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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1935-08-01 · 15 (1.8.1935) · p. Seite 330

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
11 (1935)
Issue
15 (1.8.1935)
Date
1935-08-01
Page
Seite 330 (sequence 6)
Language
German
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330 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 15 Jetzt ist die richtige Zeit iür Pelz-Umarbeitungen U.Reparaturen nach unseren neuesten Modellen . zu günstigsten Preisen. S. Orl jansky & Co. NeuhauserstraBe 29 * der Sendung" nennt Fritz Rosenthal seine zu bekenntnisreifen Gedanken anregende Gedichtsammlung, die im " Verlage B. Heller in München erschienen ist. Wer ist gesandt? Von wem? Das Leid eines Volkes schafft seine Dichter, Dichter fühlen als Grund und Recht ihre Sendung. Sie tragen den prophetischen Titel nicht bewußt, sie leben still in der verhüllten Gefühlswelt ihrer Brüder und Schwestern, aber sie leben und reifen und gestalten ihr Erlebnis — das bezeugt Fritz Rosenthal (Ben-Chorin'). Noch ist sein Volk nur Ahnung des Entrückten, vielleicht einmal wieder Nahenden und Gestalt Findenden. Wir halten uns aufrecht unter tumben Schlägen, wir können uns in einem reinen Gewissen behaupten und finden die Susbtanz unserer Sehnsucht noch nicht. Ein Schmerz ist nichts für den, der ihn nicht kennt und fühlt, ist alles für den Teilnahmsfähigen und Erlebenden. Wir können die Helfer noch nicht grüßen, aber von Herzen die Seher und Verkünder. Ein Kranz ist des jüdischen Dichters Sendung nicht, sondern ein Mal. So sagt es Ben-Chorin in dem schön einführenden Gedicht „Mein Lied": Mein Lied ist anders, als eures, Das aus lichteren Fäden gewebt: Mein Lied ist ein ungeheures Ringen um mein teures Volk, das am Abgrund lebt. Es ist der Segen mancher furchterweckender Begriffe, daß ihre entschlossene Nennung, ein fester Blick in ihre Tiefen sie auf verständliches Maß reduziert. An einen Abgrund wird der Jude dieser Zeit geführt, aber sein Fuß festigt sich im Schwindel der Prüfung, er bleibt stehen, wo er steht, sieht durikel forschend hinunter und sendet dann den zweiten Blick hinauf, wo sein Gott über allen Zeiten lebt. Wir kennen die Abgründe, in die wir hinunter sollen und die feste Straße über blühendes Bauland, auf der wir vorwärts wollen. Die Zeitwende traf den, der Augen und Ohren hatte, nicht unvorbereitet. Er sieht ihre Schrecken, aber auch ihren klärenden Vollzug. Nicht „Strafen" — dieses Wort bleibe bei dem, der über uns und allen Feinden wohnt — aber Folge von Fehlern und Irrtümern, die nicht ohne Sühne bleiben konnten. Der deutsche Jude .weiß doch wohl zu tiefst, um was es geht auf dem alten geliebten Leidensboden. In Sonderheit der bildungs- und ehrgeizträchtige Jude des „Fortschrittsjahrhunderts", das nun hinter ihm zerfallen und doch in seinen kostbaren Bruchstücken ewig erhalten bleiben LEO OPPENHEIMER Dachauer Strasse 9 RÖCKE, BLUSEN, DIRNDLKLEIDER MÄNTEL, KLEIDER, COMPLETS muß. Jedes dieser Bruchstücke, dieser willkürlich wundersamen Trümmer wird wieder einmal ein leuchtendes Ganzes bedeuten. Es wird es, weil seine Erben von dem gefährlichen Stolz auf allzuschnelle Kultureinheit schmerzvoll befreit sind und nun wissen, daß jeder Feind, ob bedeutend oder banal, nicht Gottes Wille, sondern Gottes Werkzeug ist. Werkzeug schafft und weiß nicht, was. Schon wächst, von Schlägen nicht zermalmt, sondern geschmiedet, das Geläuterte und Gültige. Es ist eine tiefe Illustration, daß einer unserer Dichter jetzt noch vor sein Buch ein Motto Stefan Georges setzt. Zu den bahnbrechenden Erkennern dieses deutschen Poeten gehörten einst wesentlich Juden, das Verdienst seines sammelnden und gläubigen Verlegers hat ebenfalls ein Jude. Dies sei Gedächtsmängeln nebenbei zurückgerufen. Aber Stefan George leitet auch heute noch ein jüdisches Buch ein und stimmt gewiß im Jenseits dieser Beschwörung zu. Der sänger aber sorge in trauer-läuften Daß nicht das mark verfault. Der keim erstickt: Er schürt die heilige glut die überspringt Und sich die leiber formt. Er holt aus büchern Der ahnen die verheissung die nicht trügt. Ja, das tut der Sänger, auch mit dem Mal, nicht nur mit der Würde der Sendung. Wenn in ihm zugleich die fruchtbare, nicht zerstörende und „zersetzende" Gabe der Selbstkritik lebt, wird er auch die Gefahr erkennen, die in unseren Tagen den jüdischen Künstler bedroht, der eben noch natürlich unbewußt gewesen und nun plötzlich in feierliche Bewußtheit sich gedrängt sieht. Künstlichkeit war immer Feind der Kunst. Was vor Jahrtausenden Natur gewesen, Gottgefühl in Form und Inhalt, kann es nicht plötzlich wieder auf Asphalt, bei Radio und technischer Vernunft sein. Der Mensch ist einen weiten Weg zu sich selbst gegangen und muß ihn weiter gehen, auch der Jude. Dennoch kann Verlorenes wiederkehren, nie Gefundenes erscheinen, stärken und bereichern. Nur ganz ohne geheime Spekulation, nur mit der reinen Willens- und Gewissensmacht Spinozas oder Beethovens. Das ist die Schule, das gibt die große Warnung: lasse Dich nicht täuschen, bleibe ehrlich, so wirst Du gläubig werden. Dies ist der Weg zum Ältesten im Neuen. Noch sehen wir Ben-Chorin unterwegs, aber auf einer einsamen, guten Wanderung, unbefangen und selbstkritisch zugleich wie echte Wanderer sein müssen. Das Ziel liegt dort, wohin ihn Gedichte wie „Rabbi Sussia von Hanipol", „Absalom", „AÜiasver", „Und Jahre kommen und vergehen" „Golemstadt" führen. Hier entsteht gültige, jüdische Dichtung. Und darüber hinaus noch ein Ringen um das neue und ganz alte Christusbild, einzig gültig aus dem Judentum, wie.es im „Rabbi von Nazareth" lebt. „Lichter, die zu spät in die Nacht meiner Jugend brachen", wie Fritz Rosenthals Menorah-Gedicht sagt, erscheinen hier nicht und kommen nicht zu spät. Muttersprache, mütterliche Sprache fließt aus jüdischer Traube als deutscher Wein, noch heute. Sinnend werden auch Christen auf die Verse von des toten Jesu Hände blicken: 0 deine Weißen, benedeiten Verwelkten Hände sehn mich klagend an. Sie wußten nur um den gweihten Heimlicher Kräfte vollen Wahn. Wer deine Hände sah, der glaubte An deiner Liebe stillen Glorienschein, Darin du warst wie der entlaubte Vom Wind Versehrte Baum im Hain. Georg Hirschfeld. Aus der Gemeinde München Zionistische Ortsgruppe München Gesellschahsfahrt zum Zionisten-Kongreß, Bei genügender Beteiligung wird von München eine gemeinsame Fahrt mit Bahn oder Autobus zu wesentlich ermäßigtem Preis stattfinden. Die Fahrt wird hin und zurück ca. 28 RM. kosten, je nach Beteiligung evtl. weniger. Verbilligtes Quartier in Luzern kann besorgt werden. Anmeldungen müssen sofort an das Büro der ZOG, Schlosserstraße 2/1, Tel. 53052, erfolgen. Dort sind auch nähere Auskünfte bezgl. des Visums

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