ende nähert, an Intensität zu. Der Glaube der Väter wird wieder der seine. Die Etappen der Heimkehr kann man in den Schriften dieser Zeit Schritt für Schritt verfolgen. In immer neuen Variationen spricht Heine von dieser Wandlung. So finden wir in einer Zuschrift an die Allgemeine Zeitung (1849) den Satz: „Ich bin kein lebensfreudiger, etwas wohlbeleibter Hellene mehr, der auf trübsinnige Nazarener heiter herab- MOBEL-BALLIN jetzt Theatlnerstraße 7, Eingang Maffeistr. Billige Preise bei gediegener Qualität lächelte — ich bin jetzt nur ein armer totkranker Jude, ein abgezehrtes Bild des Jammers, ein unglücklicher Mensch." Aus dieser Verzweiflung erstand der vergeistigte Heine, jenseits aller irdischen Lust in das Transzendente, ins Religiöse wachsend, in welcher Gestalt er in das ewige Bewußtsein seines jüdischen Volkes übergegangen ist. Aber diese Religiosität bestand nicht in einem reinen Deismus, sondern in der Bindung „an einen ganz bestimmten Gott, nämlich an den Gott unserer Väter", wie es 1848 in einem Brief an den Bruder heißt. In diesem Sinne ist auch das ergreifende Bekenntnis im Testament zu verstehen: „Ich sterbe im Glauben an einen ewigen Gott, den ewigen Schöpfer der Welt, dessen Erbarmen ich anflehe für meine unsterbliche Seele." Von einer „Bekehrung", wie es oft geschehen ist, darf man darum doch nicht sprechen. Welt und Gott, das hellenische Naturel und die Askese waren beide in ihm enthalten und rangen zeitlebens um die Oberhand in ihm. Er war der Wanderer zwischen diesen beiden Welten. Immer stand für ihn der „Gottgedanke Judäas" im Gegensatz zu der „Griechen Lustsinn", der Kampf des Wahren mit dem Schönen vollzog sich in ihm selbst. Er war überzeugt, daß diese beiden Prinzipien ewig mit einander in Streit liegen und sich niemals versöhnen. Dieses ungläubige Credo ist seiner Weisheit letzter Schluß. Es beherrscht das einzigartige Gedicht für die Mouche, in dem er einige Wochen vor seinem Tode wie zum Abschied noch einmal die großen Symbole seines Lebens heraufbeschwört. Es bezeugt aber auch, daß, das Primäre in Heine sein Künstlertum war, daß er noch im Sterben mit zitternden-- Hand seine Verse feilte und glättete, daß seine dichterische Phantasie nicht eher nachließ, als bis sie sich ins Dunkle verlor. Der „Befehlshaber der gesamten Judenheit" Josel von Rosheim, ein jüdischer Politiker zur Luther-Zeit Von KurtPinthus Josel von Rosheim, meist Joselmann, auch Joselin genannt, der eigentlich Joseph ben Gerschon hieß, wird von Ismar Elbogen, dem besten Kenner der Geschichte der Juden in Deutschland, bezeichnet als „einer von den wahrhaft Großen; „niemals wieder bis zu Gabriel Rießer bat ein Jude mit so viel Energie und Überzeugungskraft das Recht seines Stammes verfochten". Und dies zu einer Zeit leidenschaftlichster politischer und religiöser Kämpfe, welche die ganze Welt erschütterten, zu einer Zeit, als die Juden aus allen Ländern Westeuropas, aus England (1290), Frankreich (1394), Spanien (1492) vertrieben waren und sich nur noch in wenigen Städten Mitteleuropas zu Gemeinden zusammenschließen durften, allenthalben im Deutschen Reich ständig von Ausweisung bedroht. Sie vegetierten auf dem Lande oder lebten in kleinen Städten, wurden zwischen dem Recht der Landesherren, der Stadtgewalt und der Macht des Kaisers, als dessen Kammerknechte sie gälten, fast rechtlos zerrieben und von allen drei Instanzen, durch Steuern geschröpft, indes sie nichts als fahrenden Handel und Geldausleihen treiben und nur zu besonderen Markttagen in den größeren Städten erscheinen durften. Josel wirkte unter der Regierung Kaiser Maximilians, des letzten Ritters, und seines Enkels Karl V., dessen andere Großeltern die 300 000 Juden Spaniens grausam vertrieben hatten, während Karl V. selbst die Juden aus den Niederlanden, aus Neapel verjagte, sie.bei der Eroberung Nordafrikas niedermetzeln ließ und die Marranen der Inquisition auslieferte. Josel lebte von etwa 1480 bis 1954 im Elsaß; besser gesagt: er schweifte und reiste fünfzig Jahre lang unablässig in Mittelm mihz&% SU dU ModeVU Jun&uses ScU&to-$cUlC$ Mm 10. nut Zb. Ausist Back

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