Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 11 (1935)
- Issue
- 14 (15.7.1935)
- Date
- 1935-07-15
- Page
- Seite 310 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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310 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 14 SCHUHHAUS M. FLEISCHMANN MÖNCHEN, THEATINERSTRASSE 17 Spezialität: BALLY-SCHUHE Einen Teil seiner Ausbeute hat er in 'diesen Tagen der Münchener Zionistischen Ortsgruppe vorgeführt, wobei es leider in letzter Stunde unmöglich wurde, den großen Schmalfilm, den Dr. Gidalewitsch mitgebradht hatte, mit zu zeigen. Das überaus zahlreich erschienene Publikum, das -den' großen Museumssaal füllte, mußte seinetwegen au'f einem späteren Abend vertröstet werden. Die 250 Photos, die Gidalewitsch zeigte; haben erfolgreich versucht, -den Fehler bisheriger Serien zu vermeiden. Vom erster! Augenblick der Überfahrt an — m'an sieht (die Makkabim ibeim Training, bei der Paßkontrolle und bei der Landung — bis zur Makkabiah und der Zehnjahrfeier der Universität und vor allem der Reise durch Stadt und Land, immer ist es Gidalewitsch gelungen, mit seiner Kamera gerade das ein>- zufangen, was nicht jeder sieht Oft sind es Dinge, die auf den ersten Blick ganz unwesentlich erscheinen, in Wirklichkeit aber Charakteristisch sind: z. B. (der Luftpostkasten mit den Inschriften in englischer, arabischer und an letzter Stelle hebräischer Inschrift, die Sprechstundensehilder von fünf Ärzten' an einem Haus, die Markierung der Kwuzoth mit großen Buchstaben auf den Dächern für die Militär-^Luft-Verwaltung, die einzelnen Betertypen von der Westmauer des Tempels, die wohl die eindrucksvollsten Bilder der so oft photograpbierten Klagemauer waren, die prächtigen Kleinen im Kinderhaus der Siedlung, die ihrem Vater zujubeln, der von der Arbeit hereintritt um ihnen! Schalom zu sagen. Gidalewitsch hat vor allem den Alltag Erez Israels zu photographieren gesucht, das Leben in Giwath Brenner und Haifa, wie es sich denn Jischuw selbst während der sauren Wochen darstellt, anders also, als es bei frohen Festen der Tourist sieht. Das ist ja das Wichtige: zu sehen, nachfüMan zu lernen, mit welchen Schwierigkeiten und Nöten man Tag für Tag, Monat auf Monat dort zu kämpfen hat welche Erfolge man aber auch dabei erringt und wie dann nach langen schweren Wochen froh das Erreichte gefeiert wird. Die Makkabiah und die Universität, von welchen wir auch treffliche Einzel- .bilder Gidalewitsch' sahen, sind natürlich wichtig und repräsentativ. Aber entscheidend für den jetzigen Stand und vor allem die Zukunft des Landes sind sie nicht. Die Lichtbilder, die wir gesehen haben, sinld neu, wichtig und wertvoll und verdienen überall im Reich gezeigt und mit Aufmerksamkeit1 angesehen zu werden. H. L. Gesellschaftsfahrt zum Zionistenkongreß. Bei genügender Beteiligung ist die Organisierung einer verbilligten Gesellscbaftsfahrt zu dem am 20. August in Luzeru beginnenden Zionistenkongreß geplant Interessenten werden gebeten, sich sofort beim Büro der ZOG, Schlosserstraße 2, Tel. 53 0 52, zu melden. Chug Iwri. Die nächste Zusammenkunft des Chug Iwri findet am 27. Juli, 19 Uhr, im Jüdischen Jugendheim, Herzog-Rudolf-Straße 1. statt. Die Unterhaltung wird Bialik gewidmet sein. Hebräisch verstehende Gäste sind herzlich willkommen. Tagung bayerischer Zionisten in München — Gründung des Gruppenverbandes Bayern der Z.V.f.D. Die Vertreter der organisierten Zionisten unter den bayerischen Juden versammelten sidh am 7. Juli im Sitzungssaal der AmatoureF Bringt Eure Photoarbeiten zum Entwickeln und Kopieren zu TROPLOWITZ Bayerstraße 7 ÄLLE MÄRKENÄPPÄRÄTE IN GRÖSSTER ÄUSWÄHL Israelitischen Kultusigemeinde München zu einer Tagung, die vom Vorsitzenden der Münchener ZOG, Dr. med. M. J. Gutmann, geleitet wurde. Er begrüßte vor allem als Vertreter der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Rechtsanwalt Benno Cohn (Berlin)", sowie Dr. Josef Weiß, den Leiter des deutschen Keren Kajemeflh und auch die Vertreter der Ortsgruppen München, Nürnberg, Bamberg, Augsburg, Würzburg und Regensburg, sowie Einzel-Zionisten aus mehreren! Orten des Landes. Rechtsanwalt Cohn erstattete hierauf seinen Bericht „Zionismus vor dem XIX. Kongreß — Zionismus im deutschen Judentum". Er hob die Bedeutung der bevorstehenden Luzerner Beratung, die Notwendigkeit einer Stärkung der Exekutive durch Erteilung größerer Vollmachten und Verlängerung der Legislaturperiode hervor. Der Redner wies dabei auf die verantwortungssc'hwere Arbeit der bisherigen Exekutive hin, die eine Steigerung der Zertifikatsziffer, neues Siedlungsland und eine Konsolidierung der Finanzen erkämpfte. Darüber hinaus wird sich der XIX. Kongreß gezwungen sehen, die zionistische Bewegung der Gola zu erneuern, d.h. im Osten beispielsweise Landesverbände in der Art der Z.V.f.D. zu schaffen. In Deutsehland muß die Arbeit und Werbung der Ortsgruppen vertieft und aufs ernsteste ausgebaut werden. Hand in Hand mit der besser fundierten zionistischen Bildung und Erziehung muß eine intensivierte Verbreitung'des Hebräischen gehen. Weil sich der deutsche Zionismus nicht der Verantwortung um die Dinge irrt deutschen Judentum entziehen will, hat er bestimmende Mitarbeit insbesondere in den Fragen der Schule, der Umschichtungs- und der Jugendarbeit g&fordert; den Anspruch alleiniger Führung hat er nie erhoben. — An Rechtsanwalt Cohns Ausführunigen, die auf alle innen- und außenpolitischen Fragen des Palästina-Aufbaus und auf die Aufgaben der Arbeit in Deutschland eingegangen waren, schloß sich eines Aussprache, in der zunächst Dr. Loewenthal (Nürnberg) und Fritz Stein (Bamberg) Anregungen zur praktischen Tätigkeit der Ortsgruppen gaben. Dr. Bamberger (Nürnberg) besprach Fragen der Politik der Histadruth und des Misrachi, s€wie der innerzionistischen Schulung, die Dr. Georg Josephthal (Berlin) von der Leitung des deutschem „Hechaluz" ergänzte. Der Nachmittag brachte zunächst eingehende Beratungen der Kommission für Zionistische Arbeit und des KIKL-Ausschusses. Uber die Ergebnisse dieser Sitzungen wurde anschließend vor dem Plenum berichtet umd zwar gab Dr. Richard Eisen (München) zunächst davon Kenntnis, daß die geplante Konstituierung des Bayerischen Gruppenverband es als notwendig und wünschenswert erkannt und vollzogen wurde. Der Sitz des Landesverbandes wurde vorerst nach München gelegt und Dr. Eisen zum Geschäftsführer bestimmt. Der Vorsitz setzt sich zusammen aus Dr. M. J. Gutmann (München), Dr. Bamberger (Nürnberg), Fritz Stein (Bamberg), Frau Seligsberger (Würzsburg) und als Vertreter der ohaluzischen Jugend Weintraub (Nürnberg). Für den Herbst wird ein Gruppen-Verbandslager geplarot. Die einzelnen Ortsgruppen berichteten über ihre Tätigkeit und ihre Geme'indepolirik. München ist die einzige ZOG, die sich schon längere Zeit wieder betätigen kann und einen beachtlichen Aufschwung genommen hat. — „Der Jischuw in Palästina vor dem Kongreß" war das Thema, das sich Dr. Georg Josephthal (Berlin) gesetzt hatte. Er schilderte zunächst die zukünftige Bedeutung neuer Landkäufe, vor allem die Wichtigkeit Transjordaniens, ging dann auf die besondere Bedeutung des nationalen Kapitals ein, das immer allein die Pioneraufgaben zu lösen hatte und demgegenüber für die Sicherung und Entwicklung der Zukunft des Jischuws das zahlenmäßig viel größere Privatkapital stets ohne entscheidendes Gewicht ist. Nach einer Erörterung der Fragen der Zertifikats- und Finanzpolitik, sowie der eines Legislative Council, besprach Dr. Josephthäl die Beideutung der Araberfrage. Der Redner erläuterte weiter Fragen der Innenpolitik und die Ursachen der Landflucht, die Notwendigkeit-ihrer Behebung und Wege hierzu, der Kongreßpolitik und verlangte die Festigung zionistischer Gesinnung, welche allein das Überstehen etwaiger Erschütterungen und Krisen in Erez Israel verbürgen kann. — An dieses Referat schloß sich ein Bericht über die deutsehe Einwanderung, den Dr. Josef Weiß erstattete. Er konnte auf Grund von Studien und Reisen erzählen, welchen besonderen Schwierigkeiten diese bisher etwa 24 000 Menschen umfassende Ali ja vorgefunden und im wesentlichen schon überwunden hat. Er besprach