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Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1935-07-15 · 7 (15.7.1935) · p. Seite 18

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Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1935
Issue
7 (15.7.1935)
Date
1935-07-15
Page
Seite 18 (sequence 1)
Language
German
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(ItlttfeHtinoen Des JüDiWien Seftreroereina für tftapera Schriftleitung: Max Adler, München 1935 München, 15. Juli Nr. 7 Problematik der jüdischen Bünde Von Dr* Werruer Cahnma n n. (Schluß.) Ein weiteres kommt dazu. Die Heimabende sind systematischer in der Form und jüdischer im Inhalt geworden. Das ist der doppelte Ton, der für jüdische Ohren aus dem Wort „Lernen" spricht. Man treibt Hebräisch und Geschichte, man verbindet beides in der Lektüre des „Tenach", der hebräischen Bibel. Man beschäftigt sich mit jüdischer Gegenwartskunde, palästinozentrisch bei den Zionisten, allgemeiner, aber auch ideologischer gerichtet bei der deutechjüdischen Jugend. Und die gleichen Eltern, die noch vor wenigen. Jahren die eine spärliche wöchentliche Religionsstunde für eine zu starke Belastung ihres Kinde.s ansahen, können sich heute aus dem Gefühl eigener Unzulänglichkeit heraus nicht genug tun an einer — für aridere — geforderten Jüdischkeit. Wie nötig wäre sie für die billig Fordernden selbst! Die „Anderen" aber, denen man sie freundlicherweise zuordnen will, brauchen auf den Weg zu ihr nicht erst gedrängt zw werden. Alles, was sie umgibt, äußere Umstände so gut wie innerer Antrieb, 'leitet sie darauf hin; Vielmehr besteht, ganz und gar umgekehrt, die Gefahr, daß die Jüngeren die Fühlung mit den Werten der allgemeinen Kultur und mit den Wachstumsvorgängen der Umwelt so gründlich verlieren, daß man eines Tages, wenns not tun sollte, so leicht nicht wieder die Anknüpfung wird finden können. Wer beschäftigt sich heutzutage ernsthaft mit den Wandlungen in der Staatslehre und wer schlägt noch den „Faust" auf? Unld wie hält man es. so wird mancher fragen, mit der Religion? Hier ist der Führer nun schon so vieler junger Generationen noch immer der Mann, in dem Orient und Okzident sich begegnen, Martin Buber: spürbar bei der deutschjüdischen Jugend, sehr stark beiden Werkleuten, die sich offen zu ihm bekennen, und am wenigsten aufschlußreicherweise bei der nach „Erez" aufbrechenden Arbeiterjugend der Bonim. Der Verband der jüdischen Jugendvereine, der seine Stellung allmählich wieder zu finden bestrebt ist und erst recht die misrachistische und agudistische Jugend bleiben in 'diesem Zusammenhang außerhalb der Erörterung. Ein sehr beliebtes Wort in der Nachfolge Bubers ist „die Askese vor dem Gesetz", die man üben müsse, weil die Religion zu hoch stehe, als daß man sich zu ihr bekennen könne, ohne sie, im Ganzen wie in ihren einzelnen Erscheinungsformen, an sich selbst als sinnvoll empfunden zu haben. Eine solche „Askese" führt leicht so weit, daß man den Namen Gottes nicht nur nicht „unnütz", sondern überhaupt nicht mehr aussprechen will oder — aussprechen kann. Aber richtig ist an dieser Haltung übersteigerter Ehrlichkeit das Gefühl, daß manches Überkommene zerbrochen, „der Beruf unserer Zeit zu religiöser Gesetzgebung" aber nicht vorhanden ist; sie ist noch nicht reif dazu; die „dialogische Begegnung" ist noch nicht vollzogen. Gleichwohl beginnt sich der Weg zu ihr schon abzuzeichnen. In der Erarbeitung des „Tenach" will man wieder zu den Quellen jüdischen Weltempfindens zurückkehren, unter Überspringung der Kommentatoren und — allerdings — auch der Liturgie. Die Gründe, aus denen heraus man sich in jene Zeiten und Welten aufs Neue zu versenken versucht, mögen wer weiß woher genommen sein: wir sind sicher, daß am Ende dieses Weges, ja, auf jeder Seite, die man, während man ihn begeht, umblättert, dem Lesenden leise wie dem Elia am Horeb der große Name sich verdeutlichen wird. So hat die jüdische Jugendbewegung unserer Tage mehr in sich und über sich Gemeinsames, als es ihre Trennung nach Bünden und Gruppen wahrhaben will. Unser Schulgarten •Bericht von Hauptlehrer Max Levite, Günzenhausen. Mit Beginn des neuen Schuljahres konnte an der hiesigen jüdischen Volksschule eine von mir schon seit Jahren für notwendig erachtete Einrichtung durchgeführt werden. Gelegentlich der Neuverpachtung eines neben Synagoge und Schulhaus gelegenen, der Kultusgemeinde gehörigen Gartens stellte ich den Antrag auf Überlassung eines Gartenteils zur Anlage eines Schülergartens. Die mehr oder weniger in Erscheinung getretene Umstellung der jüdischen Bevölkerung von der geistigen zur körperlichen Beschäftigung hatte auch hier jene hierfür günstige Grundstimmung erzeugt. Meine jahrzehntelange persönliche Erfahrung im Gartenbau gab mir jenes Gefühl der Sicherheit und Überlegenheit, das notwendig ist, wenn man die Öffentlichkeit van der Zweckmäßigkeit einer Neuerung überzeugen will und das die Stimmen der Zweifler und Nörgler mit Leichtigkeit zum Verstummen bringt, Verwaltung meiner Gemeinde und Pächter des Gartens stellten mir nach einem kurzen Referat über den erzieherischen Wert der Schülergartenarbeit sofort bereitwillig einen Teil des Gartens kostenlos für die Schule zur Verfügung, und es lag nun an mir und den Schulkindern, aus dem seit Jahren vernachlässigten Gartenteil, auf dem man bisher nur Unkraut und wilde Holunderbäume erblickt hatte, das zu machen, was man unter dem Namen „Garten" versteht. Zum Verständnis für den Leser möchte ich gleich vorweg betonen, daß ich in allererster Linie den Wert der Schülerarbeit im Garten nicht darin erblicke, was zunächst an Erzeugnissen aus dem Boden gezogen wird, sondern darin, daß die Kinder der beseligenden Freude am Erfolg der Arbeit inne werden, daß sie überstrahlt werden vom Sonnenschein der Natur, der die Wangen rötet und das Herz höher schlagen läßt, daß die Muskeln sich straffen durch Körperarbeit und dadurch dem Geist diejenige Fülle von Spannkraft zugeführt wird, die nötig ist zu frischer, geweckter Tätigkeit in den geistigen Fächern. Also frisch ans Werk! Vor allem mußte ein „Feldzug" gegen Unkräuter und Holundersträucher unternommen werden, das stand für mich als „Feldherr" fest. Doch halt! Der Zaun wakkelte auch an allen Ecken und Enden, der mußte ausgebessert werden, und zwar von uns selbst, ohne der Gemeinde Kosten zu verursachen. Aber selten geht es im Leben ohne Hemmnisse und Hindernisse ab. Alles stand bereit zur Arbeit, Hammer und Nägel, Säge und Beil, Hacke und Schaufel, Spaten und Rechen. Und meine Kolonne war geladen mit Arbeitseifer bis oben hinauf! Da — jetzt fing es an zu regnen und zu stürmen und zwar so ausgiebig und ohne Ende, daß wir notgedungen fast eine Woche lang die nichtibegomnene Arbeit „aussetzen" mußten. Als der Regen sich endlich verabschiedet hatte, meldete sich „Pesach" und gab uns den Rat, doch noch etwas warten zu wollen, die „Mazzenkost" eigne sich ohnehin nicht sonderlich für so schwere Arbeit. Also warten! Für alles und für jeden kommt seine Zeit! Auch diese acht Tage waren rasch vorüber und ich konnte meine mit Spaten und Hacke bewaffnete Schar an die Arbeit führen. Einen Eifer und eine Arbeitswut zeigten sie, daß ich an den Meister mit dem Hexenbesen denken mußte. Sie hätten mir an einem Nachmittag den Garten zu Schanden geschaufelt. Also das „Ganze halt". „Erst müssen die Wurzeln der abgehackten Holundersträucher ausgegraben werden!" Dazu wählte ich die Knaben der Oberklasse, die schon Kraft in den Muskeln verspürten und sich recht geschickt zur Arbeit stellten. Unterdessen durften die übrigen ihre Kunst, im Umgraiben probieren. Ich machte es ihnen, vor und sie konnten es kaum erwarten, bis sie an die Reihe kamen. Doch sieh! Da waren ein paar Schwächlinge, deren Kraft noch nicht hinreichte, den Spaten in das harte, verfilzte Erdreich zu drücken! Ich half nach. Sie staunten, wie es bei mir so leicht und glatt ging. Jeden Tag wurde 1—2 Stunden gearbeitet, abwechselnd Knaben und Mädchen. Mit Lust und Liebe geschah die Arbeit, jedes Kind erhielt zur selbständigen Bebauung und Pflege 1 Beet zugeteilt, und freudestrahlend konnten sie eines Tages vor dem fertigen Werk stehen und den ebenso erfreuten Eltern zeigen, wie durch ihrer Hände Arbeit aus der „Wildnis" ein Garten geworden war. Ich brauche die einzelnen Arbeiten, die jetzt im Garten geschehen . mußten, nicht aufzählen, das Pflanzen und Unkrautjäten, das Gießen und alles andere — es gibt immer zu tun und zu beobachten. Vieles konnte im Unterricht verwertet wer-

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